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Zensus: Der Staat will mehr über Wohnungen und Mieten wissen

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Von: Gregor Haschnik

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Zur Erhebung dieser Daten werden Eigentümerinnen und Verwalter angeschrieben. Sie müssen dann Auskunft über Flächen, Ausstattung, Nutzung und Leerstand geben.

Neben der Einwohner:innenzahl ermittelt der Zensus die Zahl der Wohnungen und Wohngebäude. Das Statistische Landesamt schreibt dazu Eigentümer:innen und Verwalter:innen, darunter auch große Unternehmen, an und fordert sie auf, den Standort sowie Daten etwa zu Größe und Ausstattung der Wohnung beziehungsweise des Wohngebäudes in einen Online-Fragebogen einzutragen und zu schicken. Zu den abgefragten Merkmalen gehören auch Eigentumsverhältnisse, Gebäudetyp, Baujahr, Art der Nutzung, Zahl der Bewohner:innen und Räume, Heizungsart und Energieträger, Nettokaltmiete, Leerstandsdauer und -gründe. Die drei letztgenannten Punkte sind neu aufgenommen worden. In Heimen und Gemeinschaftsunterkünften, etwa für Geflüchtete, werden in diesem Zusammenhang deutlich weniger Fragen gestellt, etwa zu den möglichen Wohnformen und zur Zahl der Plätze.

Die Daten sollen Grundlagen für wohnungspolitische Entscheidungen sein. Denn sie lassen zum Beispiel – regional und lokal differenziert – Rückschlüsse darauf zu, in welchen Landkreisen und Kommunen es genügend Wohnraum gibt und wo nicht, wo viele Menschen auf engem Raum leben müssen, wo die Mieten, wo die Leerstandsquoten am höchsten sind und wie sich der Bestand der Wohnungen in Landesbesitz entwickelt.

Wo muss Spekulation mit Wohnraum eingedämmt werden? Wo sollte die Infrastruktur verbessert werden, damit mehr Leute in ländliche Gegenden ziehen, in denen Häuser und Wohnungen leer stehen? Wo sind relativ viele alte Objekte? Wo leben viele bedürftige Menschen, und wo sind die Mieten in den vergangenen Jahren am stärksten gestiegen und für viele Menschen kaum noch bezahlbar?

Wohnungspolitische Instrumente dagegen, die in Hessen zumindest zum Teil greifen und intensiviert werden könnten, sind Nachverdichtung, sozialer Wohnungsbau, die Mietpreisbremse oder der sogenannte Umwandlungsvorbehalt von Kommunen, wenn aus Mietobjekten teure Eigentumswohnungen werden sollen. Der Mieterbund fordert zudem unter anderem ein wirksames Vorkaufsrecht, um Spekulation zu unterbinden. Privatinvestor:innen hingegen wollen finanzielle Anreize und weniger Bauvorschriften.

Der Vergleich mit vorangegangenen Zählungen, zum Beispiel aus dem Jahr 2011, und mit anderen Bundesländern zeigt zudem, wohin die Entwicklung in den einzelnen Bereichen in Hessen geht. Zu den Ergebnissen des Zensus 2011 gehörte beispielsweise, dass von den insgesamt 1,35 Millionen Wohngebäuden in Hessen die mit Abstand meisten – 606 000 – zwischen 1949 und 1978 erbaut worden waren, jene mit mehr als sieben Wohnungen kaum mehr als vier Prozent ausmachten. Und dass immerhin noch 90 000 Wohngebäude lediglich über Einzel- oder Mehrraum-öfen verfügten. Am größten war die durchschnittliche Wohnfläche im Vogelsbergkreis und im Schwalm-Eder-Kreis mit 110 Quadratmetern und mehr, am kleinsten in Frankfurt und Offenbach, mit weniger als 80 Quadratmetern.

Die Leerstandsquote lag hessenweit bei 3,8 Prozent und war in Darmstadt mit 2,6 Prozent am niedrigsten, im Werra-Meißner-Kreis mit 6,8 Prozent am höchsten. Auch im Odenwald-Kreis, Vogelsbergkreis, Schwalm-Eder-Kreis und Kreis Hersfeld Rotenburg betrug die Quote mehr als sechs Prozent, im Main-Kinzig-Kreis und im Rheingau-Taunus-Kreis war sie mit vier bis fünf Prozent ebenfalls relativ hoch. Fast jeder zweite Hesse wohnte damals im Eigenheim. Besonders hoch war der Wert etwa im Vogelsbergkreis mit mehr als 60 Prozent, besonders niedrig in Frankfurt mit 19,2 Prozent.

Im Zuge des Krieges in der Ukraine und dessen Folgen dürften Informationen über die Parameter Heizungsart und Energieträger besonders interessant sein und unter Umständen zu weiteren Förderprogrammen für den Einbau etwa von Wärmepumpen oder Photovoltaik führen, um die Abhängigkeit von Öl und Gas zu reduzieren.

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