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Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen in Frankfurt steigt deutlich

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Von: Georg Leppert

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In Frankfurt wird wieder mehr gebaut - zumindest Wohnungen.
In Frankfurt wird wieder mehr gebaut - zumindest Wohnungen. © dpa

Die Frankfurter Bauaufsicht berichtet von einer positiven Entwicklung – wie lange die anhält, ist ungewiss.

Der Wohnungsbau in Frankfurt nimmt trotz der andauernden Corona-Krise wieder Fahrt auf. Planungsdezernent Mike Josef (SPD) und die Leiterin der städtischen Bauaufsicht, Simone Zapke, legten am Mittwoch Zahlen für das vergangene Jahr vor. Danach genehmigte die Behörde den Bau von 4819 Wohnungen. Das sind 15 Prozent mehr als im Jahr 2020. 3914 Wohnungen wurden fertiggestellt – ein Rückgang von zehn Prozent, aber immer noch die dritthöchste Zahl fertiggestellter Wohnungen in den vergangenen zehn Jahren, wie Josef betonte.

Allerdings: Zu einer reinen Jubelarie ließ der Planungsdezernent die Vorstellung der Zahlen vor der Presse nicht werden. Denn zum einen betrifft die positive Entwicklung nur den Wohnungsbau. Zum anderen schaut Josef eher skeptisch in die Zukunft.

Frankfurt: 820 Millionen Euro werden verbaut

Für die im vergangenen Jahr genehmigten Bauvorhaben werden die Investoren rund 820 Millionen Euro ausgeben. Dieser Wert liegt weit unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre, wie Zapke erklärte. Grund dafür sind vergleichsweise geringe Investitionen in den Büromarkt (125 Millionen Euro) und in Projekte am Flughafen (121 Millionen Euro). Völlig eingebrochen ist der Markt für Hotels und Gastronomie. Werden alle von Zapkes Behörde genehmigten Vorhaben umgesetzt, fließen nur 15 Millionen Euro in neue Bauten. Im Jahr 2019 lag diese Summe viermal so hoch. Der Grund dafür ist eindeutig die Pandemie.

Wie sich diese entwickelt, weiß derzeit niemand, wie Josef betonte. Gleiches gelte für die internationale Lage, etwa in der Ukraine. Die Unsicherheit könne sich mittelfristig auch auf dem Wohnungsmarkt negativ bemerkbar machen. Zwar zeichnet sich laut Zapke auch im laufenden Jahr eine positive Entwicklung bei der Zahl der Genehmigungen ab. Doch dabei muss es nicht bleiben. Zum einen könnten steigende Zinsen dafür sorgen, dass weniger gebaut wird. Zum anderen könnte es verstärkt Engpässe bei Baumaterialien geben, sagte Josef.

Frankfurt: Dezernent sorgt sich wegen Nebenkosten

Vor allem bereitet dem Planungsdezernent die sogenannte zweite Miete Sorgen, also die Nebenkosten. Durch die gestiegenen Energiepreise müssten viele Menschen mit hohen Nachzahlungen rechnen. In Zukunft werde es darum gehen, möglichst nachhaltig zu bauen, um Kosten für Strom, Warmwasser und Heizung zu senken. Auf dem einstigen Avaya-Gelände im Gallus, wo Josef vor wenigen Wochen den Startschuss für den Bau von 1300 Wohnungen gab, geschieht das auch. „Aber einfacher wird es in Zukunft nicht“, sagte der Dezernent.

Einige gute Nachrichten gab es aber doch noch von der Bauaufsicht. So stieg die Zahl der genehmigten Plätze in Studierendenwohnheimen deutlich an (auf 1035). Zudem konnte die Bauaufsicht 154 illegal genutzte Wohnungen für den Wohnungsmarkt zurückgewinnen. Dabei handelt es sich zum einen um sogenannte Residenzwohnungen, die in der Regel zu sehr hohen Preisen tage- und wochenweise vermietet werden. Zum anderen ging die Behörde gegen die Inhaberinnen und Inhaber von Ferienwohnungen vor, denen eine solche Nutzung nicht erlaubt war. Insgesamt nahm die Bauaufsicht rund 900 000 Euro an Bußgeld ein – auch wegen Verstößen gegen die Vorgartensatzung, „ein politisches Thema“, wie Zapke anmerkte. Das von der Koalition beschlossene Verbot von Schottergärten spielt dabei aber noch keine Rolle, da es noch umgesetzt werden muss.

Stolz ist man in der Bauaufsicht auch auf die im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten kurze Bearbeitungszeit von Anträgen. Wer im vergangenen Jahr ein Bauvorhaben anmeldete, bekam im Schnitt nach weniger als zwei Monaten die Genehmigung – oder aber den ablehnenden Bescheid. Zu tun hat das auch mit der Digitalisierung in der Behörde, die Zapke vorantreiben will. Das Arbeiten im Internet habe durch die Pandemie „einen Schub bekommen“, sagte die Behördenleiterin und verwies etwa auf die zunehmend in digitaler Form abgehaltene Beratung. Anfang kommenden Jahres will die Behörde auf ein digitales Baugenehmigungsverfahren umstellen.

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