Römer 

Ein Zeichen des Aufbruchs in Frankfurt

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Jessica Purkhardt  und Sebastian Popp sind die neuen Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Römer. 

Am Tag danach wirken einige bei den Frankfurter Grünen noch immer so, als könnten sie kaum glauben, was da am Abend zuvor geschehen ist. Zwei Personen, die bisher für das Kulturleben der Stadt sprachen, sind zu neuen Fraktionsvorsitzenden im Römer gewählt worden: Jessica Purkhardt (38) und Sebastian Popp (55). Dass die beiden es auf diese Position geschafft haben, ist auch ein Ausdruck des Unbehagens beim politischen Kurs der früheren Fraktionsführung. Und es ist ein Zeichen des Aufbruchs.

In den sieben Jahren mit Manuel Stock an der Spitze hatten die Grünen machttechnisch sehr gut funktioniert. Sie waren ein verlässlicher Partner in der schwarz-grünen Koalition bis 2016 und auch danach im Römer-Bündnis mit CDU und SPD. Doch gerade in der Zeit von 2012 bis 2016, in der Stock eine Achse mit Bürgermeister und Planungsdezernent Olaf Cunitz bildete, zeigten sich die Grünen manchmal arg technokratisch und glatt. Die grünen Wurzeln in der Kultur und in der alternativen Szene schienen oft gekappt. Schon damals war in der Römer-Fraktion bei etlichen ein Unbehagen spürbar, doch Cunitz und Stock hielten die Zügel eisern in der Hand.

Jetzt treten Purkhardt und Popp mit dem Motto an, etwas Neues zu wagen. Schon die Doppelspitze, die ja gerade auch bei der Bundespartei gut funktioniert, ist ein Signal. Die beiden sind nun gekürt bis zur Kommunalwahl im Frühjahr 2021 – doch das Duo traut sich auch mehr zu.

Die Alternative bei der abendlichen Abstimmung wirkte auf die Mehrheit der 14-köpfigen Fraktion doch eher als ein Weiter so – und das war nicht gewollt. Die 66-jährige Ursula auf der Heide, bisher stellvertretende Fraktionsvorsitzende, wurde geschlagen. Dennoch bleibt die Aufgabe, die auf die freie Journalistin Purkhardt und den Filmproduzenten Popp zukommt, nicht einfach. Sie müssen jetzt zeigen, dass sie mehr können als nur Kultur – denn an der Spitze der Fraktion sind sie als politische Generalisten gefordert. Sie müssen von den städtischen Finanzen etwas verstehen, sie müssen in der Planungs- und in der Sozialpolitik mehr als nur mitreden.

Für Popp ist das einfacher als für Purkhardt. Der 55-Jährige, schon einmal von 1989 bis 1993 im Stadtparlament, ist politisch breiter aufgestellt. Er gehört seit mehr als 15 Jahren dem Vorstand der Aids-Hilfe Frankfurt an und er war Gründungsvorsitzender der grünen Parteistiftung in Hessen. Purkhardt wiederum verfügt über Erfahrungen, die ihren Horizont erheblich über Frankfurt hinaus geweitet haben. Sie war Korrespondentin in Fernost, arbeitete in einem Bangkoker Rettungsdienst mit.

Die beiden wollen sich auch die Fraktionsgeschäftsführung teilen. Seine Funktion als kulturpolitischer Sprecher wird Popp wohl kaum weiterführen. Hier böte sich Bernhard Maier an, der als Nachrücker für Stock wieder in die Römer-Fraktion gekommen ist und schon 2011 bis 2016 dem Stadtparlament angehörte.

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