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Zirkuskunst für alle

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Von: Ramona Wessmann

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Die Kostüme orientieren sich an bekannten Gemälden.
Die Kostüme orientieren sich an bekannten Gemälden. © Michael Schick

Roncalli gastiert noch bis zum kommenden Sonntag auf dem Festplatz am Ratsweg.

All for Art for All“ – Roncalli-Gründer Bernhard Paul hat es geschafft, erneut eine außerordentlich kreative und funkelnde Show zusammenzustellen. Der Name ist Programm: Eine Performanz zu Beginn der Vorstellung läutet entsprechend den Abend ein, die Kostüme orientieren sich an Gemälden: von einem Van-Gogh-Selbstbildnis bis zu Edvard Munchs „Der Schrei“ oder Leonardo da Vincis „Mona Lisa“.

Und auch die weltberühmten Tierhologramme fehlen nicht, sie sind das „Grand Opening“ der Show. Echte Pferde oder Elefanten gibt es bei Roncalli nämlich bereits seit 2018 nicht mehr. Der Zirkus hat sich entschieden, komplett tierfrei zu sein. Die Einführung der Hologrammtiere sorgte damals weltweit für Schlagzeilen, Tierschutzverbände begrüßten die Entscheidung.

Doch im aktuellen Programm werden den „roncallisierten“ Tieren nur wenige Minuten gewidmet. Der Fokus liegt auf der Verbindung von Zirkusartistik und bekannten Werken der Kunstszene.

Doch auch moderne Inszenierungen schaffen es in die Manege. So wird das „Triadische Ballett“ des Bauhauskünstlers Oskar Schlemmer neu interpretiert. Dieses zeichnet sich durch raumplastische Kostüme, die von Schlemmer entwickelt wurden, aus. Im Roncalli-Programm wird dieser Akt passenderweise von den vier Tänzerinnen des Roncalli-Balletts dargeboten. Die Adaptionen der Bauhaus-Figuren ließ Bernhard Paul eigens von einem Kostümdesigner anfertigen.

Highlights bot die Show viele. Eine begeisternde Performanz folgte der nächsten. Das Duo Luna bot atemberaubende und bezaubernde Ringakrobatik zum Besten, wobei die Körper der Artistinnen Marina Luna und Marika Gould zu einem einzigen zu verschmelzen schienen.

Die Übergänge der komplexen Figuren waren fließend, teils wurde der Körper der einen nur mit zwei Händen der anderen um ihren Kopf gehalten. Das Publikum schaute gebannt zu und verfiel dem Zauber des Duos auf Anhieb.

Roncalli

Der Circus Roncalli ist noch bis zum 13. November in Frankfurt. Vorstellungen gibt es von mittwochs bis sonntags. Mittwoch bis Freitag jeweils um 15.30 und 20.00 Uhr. Am Samstag beginnen die Vorstellungen um 15.00 und 20.00 Uhr, am Sonntag um 11.00 und 15.00 Uhr.

Der Zirkus hat seine Zelte auf dem Festplatz am Ratsweg aufgeschlagen, direkt neben der Eissporthalle. Die Adresse lautet: Am Bornheimer Hang 4 in Frankfurt.

Die günstigsten Ticketpreise für die letzten Vorführungen beginnen bei 27 Euro. Die Preisspanne reicht bis 76 Euro, je nach gewünschtem Platz.

Tickets können im Internet unter www.roncalli.de/tournee/tournee-2022 oder direkt an der Zirkuskasse gekauft werden. Die Kasse öffnet bereits ab 10 Uhr morgens. Für mehr Informationen gibt es eine telefonische Hotline: 069 /677 739 99.

Für den Besuch einer Vorstellung sind keine besonderen Corona-Regeln vorgesehen. Das Tragen von Masken ist freiwillig. prrw

Auch die Messoudi Brothers, bestehend aus den Brüdern Soffien, Karim und Yassin Messoudi, begeisterten die Besucher:innen. Sie sind bekannt aus zahlreichen internationalen TV-Auftritten, auch aus der RTL-Show „Supertalent“. In dieser belegten sie 2020 den zweiten Platz. Der Auftritt der Messoudi Brothers war der krönende Abschluss des Abends, und in ihrer siebenminütigen Darstellung wurde sehr deutlich, warum. Die Performanz strotzte vor Kraft, das Publikum verfolgte voller Spannung die Handstandakrobatik und Körperspannung der drei Brüder. Jeder Griff musste stimmen und die Besucher:innen konnten verfolgen, dass die Akrobaten auch zitternd, unter höchster Belastung, an ihren Figuren festhielten.

Neben den Messoudi Brothers traten auch neue Artisten im aktuellen Programm von Roncalli auf, etwa der ukrainische Ringejongleur Danil Lysenko. Er habe bereits im Dezember 2021 in Berlin für Roncalli gearbeitet, kehrte dann aber in die Ukraine zurück. Eigentlich wollte der Artist im März dieses Jahres schon wieder da sein, doch durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine kam es anders. So kehrte Lysenko erst im Mai zurück in die Manege von Roncalli.

„Ich arbeite gerne für Roncalli, ich habe hier tolle Freunde gefunden und ich liebe es, dass ich mit so einem talentierten, internationalen Team arbeiten darf“, sagte Lysenko. Der Jongleur stellte mit seiner Kunst bereits drei Weltrekorde auf, mit elf Ringen kann er jonglieren. „Ich habe jeden Tag mit meinem Trainer trainiert und tue dies immer noch, um noch mehr zu schaffen“, berichtet er.

Neu und außerordentlich beliebt beim Publikum ist Clown Rico. Der Artist dahinter heißt Jonny Rico und ist gebürtiger Spanier. Bereits sein Vater und Großvater waren Clowns. „Es liegt mir im Blut“, sagt Rico. Er habe jedoch zehn Jahre in einer Schule verbracht und habe Musik studiert. Sein Konzept sei also ein etwas anderes als das seiner Verwandten. Rico versucht, eine moderne Komponente zu integrieren. Dies gelingt ihm auch durch sprachliche Details wie „Alexa, spiel Musik“, wo er auf die Sprachsteuerung der Amazon-Echo-Musikbox anspielt. Neben einer vierminütigen Soloperformance ist Clown Rico auch immer wieder in anderen Programmpunkten zu sehen, in amüsanten Interaktionen mit den anderen Artist:innen. Die Sympathie des Publikums gewinnt er so allemal, und das zeigt sich auch in dem großen Beifall für ihn.

Ob kraftvolle Akrobatik oder komische und liebenswürdige Clowndarbietungen – ein Abend bei Roncalli hat einiges zu bieten. Doch auch das Zirkuszelt und die aufwendig restaurierten Zirkuswagen sind ein Hingucker. Die Liebe zum Detail ist sowohl im künstlerischen Programm als auch in den Kostümen und der geschaffenen Atmosphäre nicht zu übersehen.

Noch bis Sonntag, den 13. November, können Frankfurter und Frankfurterinnen in die Welt des Circus Roncalli eintauchen.

Handstandakrobatik im Mondrian-Stil.
Handstandakrobatik im Mondrian-Stil. © Michael Schick
Das Duo Luna ist perfekt aufeinander abgestimmt.
Das Duo Luna ist perfekt aufeinander abgestimmt. © Michael Schick
Ein Clown kommt immer gut an.
Ein Clown kommt immer gut an. © Michael Schick
Auch ein Fisch begeistert das Publikum.
Auch ein Fisch begeistert das Publikum. © Michael Schick

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