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Großer Jubel beim Empfang für die Fußballspieler der Eintracht Frankfurt im Römer.
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Großer Jubel beim Empfang für die Fußballspieler der Eintracht Frankfurt im Römer.

Eintracht Frankfurt

Zehntausende feiern den Pokalsieg

  • Christoph Manus
    VonChristoph Manus
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Zehntausende feiern am Römer den Pokalgewinn. Die Spieler von Eintracht Frankfurt fahren in einem Korso durch die Stadt.

Es sind Szenen, die  in Frankfurt viele Jahre, ja vielleicht noch nie zu sehen waren. Die Mannschaft von Eintracht Frankfurt, die am Samstagabend als klarer Außenseiter den DFB-Pokal gewann, fährt in einem Korso vom Flughafen bis zum Römer – und Zehntausende säumen die Straßen. Tausende stehen allein am Wädchestag Spalier, die Untermainbrücke ist schwarz vor Menschen, die Fans stehen  dicht wie bei einer Bergankunft der Tour der France.

Nicht nur ganz  Frankfurt  scheint unterwegs zu sein an diesem Pfingstsonntag. Viele Anhänger des Klubs sind weit gefahren, um die Pokalsieger feiern zu können. Die ganze Innenstadt ist voller Fans. Um die 80 000 sollen es sein.

Der Römerberg, wegen des riesigen Andrangs früh für weitere Besucher geschlossen, ist ein einziges Fahnenmeer. Dicht gedrängt stehen die Fans rund um das Frankfurter Rathaus in ihren schwarzroten und schwarzweißen Trikots, warten stundenlang, singend, brüllend, auch immer mal hüpfend, dass ihre Mannschaft  auf den Römerbalkon tritt. HR3 beschallt sie mit Stimmungshots von „West Virgina“ bis „Volare“. Wer es nicht mehr in den abgesperrten Bereich geschafft hat, kann das Treiben auf Großleinwänden verfolgen.

Als  ihre Pokalhelden, die Überraschungssieger von Berlin, dann endlich erscheinen, tauchen einige den  Römerberg in ein schwarz-rotes Meer von Pyrorauch. Sogar Kevin-Prince Boateng brennt inmitten seiner Teamkollegen auf dem Balkon eine Rauchfackel ab.   Drinnen, im  Kaisersaal des Rathauses, in dem die Stadt die Mannschaft empfängt,  stinkt es noch eine Stunde später. Dino, einer der Vorsänger der Eintracht-Ultras, bringt die Massen auf dem Balkon in Stimmung. Spieler posieren mit dem Pokal, machen Selfies. Auch unten, auf dem Platz, sind alle Handys gezückt, knipsen und filmen die Eintrachtfans, was das Zeug hält,  schicken, die Bilder stolz an alle, die nicht dabei sein können beim Fantrubel. Doch das wenigste kommt noch durch. Das Netz scheint  total überlastet zu sein.

Die Spieler auf dem Römerbalkon  sind so heiser und so müde  wie die Fans, die am Vorabend lange gefeiert, kaum geschlafen und oft deutlich mehr getrunken als gegessen haben.  Und die nun seit Stunden Eintrachtlieder singen und ihre Idole, etwa Alex Meier, ihren „Fußballgott“  hochleben lassen.

„Ihr seid krank,  so geil!!“, lobt Boateng die Anhänger, bevor er eine Lanze für den scheidenden Trainer Niko Kovac bricht. Der habe eine hervorragende Arbeit geleistet, sei eigentlich ein ganz emotionaler Mensch, zeige das nur nicht, sagt er. „Er geht zu den Bayern. Aber er hat uns den Pokal geschenkt!“, ruft Boateng den Fans zu, die Kovac noch zu Beginn des Pokalspiels ausgepfiffen hatten.

Kovac selbst kann kaum noch sprechen. „Der Pokalsieg ist ein Geschenk von uns an Euch“, ruft er den Fans zu, spricht von einem wunderschönen, ja historischen Tag für Frankfurt. Der Applaus bleibt eher bescheiden.

Drinnen im Kaisersaal ist es proppevoll. Politiker und viele, die zur Stadtgesellschaft gehören oder gehören wollen, drängen sich dort,  wollen die Mannschaft, die erstmals seit 30 Jahren wieder einen Titel gewonnen hat,  feiern oder sich einfach gerne mit ihr zeigen. Auch Eintracht-Adler Attila ist wie im Vorjahr dabei.  

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), der lange im Kaisersaal ausharrte, bis die Mannschaft eintraf,  und OB Peter Feldmann (SPD) haben den Pokal hineingebracht.  Der Oberbürgermeister, der die Eintracht nach Berlin begleitet hatte, trägt, wie öfter,  Amtskette. Diesmal aber kombiniert mit einem  schwarz-weißen Eintrachtschal. Auch er lobt ausdrücklich den ausgerechnet zu Bayern München wechselnden Trainer. „Herr Kovac, so einen Abgang  hat in Frankfurt auch noch keiner hingelegt“, sagt er etwas ironisch.

Eintracht-Vorstand Axel Hellmann kann ein Versprechen einlösen.  „Wir werden uns wiedersehen in Berlin, um zu vollenden, was wir diesmal nicht geschafft haben“, hat er vor einem Jahr, als die Mannschaft im Finale gegen Dortmund unterlag, etwas sehr vollmundig angekündigt. „Das haben wir jetzt vollendet“, sagt er nicht ohne Stolz, schwärmt von den Zehntausenden, die die Mannschaft auf ihrer Jubelfahrt durch die Stadt begleitet haben.

Erst gegen 19 Uhr leert sich der Römerberg wieder ganz langsam. Trauben von Fans ziehen, weil die Straßenbahn wegen des riesigen Andrangs noch immer nicht durch die Altstadt fährt, Richtung Hauptbahnhof. Hungrig, völlig übermüdet nach fast 24 Stunden Feierei, ohne Stimme aber glücklich.

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