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Der Winterdienst im Einsatz gegen Glätte und Eis.

Frankfurt

Zahlreiche Unfälle wegen Glätte

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FES muss zum Winterdienst ausrücken.

Nach dem strahlenden Sonnenschein am Neujahrstag erlebten viele Frankfurter am Donnerstagmorgen eine böse Überraschung. Aufgrund von Glätte kam es im Stadtgebiet zu zahlreichen Stürzen von Fußgängern und Radfahrern. „Es war durchaus gefährlich am Morgen“, bestätigte Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Die Minustemperaturen in Verbindung mit Nebel verursachten eine tückische Reifglätte. Besonders betroffen war der Stadtteil Höchst. Dort fiel am Morgen, ebenso wie in Offenbach Industrieschnee, der ebenfalls glatte Straßen verursachte. Industrieschnee entsteht durch Emission besonders von Wasserdampf aus Industrieanlagen. Im Kreis Offenbach kam es aufgrund der Glätte zu mehreren Unfällen, darunter ein Auffahrunfall mit drei Autos in Seligenstadt.

Weiter meldete die Polizei im Kreis Groß-Gerau insgesamt sechs Autounfälle, bei denen die Autos über die Verkehrsinsel einer Hauptstraße schlitterten oder von der Straße abkamen. Eine Insassin wurde leicht verletzt. In Rüsselsheim wurden zudem drei Fahrradstürze gemeldet sowie ein Fußgänger, der sich bei einem Sturz eine Platzwunde zuzog.

Auch außerhalb des Rhein-Main-Gebiets sorgte die Glätte für Chaos. Im mittelhessischen Marburg überschlug sich das Auto einer 19-Jährigen, die auf einer glatten Landstraße unterwegs war. Die junge Fahrerin wurde mit leichten Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht. In Weimar (Lahn) im Kreis Marburg-Biedenkopf kam der Wagen eines Ehepaars in der Kurve einer Kreisstraße ins Schleudern. Das Auto kam von der Straße ab und überschlug sich. Das Ehepaar wurde mit leichten Verletzungen in eine Klinik gebracht.

In Frankfurt musste die Frankfurter Entsorgungs- und Service-Gesellschaft (FES) unterdessen auch mit gut 100 Mitarbeitern zum Winterdienst ausrücken. „Ein Schwerpunkt war wegen des Industrieschnees Höchst“, so FES-Sprecher Michael Werner. Bei Reifglätte setzt die FES sogenanntes Feuchtsalz ein, das zum einen weniger aggressiv als normales Streusalz ist, zum anderen aber eine bessere Bodenhaftung hat und nicht einfach weggeweht werden kann. Wegen des Winterdienstes konnte die FES sich auch nicht in vollem Umfang um die Beseitigung der Silvesterknallerei kümmern. Schon zur Mittagszeit konnten die Einsätze jedoch wegen der steigenden Temperaturen beendet werden.

Wohngebiete ohne Priorität

Für die frühzeitige Planung der Winterdienste steht die FES im Austausch mit dem Deutschen Wetterdienst. Beim Streuen werden dann zunächst sogenannte A-Strecken bedient, wie etwa der Alleenring oder die Straßen, auf denen häufig Buslinien verkehren. Danach sind B-Strecken wie etwa die Glauburgstraße dran. Reine Wohngebiete, wo Verkehrsteilnehmer am Morgen zuallererst mit der Glätte konfrontiert werden, gelten nur als C-Strecken und werden häufig gar nicht gestreut oder geräumt. „Das schaffen wir gar nicht“, räumte FES-Sprecher Werner ein.

Um die Winterdiensteinsätze künftig noch besser planen zu können, will die FES ab dem kommenden Winter drei Glättemeldeanlagen in Betrieb nehmen. Die Anlagen sollen an neuralgischen Punkten installiert werden, an denen häufig Glätte auftritt. Als ein neuralgischer Punkt gelte etwa die Emser Brücke an der Messe, wo es häufiger als auf anderen Brücken im Winter zu überfrierender Nässe kommt. An solchen Punkten fährt die FES schon in den Morgenstunden ab 4.30 Uhr eine Brückensicherung und streut präventiv.

Doch auch in den kommenden Tagen müssen sich die Frankfurter auf teils glatte Straßen am Morgen einrichten. „In den nächsten Nächten kann es noch mal kritisch werden“, so Friedrich vom Wetterdienst. Auch hessenweit ist für das erste Wochenende im neuen Jahr gebietsweise mit Glatteis zu rechnen. Bereits in der Nacht zu Freitag könne sich durch den Sprühregen stellenweise Glatteis bilden, meldete der DWD am Donnerstag. Am Wochenende bleibt die Wetterlage der Prognose zufolge ähnlich: In den Morgenstunden kann es an beiden Tagen örtlich zu Nebel und Glatteis kommen.

In Nord- und Mittelhessen sind am Samstag tagsüber Schauer möglich, am Sonntag soll es aber meist trocken bleiben bei Temperaturen zwischen vier und sieben Grad. In der Nacht auf Montag fällt die Temperatur auf zwei bis minus ein Grad ab, örtlich können die Straßen wieder glatt werden. Erst ab dem 7. Januar sei wieder mit Plustemperaturen auch in der Nacht zu rechnen. (mit dpa)

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