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Das Frankfurter Gericht.

Justiz

Frankfurt: Gericht befasst sich mit Mordversuch

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Der wegen Mordversuchs angeklagte Ortwin K. scheint ein Mann der alten Damen zu sein. Eine Erklärung für seine brutale Tat hat er nicht.

Es wird ein mühsamer Verhandlungstag. Eigentlich hatte der 58 Jahre alte Ortwin K., der unter anderem wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht steht, angekündigt, er werde erzählen, wie und warum er die geh- und sehbehinderte 87 Jahre alte Ursula M. im April vorigen Jahres in deren Bett fesselte, knebelte, in eine Bettdecke einwickelte und verschnürte, sodass sie beinahe erstickt wäre. Aber dann sagt sein Verteidiger, K. habe in der Zelle eine schriftliche Einlassung vorbereitet, diese aber dort vergessen. Und frei vortragen könne er schlecht, da er keine Zähne mehr habe.

Nachdem der Vorsitzende Richter Jörn Immerschmitt allerdings auf seine hohe Verständniskapazitäten verweist, wird die Verhandlung dann doch noch auch ohne Zähne zum Tribunal, und Ortwin K. nuschelt eine Erklärung, die nicht nur akustisch schwer zu verstehen ist.

So viel wird immerhin klar: K. hat etliche seiner Lebensjahre in Gefängnissen der DDR und der Bundesrepublik verbracht – unter anderem wegen Diebstahls, Betrugs und „Republikflucht“, wie er murmelt. Die vergangenen Jahre war er mehr oder weniger obdachlos. Übernachtet hat er entweder in Gartenhütten – oder bei sehr alten Damen, denen er nach eigenen Angaben nicht bloß im Haushalt zur Hand ging. Vor der Tatnacht habe er mit Ursula M., die er vor Jahren bei einem Klinikaufenthalt kennengelernt hatte, zu Abend gespeist, es gab Hackbraten, Cog-nac und Eierlikör. Irgendwann sei er dann in der Nacht neben ihr aufgewacht und habe beschlossen, sie mit den Krawatten ihres toten Gatten zu fesseln und Schmuck, Gemälde, eine Pendeluhr sowie 500 Euro mitzunehmen. Eine Tötungsabsicht weist er weit von sich: Er sei der festen Überzeugung gewesen, dass am nächsten Tag die Putzfrau kommen, die Frau finden und retten würde.

Dafür hätte die gefesselte alte Dame allerdings noch einen weiteren Tag und eine weitere Nacht warten und überleben müssen. Die Beute, sagt K., sei zum Auszahlen eines Albaners namens „Samir“ gedacht gewesen, dem er aufgrund unglücklich verlaufener Pokerpartien 15 000 Euro geschuldet und der ihm zur Zahlungsmotivation vor einigen Monaten sämtliche Zähne ausgeschlagen habe. Warum er die Frau, die ihm immer wieder Obdach gewährt und ein paar Geldscheine zugesteckt hatte, dermaßen brutal ausgeraubt hat, dazu fällt ihm nichts ein.

Aber der 58-Jährige mit dem eisgrauen Bart scheint ein Mann der alten Damen zu sein: Derzeit besucht ihn in der Untersuchungshaft eine neue Gönnerin, die ihm auch finanziell unter die Arme greift. Die Frau ist 82 Jahre alt – auch bei ihr hatte Ortwin K. vor seiner Verhaftung immer wieder ein warmes Essen und ein ebensolches Bett gefunden.

Ursula M., die damals nur überlebte, weil sie sich selbst entknebeln und um Hilfe rufen konnte, ist erkrankt und kann nicht am Prozess teilnehmen. Sie soll Mitte Februar aussagen.

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