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Dionne Warwick, hier bei einem Auftritt in New York City im vergangenen Jahr.

Frankfurter Musikmesse

Dionne Warwick verzückt Frankfurt

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Die fünffache Grammy-Preisträgerin und Cousine von Whitney Houston begeistert beim Abschlusskonzert der Frankfurter Musikmesse. 90 Minuten lang singt die Grande Dame begleitet von ihrer Band und der Neuen Philharmonie Frankfurt.

Dionne Warwick hat diese ganz besondere Ausstrahlung, das merkt man innerhalb der ersten drei Sekunden. Eine, die man sich nicht antrainieren kann. Eine, die man hat oder eben nicht. Und die fünffache Grammy-Preisträgerin und Cousine von Whitney Houston hat sie definitiv. Als die Grande Dame des Soul-Pops mit ihren kurzen, weißen Haaren die Bühne am Samstagabend im Congress Center der Frankfurter Messe betritt, leuchten ihre Augen. Wenn die 77-Jährige singt, lächelt sie fast immer dabei. Dabei pickt sie sich gerne immer wieder eine Zuschauerin oder Zuschauer aus der ersten Reihe heraus, die sie dann anschaut. In einem Interview sagte sie mal, dass es ihr sehr wichtig sei, dass man sie zurück anlächelt. Sonst habe sie ihre Arbeit nicht gut gemacht. Alle lächeln an diesem Abend zurück. 

Es ist das Abschlusskonzert der diesjährigen Frankfurter Musikmesse. 90 Minuten lang singt Warwick begleitet von ihrer eigenen Band und der Neuen Philharmonie Frankfurt, die sie kurzzeitig zum „Dionne Warwick’s Frankfurt Orchestra“ umbenennt.  Über 100 Millionen Alben hat die immer noch sehr schöne Sängerin verkauft. Zahlreiche Hits mit ihrer von vielen Kritikern attestierten „goldenen Stimme“ abgeliefert.  

Einer davon ist „I Say A Little Prayer“ aus dem Jahr 1966.  Dieser erinnert einige Zuschauer auch an eine bekannte Szene aus dem Julia-Roberts-Film „Die Hochzeit meines besten Freundes“: Die Großfamilie singt beim Essen den Titel  A cappella - und die Bedienung mit Ofenhandschuhen, die aussehen wie Lobsterscheren, tanzen dazu. Solche lustigen Handschuhe fehlen den Frankfurter Zuschauern. Aber sie feiern den Titel trotzdem, auch wenn sie nicht dazu tanzen. Warwick hat den Song nämlich neu arrangiert: Statt Popmusik ist es fast schon mehr Ballade. Und dann erzählt sie, dass sie einen Duettpartner mitgebracht hat. Dieser ist nicht nur ihr Schlagzeuger. „Das ist mein ältester Sohn David Elliott“, erzählt sie stolz. Und auch er hat eine begnadete Stimme. Ein Familiending. Warwick selbst ist 1940 in East Orange, einem Vorort von New York im Bundesstaat New Jersey geboren worden. Und zwar in eine Gospelsängerfamilie hinein. 

Mit ihrer Schwester, Mutter und auch mit ihrer Tante Cissy Houston (Whitney Houstons Mutter) sang sie im Chor. Auch ihre jüngere Schwester Dee Dee wurde später ebenfalls eine bekannte Soulmusikerin. Im Jahr 2012 starb Warwicks Cousine Whitney Houston mit nur 48 Jahren. „Sie war das kleine Mädchen, das ich nie hatte“ sagt sie in Interviews. Wenn Warwick auf der Frankfurter Bühne steht, sieht man eine gewisse Familienähnlichkeit, die hohen Wangenknochen beispielsweise. Man kann sich plötzlich gut vorstellen wie Whitney Houston als ältere Dame wohl ausgesehen hätte. Auch standen die Cousinen früher zusammen auf der Bühne.

Einmal - den Auftritt kann man sich auch auf YouTube ansehen - sangen sie so Warwicks Nummer-1-Hit „That’s what Friends are for“: Ursprünglich eine supererfolgreiche Coverversion von Warwick and Friends, mit den Künstlern Gladys Knight, Elton John und Stevie Wonder. Die Einnahmen von über drei Millionen US-Dollar gingen Ende der 1980er direkt an die American Foundation for AIDS Research.  

Fürs Frankfurter Publikum singt Warwick auch „Do You Know the Way to San Jose“. Für diesen Song bekam sie ihren ersten Grammy. Sie tanzt sogar ein wenig bei ihrem Samba-Lied „Brazil („Aquarela do Brasil“). Und sie erzählt wie sehr sie Brasilien liebt. Dort lebte die US-Amerikanerin einige Jahre. Sie sang sogar einst mit Frank Sinatra. Sammy Davis Jr. nannte Warwick liebevoll „Baby girl“ wie sie zwischendrin erzählt. Es ist der Moment, als sie kurz streng mit dem Publikum wird. Und zwar, weil dieses nicht genug für die Band applaudiert. „Sammy Davis Jr. sagte mir mal: ‚Wir Entertainer leben vom Applaus.‘“  Am Ende des Abends wird sie Standing Ovations bekommen. 

Während des ganzen Auftritts hält sie ein großes, weißes Stoff-Taschentuch in der Hand. Immer wieder wischt sie sich damit den Schweiß vom Gesicht. Irgendwann bindet sie es sich als Tüchlein um den Hals. Das zeigt, dass sie da wenig eitel, wenig Diva ist. Überhaupt mag sie den Begriff nicht. Dem britischen „Telegraph“ sagte sie: „Diva ist das Wort, das ich am meisten hasse. Niemals wollte ich eine Diva sein.“ Im Jahr 2013 musste sie Privatinsolvenz anmelden, weil frühere Manager das Vermögen der Sängerin falsch verwaltet haben sollen. Mittlerweile soll es bei Warwick finanziell aber wieder besser laufen. 

Als das Publikum bei „What the World Needs now“ ihr nicht laut genug beim Refrain die Worte „Sweet love“ mitsingt, steht sie von ihrem Hocker auf.  Sie stellt sich an den Bühnenrand mit dem Mikrofon, das an einem langen Kabel hängt, und dirigiert das Publikum. Aber als nicht alle den richtigen Lied-Einsatz erwischen, muss sie schon ein wenig schmunzeln. So ein Schmunzeln wie das einer strengen, aber gleichzeitig coolen Großmutter. So eine, die sich wohl jeder wünscht.

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