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Ihre Ausbildung machte Tara Knichel in Australien. Foto: Monika Müller

Bornheim

Yogaschule in Frankfurt-Bornheim: Sonnengruß auf Farsi

  • Boris Schlepper
    vonBoris Schlepper
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Im neuen Yoga-Schule von Tara Knichel wird in vier Sprachen unterrichtet. Wegen der Corona-Pandemie sind die Plätze im Studio in der Petterweilstraße limitiert.

In der Petterweilstraße 66 ist seit kurzem abwechselnd Englisch, Russisch, Farsi und Deutsch zu hören. Doch nicht etwa, weil eine neue Sprachschule Unterricht anböte. Es ist vielmehr das Yoga-Studio, das die gebürtige Iranerin Tara Knichel dort vor kurzem eröffnet hat. Das Besondere ihrer Schule: Die Stunden werden in vier verschiedenen Sprachen angeboten.

Ob Sonnengruß, Krieger, Brücke oder Hund: Yoga-Übungen sind zwar in jedem Land gleich. Durch die unterschiedlichen Sprachen könne jedoch besser erklärt werden, wie man in die Pose hineinkommt, erklärt Knichel, „was philosophisch dahinter steht“. Drei Lehrer und Lehrerinnen arbeiten mit ihr zusammen. Vor allem der russische Kurs sei gut besucht. Persisch werde bislang weniger stark angenommen. Sie überlege deshalb, ob sie Kurse speziell für geflüchtete afghanische Frauen anbiete.

Eigentlich wollte Knichel das Studio bereits im März beginnen. Am 15. des Monats war es so weit. „Doch direkt nach dem ersten Tag mussten wir wegen Corona wieder schließen“, erinnert sie sich. Durch die Lockerungen darf sie inzwischen wieder öffnen, die Schüler müssen einen Sicherheitsabstand einhalten. Die Plätze sind deshalb limitiert. Doch die 39-Jährige ist froh, dass sie überhaupt unterrichten kann.

Tara Knichel war noch ein kleines Kind, als sie erstmals mit Yoga in Kontakt kam. In Teheran hatte sie ihre Mutter zu einer Stunde begleitet. Gestresste, hektische Teilnehmer seien damals in den Raum gekommen. „Nach der Stunde lag so eine Magie in der Luft. Ich war fasziniert, wie gut sich die Leute nach den Übungen gefühlt haben.“ Das Erlebnis habe sie geprägt.

Vor zwölf Jahren kam sie erstmals als Studentin der Informatik nach Deutschland. Weil ihr iranischer Abschluss nicht anerkannt wurde, musste sie den Bachelor in Darmstadt wiederholen. Sie setzte einen Master in IT obendrauf und fand einen Job in einem Konzern, in dem sie mehrere Jahre lang arbeitete. Und dennoch: „Meine große Liebe war die IT nie“, gibt sie zu.

Mit Yoga versuchte sie einen Ausgleich zum stressigen Arbeitsalltag zu finden. „Immer, wenn ich auf der Yoga- Matte war, hatte ich so ein Gefühl von Zuhause sein und bei mir selbst anzukommen“, sagt Knichel. Dennoch rebellierte ihr Körper, sie wurde schwer krank. „Diese Zeit und die Zeit danach haben für mich die Sicht aufs Leben völlig verändert“, erinnert sie sich. „Ich habe gemerkt, was wirklich wichtig, erfüllend und bedeutend für mich ist.“ Der IT-Job sei es nicht gewesen.

Nach einer Erholungsphase zog sie mit ihrem Mann nach Frankreich. Sie konzentrierte sich auf ihre Leidenschaft und absolvierte schließlich in Australien, wo ihre Schwester lebt, ihre Yogalehrer-Ausbildung. In Frankreich gibt sie erstmals Unterricht. Doch erst als sie zurück nach Deutschland zieht, setzt sie ihren Traum um und gründet ein Yoga-Studio.

Weitere Informationen unter www.yoga-home.eu, Telefon 01 60 94 67 20 34 .

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