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Zeitsprung mit Strapsen

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Von: Meike Kolodziejczyk

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Genderfluid und aktuell wie nie zuvor: der Schlossherr (Oliver Savile) und seine Gefolgschaft. Jochen Quast
Genderfluid und aktuell wie nie zuvor: der Schlossherr (Oliver Savile) und seine Gefolgschaft. Jochen Quast © Jochen Quast

Eine Neuauflage von Richard O’Brians Kultmusical „Rocky Horror Show“ in der Inszenierung von Sam Buntrock kommt in die Alte Oper – mit allem, was dazugehört

Welcher Auftrittsort wäre für jemanden mit diesem Namen passender als Frankfurt? In Strapsen und knallroten High Heels stöckelt er über die Bühne und bekennt lasziv, ein „Sweet Transvestite from Transsexual, Transylvania“ zu sein. Er heißt Frank’n’Furter, ist Wissenschaftler – und nicht von dieser Welt. Und er bringt gleichermaßen Männlein wie Weiblein in Wallung. Wenn er im Bild erscheint, ist das Publikum allerdings schon längst ausgeflippt und hat sich geschüttelt zum „Time Warp“.

Wegen Corona später als geplant, ist „Richard O’Brien’s Rocky Horror Show“ wieder auf großer Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Seit 13 Jahren feiert das Kultmusical in der Inszenierung von Sam Buntrock weltweit Erfolge. Im April und im Juli gastiert eine Neuauflage der Produktion für jeweils mehrere Tage in der Alten Oper in Frankfurt.

Nicht nur Fans kennen das schrille Spektakel, das der britische Schauspieler, Autor und Komponist Richard O’Brien vor 50 Jahren geschaffen und 1973 in London zur Uraufführung gebracht hatte: Das frisch verlobte, biedere Paar Brad und Janet hat in einer Gewitternacht eine Autopanne und sucht Hilfe in einem gruseligen Schloss. Damit beginnt die Reise in eine unbekannte Galaxie voller Lust, Laster und bizzarer Erlebnisse, die alles verändert.

Die Show

Die „Rocky Horror Show“ gastiert auf ihrer Deutschlandtour zwei Mal in der Alten Oper Frankfurt, Opernplatz 1, und zwar von Dienstag, 19. April, bis Sonntag, 24. April, sowie vom 1. bis 3. Juli.

Tickets kosten je nach Termin und Platzwahl zwischen 22,90 Euro und 97,90 Euro. myk

www.alteoper.de
www.rocky-horror-show.de
www.bb-promotion.com

Via Videopräsentation aus dem Probenstudio des Capitol-Theaters Düsseldorf wird ein Blick hinter die Kulissen der Produktion gewährt, der Regisseur ist aus London zugeschaltet. Die vergangenen zwei Jahre habe man genutzt, um das Stück grundlegend zu überarbeiten und den „aktuellen technologischen Möglichkeiten und Sehgewohnheiten anzupassen“, sagt Buntrock. „Wir wollten einfach eine große Rock’n’Roll-Show machen.“ Die Gäste dürften auf eine sehr „distinguierte und emotionale Version“ gespannt sein – und Theater endlich wieder „menschlich und intim“ auf der Bühne erfahren.

Das Publikum nämlich spielt stets eine zentrale Rolle. Viele Fans kommen verkleidet und haben Utensilien wie Wasserpistolen, Gummihandschuhe oder Zeitungen dabei. Der Saal interagiert mit der Bühne, alles singt und tanzt mit. „Put your hands on your hips“, ruft der Erzähler, der nicht nur die Story schildert, sondern auch die Reaktionen der Zuschauer:innen kommentiert. Diesen Part übernehmen in Frankfurt die Schauspieler Sky du Mont und Hardy Krüger junior.

Auch Martin Flohr, als Art-Director der Mannheimer Tourneegesellschaft BB Promotion künstlerisch verantwortlich für die Produktion, freut sich „auf dieses Feuer, dieses Mitmachen, das wir so lange vermisst haben“. Die „Rocky Horror Show“ sei ein „Kult, der sich immer wieder neu befruchtet“. Neu sei etwa die Besetzung, gecastet wurde in London. „Let’s do the time warp again“, sagt Flohr, „hatte nie so viel Kraft wie jetzt.“

Das Klavier im Probenstudio in Düsseldorf hat zwar nicht so viel Kraft wie die große Liveband der Show, die Gesangs- und Tanzeinlagen von Janet, Brad, Magenta, Riff Raff, Columbia und Rocky betören dafür umso mehr, obwohl die Darsteller:innen ohne Kostüm und Schminke übers Parkett toben. Schlossherr Frank’n’Furter, verkörpert von Oliver Savile, hat immerhin die roten High Heels an den Hacken. Kaum zu glauben: Vor dieser Rolle habe er noch nie Stöckelschuhe getragen, gesteht Savile, seine Kolleginnen hätten ihm ein paar Tipps gegeben: „Füße kreuzen, Hüfte schwingen.“ Ob es so mit dem Sprung nach links klappt, sei für Normalirdische mal dahingestellt.

„Wir hatten das große Glück, dass Richard O’Brien uns damals hilfreich zur Seite stand und uns die ganze Philosophie nahegebracht hat“, sagt Ralf Kokemüller, Geschäftsführer von BB Promition. Das Stück sei heute so aktuell wie nie zuvor, es sei „genderfluid“ und überhaupt „ein Riesenspaß“. Und den hätten sich die Menschen nach all der Enthaltung in der Pandemie verdient. „Das Theater ist zurück, das Leben ist zurück.“ Was hoffentlich – Verzeihung, wenn der Eröffnungssong der Show hier am Ende bemüht wird – keine „Science Fiction“ ist.

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