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Jungunternehmerin Marlene Haas hilft bei der Müllreduzierung.

Umweltschutz in Frankfurt

Dein Begleiter, der Biobecher

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Die Frankfurter Initiative "Cup2gether" gegen Wegwerftrinkgefäße expandiert in weitere Stadtteile.

Ein Phänomen setzt sich fort in reichen Gesellschaften wie Frankfurt: Obwohl jeder weiß, dass es mit dem Wegschmeißen so nicht weitergehen kann, obwohl jeder weiß, dass die Welt irgendwann in Müllbergen ersticken wird, kaufen die Menschen weiterhin Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände in Verpackungen, die sie nach einmaligem Gebrauch wegwerfen. Beispiel: Kaffeebecher.

„Einen Kaffee to go“ hat sich bei der Kundschaft als Code herumgesprochen. Auf Deutsch: einen Becher zum Wegwerfen. Beim Supermarkt an der Ecke steht die „Ready Coffee Station“ gleich hinter der Kasse, und wenn der Servicemann von der Wartungsfirma gerade da ist, sieht man im aufgeklappten Automaten, was da verkauft wird: Becher, Becher, Becher. Und Plastikdeckel. Mit anderen Worten: Müll, Müll und noch mal Müll.

Was kann man da machen? Die Initiative „Cup2gether“ – übersetzt etwa: Tasse zusammen – hat ein regionales Mehrwegsystem für Getränkebecher entwickelt. Zurzeit erweitert sie ihren Handlungsbereich auf die Innenstadt, das Westend, das Bahnhofsviertel und auf mehrere Hochschulcampus. Dort will sie Cafés und Gastronomen künftig mit kostenlosen stylishen Biobechern zur mehrmaligen Verwendung ausstatten, die auch klimafreundlich mit Lastenfahrrädern angeliefert werden.

Dass es funktioniere, habe die sogenannte 100-Tage-Challenge in Bornheim und im Nordend gezeigt, betonen die „Cup2gether“-Macherinnen Claudia Schäfer und Marlene Haas. Dort seien nach der 100-tägigen Testphase nun mehr als 40 Cafés, eine Trinkhalle und annähernd 1000 Bürgerinnen und Bürger dabei, an der „Frankfurter Lösung des Becherproblems“ zu arbeiten.

Jährlich 25 Millionen Becher

Allein in der Stadt gingen bislang jährlich 25 Millionen Becher über die Theke und in den Müll, erinnern Schäfer von der Kommunikationsagentur Von Wegen und Haas von der Nachhaltigkeitsgesellschaft Lust auf besser leben. Wer sich in einem der angeschlossenen Cafés mit den Mehrwegbechern versorgt, trägt zur Verringerung dieser Umweltlast bei. „Ich konnte meinen Becherverbrauch von zehn Mitnehmpappbechern pro Woche auf null reduzieren“, zitieren sie eine Kundin. Die anbietenden Betriebe signalisieren mit den Bechern ihr Engagement für die Umwelt – und es kostet sie nicht einmal Geld. Die ersten 20 bis 50 Becher, je nach Größe des Cafés, gibt es kostenlos, dazu Plakat und Flugblätter. Die Gäste nehmen ihr Getränk im individuell gestalteten Becher mit und bringen das Gefäß beim nächsten Mal zurück.

Ganz einfach eigentlich, das System. Nun werden Teilnehmer gesucht in den drei neuen Stadtteilen Innenstadt, Westend und Bahnhofsviertel sowie auf dem Uni-Campus Westend, bei der Hochschule für angewandte Wissenschaft (FH), der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst sowie der katholischen Hochschule St. Georgen. „Wir freuen uns über jeden To-Go-Kaffee-Genießer und jede -Genießerin, die am System teilnehmen und sich im Café dafür anmelden und sich für das nachhaltige plastikfreie ,Cup2gether‘ entscheiden“, sagt Claudia Schäfer. „Die Community wächst beständig.“

Informationen: https://cup2gether.de. Auf dem Onlinevideoportal Youtube findet man Erklärvideos.

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