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Ansgar Wucherpfennig ist wegen seiner positiven Aussagen über Homosexuelle in Bedrängnis geraten.

Hochschule Sankt Georgen Frankfurt

Ansgar Wucherpfennig soll Rektor bleiben

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Studierende der Jesuiten-Hochschule St. Georgen in Frankfurt stellen sich hinter ihrem Rektor Ansgar Wucherpfennig.

Zum Semesterbeginn hat sich die Studierendenvertretung Asta der Jesuiten-Hochschule Sankt Georgen mit einem öffentlichen Statement hinter ihren Rektor, den Jesuitenpater Ansgar Wucherpfennig, gestellt. „Unserem Empfinden nach hat P. Wucherpfennig bisher im kirchlichen und theologischen Interesse gehandelt. Deshalb fordern wir, dass er Rektor der Hochschule bleibt“, heißt es in der am Freitag veröffentlichten Erklärung.

„Wegen der Prüfungswoche konnten wir uns leider erst jetzt geschlossen äußern“, sagte die Asta-Vorsitzende Hannah Falkenstein der FR. Die Studierenden gingen aktuell fest davon aus, dass Wucherpfennig vom Vatikan doch noch das „Nihil obstat“ bekommt. Falls nicht? „Darüber haben wir, ehrlich gesagt, noch nicht gesprochen. Wir gehen einfach fest davon aus, dass er unser Rektor bleibt“, sagte Falkenstein. 

Tatsächlich ist das letzte Wort in der Causa Wucherpfennig noch nicht gesprochen: Am Dienstagabend ließ der Vatikan mitteilen, dass der Prüfungsprozess noch laufe. Wucherpfennig hatte erwogen, inwiefern auch Frauen zu Diakonen geweiht werden könnten. Außerdem hatte er sich in einem Zeitungsinterview vor zwei Jahren positiv zu homosexuell Liebenden geäußert. 

Der Bibelwissenschaftler sagte unter anderem, es gäbe „missverständlich formulierte Stellen in der Bibel“, die einer kritischen Auslegung bedürften. Im ZDF erklärte der Rektor in dieser Woche, er habe die liberaleren Töne von Papst Franziskus zum Thema Homosexualität („Wer bin ich, zu urteilen“) beim Wort genommen. „Und ich kann nicht nachvollziehen, warum das jetzt ausgebremst wird, ausgerechnet von engsten Mitarbeitern des Vatikan“, sagte Wucherpfennig.

Kritik am Vatikan übten nun auch die Studierenden in ihrem Statement: „Wir finden das Verfahren vollkommen intransparent und inakzeptabel. Welche konkreten Gründe gibt es für die Verzögerung? Aus unserer Sicht war seit Ende Juni genügend Zeit, die Unklarheiten zu beseitigen“, schrieben sie. Nachdem Wucherpfennig im Februar erneut zum Rektor gewählt worden war und von seinem Generaloberen ein „Nihil obstat“ bekommen hatte, teilte die vatikanische Bildungskongregation im Juni mit, dass er wegen der genannten Äußerungen keine Lehrerlaubnis mehr erhalten könne, wenn er nicht öffentlich erkläre, dass er „in Übereinstimmung mit der kirchlichen Lehre die Reserviertheit des Priestertums für den Mann und die Doktrin betreffend der moralischen Einschätzung homosexueller Akte“ bestätige.

Darauf reagierte der zuständige Jesuiten-Provinzial Johannes Siebner umgehend mit dem Hinweis an den Vatikan, dass die Zeit für eine Wiederwahl bis zu Semesterbeginn äußerst knapp sei, und stellte sich zugleich hinter Wucherpfennig. Seither habe er aus Rom keine Meldung mehr bekommen, teilte er dem Internetportal katholisch.de mit. „Und das ist für mich das Ärgerliche. Ein normaler Vorgang wäre doch gewesen, nach der Lektüre des Interviews bei Pater Wucherpfennig nachzufragen, wie er das gemeint hat“, sagte Siebner. Stattdessen habe es offensichtlich eineinhalb Jahre im Vatikan gelegen, „bis es passend schien, den Text rauszuholen“, sagte Siebner weiter und ergänzte: „Hier geht es also vielleicht gar nicht um die Sache, sondern um einen Machtgestus.“

 Auch die Studierenden beklagen, dass es bislang „keine Möglichkeit des direkten Dialogs“ gab. Für sie ist klar: „Nach unserer Auffassung würde der Vatikan mit seiner Entscheidung eine offene akademische Diskussion in der Frage zum Umgang mit Homosexualität unterdrücken.“

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