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Künstler Justus Becker (unten) und sein Werk (oben).

Kunst

Zeit, dass sich in Frankfurt was dreht

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Ein Klimakunstwerk in Sachsenhausen soll jenen Mut machen, die mit der Bahn vorbeifahren. Das Umweltministerium betrachtet es als Teil seiner Strategie.

An Justus Becker wird es jedenfalls nicht gelegen haben, sollte es mit dem Weltklima endgültig bergab gehen. Justus Becker hat alles gegeben. Der Künstler ist an acht Tagen für insgesamt 63 Stunden eine Hauswand in Sachsenhausen hinauf- und hinabgefahren, und nun prangt dort, an der Aussiger Straße 10, eine 25 Meter hohe Wandmalerei.

Klima-Graffiti nennt es das hessische Ministerium für Umwelt und Klimaschutz. Fassadengestaltung nennt Becker selbst, was er so macht. „Eigentlich Mural Arts“, sagt er, „aber das ist nicht jedem ein Begriff.“ Mural heißt so viel wie Wandgemälde.

Auf Beckers Werk wendet sich vieles zum Besseren: Aus der von Hitze und Trockenheit gepeinigten Welt wird wieder eine helle und grüne, allerdings klar dominiert von Solar- und Windkraftanlagen – und alles im Handumdrehen, denn zwei Hände in der Bildmitte drehen eine Art Zauberwürfel. „Es war eine coole Herausforderung“, sagt Becker, „und es transportiert eine gute Message.“ Das Thema sei wichtig: „Alle sollten sich viel mehr mit der Zukunft befassen.“

So sieht es auch die Nassauische Heimstätte, die die Wand zur Verfügung stellte und Nachhaltigkeit als „Unternehmensziel Nummer 1“ ausgegeben hat, wie Geschäftsführer Thomas Hain betont. Und so sieht es auch die hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne), die das Kunstwerk aus möglichst umweltfreundlichen Sprühfarben mit 10 000 Euro Landesmitteln finanzierte. „Wir können noch was drehen“, lautet ihr Credo.

Um das klarzumachen, mussten Justus Becker und die Nachbarn in der Aussiger Straße einiges auf sich nehmen. „Die ersten Tage macht man sich ein bisschen in die Hose wegen der Höhe“, sagt der Künstler. „Aber man gewöhnt sich dran.“ Gleiches gelte vermutlich für den Lastwagenlärm, der beim Betrieb der Hebebühne an der Hauswand entstand. „Das ist schon laut“, sagt Becker, er habe befürchtet, dass sich die Anwohner beschwerten. Die seien aber durchaus interessiert gewesen und hätten sogar Kaffee angeboten.

Und wie malt man so ein riesiges Bild, wenn man praktisch mit der Nase dran klebt, ohne Gesamtüberblick? „Ich plane das vorher, teile die Wand in Abschnitte ein und übertrage dann“, schildert Becker.

Die Kunstfreunde sind beeindruckt – nur so richtig sehen kann man das gigantische Bild nicht, wenn man am Haus steht. Es fehlt der Platz zum Zurücktreten, denn da ist ja direkt der Bahndamm. Die Umweltministerin rät daher: Mit der S-Bahn fahren und aus dem Fenster gucken. Soll ja auch gut fürs Klima sein.

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