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Ein Café, das Grenzen überwinden soll

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Getränke, Kuchen und Beisammensein prägen die Cafés. Rüffer
Getränke, Kuchen und Beisammensein prägen die Cafés. Rüffer © Rainer Rüffer

Zeilsheim Initiative will mit ihrer Pop-up-Idee den Stadtteil enger zusammenwachsen lassen

Wenn sich die Bewohner der zentrumsnahen Stadtteile auf eine Unterhaltung bei Kaffee und einem Stückchen Kuchen treffen möchten, müssen sie meistens nur ein paar Schritte vor die Haustür gehen, um ein nettes Café zu finden. Ganz anders sieht es hingegen in Zeilsheim aus. „Wenige Geschäfte, kein Café und damit kaum Möglichkeiten für Kommunikation“, beschreibt Monika Saltuari die Situation. Umso mehr freut es sie, dass das an diesem Sonntagnachmittag anders ist. Mit zwei anderen Frauen hat sie sich im Schatten der Bäume im Bechtenwaldpark niedergelassen, vor ihnen auf dem Tisch Rührkuchen und Filterkaffee. Zwischen den Bäumen wehen bunte Wimpelketten und ein paar pastellfarbene Ballons, aus einer Box klingen leise jazzige Töne.

Den Einfall, ein solches Pop-up-Café zu organisieren, um die Zeilsheimer zusammenzubringen, hatte Vanessa Keller von der Ideenschmiede. Eine Initiative, die sich zweimal im Monat trifft und im Rahmen von Workshops Projekte für den Stadtteil entwickelt. Auch Keller hatte die Möglichkeit vermisst, gemeinsam einen Kaffee zu trinken und Begegnung zu schaffen, aber auch gesehen, dass es in Zeilsheim viele Flächen gibt, die es lohnt zu beleben. Wie den Detmolder Platz oder die Grünfläche am Braunschweiger Weg, sagt sie. In Zukunft könnte ein solches Café einmal im Monat stattfinden, immer an anderer Stelle. „Wir schauen heute erst einmal, wie es sich entwickelt“, meint sie.

Das Interesse ist da. Inzwischen haben sich gut 20 Menschen an dem langen Kuchenbuffet bedient und an den Tischen oder auf Picknickdecken im Gras niedergelassen, darunter auch viele Kinder. Bei Monika Saltuari am Tisch sitzen noch Melanie Wollnik und Corinna Mündlein. Die drei Zeilsheimerinnen unterhalten sich über die Probleme, die der Stadtteil in ihren Augen hat. Die Pfaffenwiese teile ihn in zwei Hälften, auch habe der Bechtenwaldpark einen schlechten Ruf.

Als Ursache für letzteres vermutet Wollnik einerseits die Geschichte des Ortes – ein Denkmal erinnert an das Lager, in dem dort in der Zeit des Nationalsozialismus Zwangsarbeiter und nach Kriegsende Flüchtlinge und Kriegsgefangene untergebracht waren - andererseits auch die jungen Leute, die sich dort mit ihren Bierflaschen niederließen. Verstehen kann sie dieses negative Image nicht, sie komme gerne mit ihren Kindern hierher. „Das ist doch eine schöne Ecke“, meint sie. Der alte Baumbestand gefällt ihr besonders gut. Keller sieht das ähnlich: Schön beschattet biete sich der Park an, mehr genutzt zu werden. Sie sei sich der Gedenkstätte bewusst, „Aber an einem solchen Ort kann man auch neue Erinnerungen schaffen.“ Und Pop-up-Cafés können dabei helfen.

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