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Zaubertisch für Demenzkranke in Frankfurt

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Die Tover-Tafel projiziert ein Memoryspiel auf den Tisch. Menschen mit einer Demenzerkrankung bleiben so spielerisch aktiv.
Die Tover-Tafel projiziert ein Memoryspiel auf den Tisch. Menschen mit einer Demenzerkrankung bleiben so spielerisch aktiv. © ROLF OESER

Die Beratungsstelle HIWA! betreut demente Menschen mit Migrationshintergrund und bietet ihnen neue Hoffnung.

In der Beratungsstelle „HIWA!“ für ältere Migrant:innen im Frankfurter Gutleutviertel raschelt das Laub – zumindest virtuell. Das niederländische Gerät „Tover-Tafel“, übersetzt „Zaubertisch“ , ist ein interaktiver Projektor, der an Demenz erkrankte Menschen aus der Passivität ihrer Erkrankung holen soll.

Zunächst wurde das Gerät für Personen mit kognitiven Beeinträchtigungen konzipiert und soll laut Hersteller die „physische Aktivität und Interaktion“ steigern. Hierzu werden unterschiedliche Spiele auf einen Tisch projiziert. Die Senior:innen können dann zum Beispiel mit Handbewegungen über den Tisch das Silberbesteck polieren, Blumen wachsen lassen oder Laub wegfegen.

In der Beratungsstelle des Deutschen Roten Kreuzes trifft sich jeden Mittwoch von 10 bis 14 Uhr eine Gruppe von fünf bis zehn Migrant:innen mit leichtem bis mittlerem Demenzgrad. Zurzeit stammen die Teilnehmer:innen größtenteils aus der Türkei; die Gruppe ist jedoch für alle offen und kostenfrei.

Seit November ist hier die Tover-Tafel installiert und wird gut angenommen. Yasemin Yazici-Muth, Leiterin der Beratungstelle, sagt, die Teilnehmer:innen der Gruppe würden durch die Tafel zum Dialog angeregt. Sie sei sehr berührt gewesen, als sie das Lächeln in den Gesichtern der alten Menschen gesehen habe. Allerdings betont sie auch: „Die Tover-Tafel ist für uns ein ergänzendes Element. Sie soll auf keinen Fall den menschlichen Kontakt mit den Teilnehmer:innen ersetzen, sondern eine interaktive Gemeinsamkeit schaffen.“

Insgesamt fünf ehren- und hauptamtliche Beschäftigte stellen außerdem sicher, dass die Tover-Tafel für die Migrant:innen auch einen tatsächlichen Mehrwert hat. Wichtig ist, dass sie praktisch gezeigt bekommen, wie die Spiele funktionieren, um ihnen einen leichten Zugang zu ermöglichen.

Ein pädagogischer Mitarbeiter der Beratungsstelle beobachtet, dass die Senior:innen sich sogar gegenseitig helfen und motivieren, wie er sagt. Das Gerät soll „für alle spielbar sein“ und muss auch die Unterschiede der verschiedenen Demenzgrade miteinbeziehen.

Das Ziel der Beratungsstelle sei es nicht, die Senior:innen mit Gedächtnistraining zu beschäftigen – hier zählten vor allem die Gefühle der Menschen. Yazici-Muth: „Wir wollen den Menschen ein gutes Gefühl geben. Gleichzeitig spielen Emotionen auch eine wichtige Rolle beim Erinnern.“

Denn für Demenzkranke schreite der Identitätsverlust, wenn sie nicht in ihrem Heimatland leben, viel schneller voran. In Deutschland fänden sie fremde Architektur, Gerüche und Geräusche. Es bleibe wenig, dass die Erinnerungen an ihre Vergangenheit und ihre Wurzeln wecken kann. Oft verlernten Demenzkranke zuerst die zuletzt erlernte Sprache. Das sei vor allem dann schwierig, wenn Angehörige die Muttersprache der Betroffenen nicht sprechen und so die Kommunikation versiegt.

Die Tover-Tafel funktioniert ganz ohne Sprache. Wenn ein demenzkranker Mensch erkennt, dass seine Handlungen auch ohne Sprache noch eine Reaktion erzeugen können, ergibt sich daraus vor allem eins: Hiwa – das heißt Hoffnung auf Kurdisch.

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