Unfall

Zeugen berichten von selbstloser Rettung am Frankfurter Hauptbahnhof

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Der Sturz eines Radfahrers ins Gleisbett am Hauptbahnhof war offenbar dramatischer als bisher bekannt. Zwei Retter sollen ihr eigenes Leben riskiert haben.

Nach dem Sturz eines 39-jährigen Radfahrers in ein Gleisbett des Hauptbahnhofs am Mittwochmorgen haben sich jetzt Zeugen bei der Frankfurter Rundschau gemeldet und von zwei Rettern berichtet, die den Gestürzten unter Einsatz ihres Lebens von den Gleisen geholt hätten.

Der Radfahrer war gegen 9.30 Uhr auf die Gleise gestürzt, nachdem er zuvor vermutlich das Gleichgewicht verloren hatte. „Bundespolizei und Passanten halfen ihm laut Polizei aus dem Gleisbett“, hatte die FR gestern gemeldet. Die Zeugen sagen nun, dass die Bundespolizei bei der Rettung höchstens die zweite Geige gespielt habe.

Sie habe zwar nicht gesehen, wie der Mann auf das Gleisbett gefallen sei, sagt eine Zeugin, aber durch das Scheppern sei sie auf den Unfall aufmerksam geworden. Ein junger Mann mit dunkler Hautfarbe sei sofort ins Gleisbett gesprungen. Ihm sei es aber nicht gelungen, den Bewusstlosen alleine hochzuheben. Ein zweiter Mann mit ebenfalls dunkler Hautfarbe sei ihm daraufhin beigesprungen, mit vereinten Kräften hätten sie den Mann in Sicherheit bringen können. Dann erst sei die Bundespolizei dazugekommen und habe Erste Hilfe geleistet. Die beiden jungen Retter hätten eine Ehrung verdient, meint die Zeugin.

Diese Ansicht vertritt auch die zweite Zeugin, zumal „für den Verletzten und die beiden Retter hochgradige Lebensgefahr“ bestanden habe: „Soweit ich mich erinnere, war die nächste S-Bahn auf Gleis 103 bereits angekündigt.“ Sie habe mitbekommen, wie die Polizei die Personalien der beiden aufgenommen habe – und angesichts „der derzeitigen Diskussion möchte ich jedoch sehr bitten, dass Sie im Nachtrag erwähnen, dass es sich um einen Eritreer und einen Ägypter handelt, beide mit deutschem Pass“. Der „unglaublich selbstlose Einsatz“ der beiden verdiene jedenfalls „sehr großes Lob“, wenn nicht mehr.

Der Fall erinnert an die Tragödie, die sich im vergangenen November an der S-Bahn-Station Ostendstraße abgespielt hatte. Damals hatte der 17 Jahre alte Hanauer Mustafa Alptug Sözen den erfolgreichen Versuch, einen bewusstlosen Menschen von den Gleisen zu ziehen, mit dem Leben bezahlt. Er konnte den Mann retten, sich aber selbst nicht mehr vor dem einfahrenden Zug in Sicherheit bringen. An diese Heldentat erinnern nun ein paar Gedenktafeln in der Station, die seit Mitte dieses Jahres den Namen des Lebensretters zumindest im Beinamen führt. Tausende hatten zuvor eine Ehrung gefordert.

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