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Bili im Glück: Sein Leben im Wuppertaler Zoo hat sich nun doch zum Guten gewendet

Wer hätte das gedacht?

Neues vom Frankfurter Affen Bili: Im Zoo Wuppertal geht's hoch her

Es war eine heiße Diskussion in den letzten Wochen - Tierschützer forderten die Rettung Bilis aus dem Zoo, wo er von seinen Artgenossen gequält worden war. Auch von einer Auffangstation in Wales war die Rede, doch der Zoo Wuppertal behielt den Affen bei sich: Folgt nach den Torturen endlich sein persönliches Glück?

Update, 3. April: Der Start für den Frankfurter Affen Bili im Wuppertaler Zoo war schwierig. Er wurde von seiner neuen Gruppe misshandelt und sogar blutig gebissen. Vor allem die Zwillinge von Bonobo-Leittier Eja hatten es auf Bili abgesehen. Vor ein paar Wochen dann der erste Hoffnungsschimmer: Bili hatte zum ersten Mal Sex - seit dem scheint es bergauf zu gehen. Denn dabei blieb es nicht.

Wie bild.de berichtet, hat Bili sich mittlerweile sogar mit einem seiner schlimmsten Widersacher angefreundet. Mit einem der rabiaten Zwillingsbrüder, die ihm den Start so schwer gemacht hatten, wurde er nun mehrfach in friedlicher Eintracht gesichtet. 

Und es wird noch besser: Nachdem er im Februar mit Affenweibchen Akeena angebändelt hatte, ist er nun auch dem Bonobo-Weibchen Muhdeblu näher gekommen. 

Update, 28. Februar: Es ist mittlerweile etwas ruhiger um Bili geworden - nach zwei Wochen vermeldet der Zoo Wuppertal in einem Statement auf Facebook eine sehr positive Entwicklung rund um die soziale Eingliederung des Bonobo-Affen in der Gruppe.

Bili unter Quälereien seiner Artgenossen 

Zuletzt hatte es vermehrt blutige Auseinandersetzungen innerhalb der Bonono-Gruppe gegeben, unter anderem hatte Bili dabei einen Zeh verloren. Vor dem Zoo hatten sich regelmäßig Tierschützer versammelt, die Bili in eine Auffangstation nach Wales retten wollten (siehe unten)

Bonobo Bili sorgte europaweit für große Aufregung. 

Seit mehr als zwei Wochen befindet er sich jetzt wechselweise und in unterschiedlichen Konstellationen zusammen mit anderen Gruppenmitgliedern. Die meiste Gesellschaft verbringt Bili mit dem 55 Jahre alten Mato sowie der 18-jährigen Muhdeblu und ihrer fünfjährigen Tochter Akeena.

Die sozialen Bindungen von Bili stabilisieren sich

"Wie erhofft, lässt sich eine deutliche Entspannung in der Bonobo-Gruppe beobachten und die sozialen Bindungen stabilisieren sich offenbar", berichtete der Zoo erfreut. Dabei sei es zwischen Muhdeblu  und Bili bereits zu sexuellen Kontakten gekommen. Bonobos sind dafür bekannt, Sex nicht nur zur Fortpflanzung, sondern auch zur Konfliktlösung und Entspannung zu nutzen.

Zu früh für ein Happy End von Bili

"Diese Bindungen helfen ihm", erklärte der Zoosprecher Andreas Haeser-Kalthoff, allerdings sei es immer noch deutlich zu früh, um von einem Happy-End zu sprechen, denn Bili ist nach wie vor nur abwechselnd mit einem Teil der Tiere zusammen.

Es ist weiterhin nicht auszuschließen, dass es wieder zu Streitereien und Aggressionen kommt, denn das gehört, laut dem Zoo, zu dem artspezifischen Verhalten dieser Primaten.

Update, 13. Februar: Der Zoo in Wuppertal erhält in den letzten Tagen und Wochen eine große mediale Aufmerksamkeit aufgrund eines Videos, in dem der Affe Bili von seinen Artgenossen misshandelt wird. Es meldeten sich viele Tierschützer und Organisationen zu Wort und forderten Bilis Freilassung. Nun hat der Fall eine neue Eskalationsstufe erreicht.

Wie der WDR berichtet, soll Arne Lawrenz, Zoodirektor in Wuppertal, auch schon Morddrohungen erhalten haben. Auch schreiben aufgebrachte Menschen auf Facebook, die Pfleger sollten sich im Gehege zerreißen lassen, andere wollen den Zoodirektor einschläfern lassen. Wieder andere Nutzer gehen so weit, dass sie Lawrenz Krebs wünschen. 

Petitions-Gründerin Petra Bente meldet sich zu Wort

Seit sich gestern der Zoo Wuppertal mit deutlichen Worten geäußert und das Foto des lausenden Bili auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hat, gibt es erneut kritische Stimmen, die sich zu Wort melden. Diesmal auch die Initiatorin der Petition "Rettet Bonobo Bili aus dem Zoo Wuppertal", Petra Bente. Ihre Petition hat mittlerweile mehr als 288.000 Unterstützer.

Das gepostete Bild und veröffentlichte Video vom WDR  sollten eigentlich beweisen, dass die schrittweise Integration von Bili erste Früchte trägt - doch anscheinend gibt es einen Haken daran.

Ein Bild von Bili beweist nichts

Petra Bente beschreibt in einem neuen Kommentar auf change.org, dass es sich bei dem Artgenossen um Mato handle, der Bili ja von Anfang an freundlich gesinnt sei. "Zwei Tiere, der eine alt, der andere Außenseiter, rotten sich zusammen", wettert Bente. Ihrer Meinung nach beweise dieses kurze Video "überhaupt nichts." Viele Nutzer sehen das ähnlich.

Update, 12. Februar: Bilis Schicksal berührt mittlerweile Menschen auf der ganzen Welt. Der Wuppertaler Zoo indes nimmt nach den schweren Vorwürfen der Tierschützer radikal Stellung: Neben der Aussage, dass Bili bereits im Frankfurter Zoo Integrationsschwierigkeiten hatte übt er auch Kritik an der Auffangstation in Wales.


Demonstration vor dem Wuppertaler Zoo

Über 100 Demonstranten protestierten am Sonntag vor dem Wuppertaler Zoo, um auf das Schicksal von Bili weiter aufmerksam zu machen. Zusätzlich forderten sie eine Verlegung des Bonobo-Affen in eine walisische Auffangsstation. 

Die Aussage, die Demonstranten seien verscheucht worden, bestreitet der Zoo. Man habe sich lediglich auf die Auflagen einer Demonstration berufen, nach denen die Demonstranten nicht die Eingänge des Zoos blockieren dürften. Diese habe man gebeten, von dieser Stelle wegzugehen.

Anders aus der Sicht der Demonstranten: André Plambeck, enger Vertrauter der Veranstalterin Adrienne Kneis, beschreibt die Arroganz des Zoos, der auf die Vorwürfe überhaupt nicht reagierte sondern nur ein Mittel suchte, eine Anzeige zu erstatten. "Auf dem Platz war es schwierig, die Leute zu koordinieren", erzählt er, "da steht schnell mal jemand kurz falsch - und das hat der Zoo genutzt und über die anrückende Polizei mit einer Anzeige gedroht."

Hatte Bili schon im Frankfurter Zoo Integrationsschwierigkeiten?

Der Zoosprecher Andreas Haeser-Kalthoff bestätigt die Schwierigkeit der Situation von Bili, beruft sich jedoch auf die Unterstützung durch die "European Association of Zoos and Aquaria". Diese stellte in einer Pressemitteilung klar, dass sie keine Notwendigkeit sehen, Bili in eine andere Gruppe zu überführen - dort würde er mit den gleichen Problemen kämpfen müssen wie in Wuppertal.

Denn Bili haben bereits im Frankfurter Zoo mit Integrationsproblemen kämpfen müssen. 

Der Zoo Frankfurt erklärt in einer Stellungnahme, Bili sei damals vom Weibchen Zomi adoptiert worden, die ihn nur zum Füttern zu den Tierpflegern brachte. Trotz der Unterstützung seiner Adoptivmutter, behielt Bili seinen niedrigen Status als Waise. In den 10 Jahren im Frankfurter Zoo kam es immer wieder zu Konflikten, die aber zum normalen Verhaltensrepertoire dieser hochsozialen Menschenaffenart gehörten, so eine Sprecherin. Diese gehe durchaus auch mit Aggressionen einher.

Allerdings, meint der Zoo weiter, könne man eine Integration eines Jungtieres nicht mit der eines erwachsenen Männchens vergleichen und daher genauso wenig die Ereignisse um Bili in Frankfurt und Wuppertal. 

Unterstützung durch die Verbände

Der Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) unterstützt Wuppertal ebenfalls, verweist auf die Schwierigkeiten einer Umsiedlung. "Wir verstehen natürlich, dass sich Zoobesucher wegen Bilis Wunden erschrecken und um seine Gesundheit besorgt sind", stellt Volker Holmes, Geschäftsführer des VdZ, klar. "Allerdings würde sich seine Situation in einem neuen zu Hause nicht verbessern." Bili habe eine schwierige Vergangenheit mit einer Mutter, die ihn nicht wollte und hatte bereits in Frankfurt mit arttypischen Konflikten zu kämpfen.

BBC berichtet über Bonobo-Affen Bili

Graham Garen, ein Vertreter des "Wales Ape and Monkey Sanctuary" war zusammen mit seinem Kollegen Dr. Colin Goldner extra zur Demonstration angereist, um mit dem Zoo über eine mögliche Adoption Bilis zu verhandeln. Dadurch erreicht das Schicksal Bilis mittlerweile auch internationale Öffentlichkeit. 

BBC berichtete, dass Garen zwar tatsächlich Gespräche mit Andreas Haeser-Kalthoff hatte - diese führten jedoch zu keinem Ergebnis.

Bonobo-Affe Bili

 

Die Auffangstation, die von Garen und seiner Frau geleitet wird, kümmert sich nach eigenen Angaben unter anderem um gequälte Zirkusaffen ist aber auch spezialisiert auf misshandelte Zoo-Affen. Er zeigte sich empört ob der Kritik des Zoos an seinen Adoptionsplänen: "Dabei sind wir nicht diejenigen, bei denen die Tiere verstümmelt werden!"

Des Weiteren bemängelte er, dass er nicht mit dem Zoodirektor persönlich hatte reden können sondern mit dem Pressesprecher.

Zoo Wuppertal kritisiert Auffangstation in Wales

Haeser-Kalthoff hält dagegen. "Garens Auffangstation ist viel eher auch einem Zoo gleich zu setzen!", meint er, "er nimmt Eintritt, die Menschen können den Affen ganz nah kommen! Nach den europäischen Richtlinien ist das also ein weiterer Zoo - und ich habe noch nie gehört, dass Tierschützer einen Zoo aktiv unterstützen."

Zudem sei es wichtig, dass Bonobo-Affen in einer Gruppe von Artgenossen lebten, das sei in Garens Station nicht gewährleistet. " Garens bestätigte laut Haeser-Kalthoff sofort, dass Bili dort zwar mit anderen Affen leben könnte - zurzeit aber kein Bonobo darunter sei. 

Der Zoo Wuppertal zeigt sich fassungslos ob dieser Tatsache, denn alleine würde das Tier sich quälen und das könne kein Tierschützer wollen.

Aber auch da gehen die Meinungen auseinander. André Plambeck weiß von einigen Fällen, in denen Tiere auch alleine in eine Auffangstation kamen, wo ihnen geholfen wurde und ein glückliches Leben hatten. Aber da die Besitzer aus Wales als keine Fachleute angesehen würden, würde ihre Meinung auch nicht so hoch angesehen werden.

"Wir hatten uns bereit erklärt, hilfreiche Empfehlungen von den Besuchern aus Wales anzunehmen", geht er Haeser-Kalthoff weiter, "aber für sie gab es nur diese eine Option und diese haben wir von Anfang an nicht wirklich in Betracht gezogen."

Bei dem Gespräch durften weder Pressevertreter noch Andere anwesend sein - nicht einmal die Ehefrauen der beiden Männer aus Wales. "Zudem hat der Zoodirektor sich von seinem Pressesprecher vertreten lassen", so André Plambeck. "Außerdem sind sie gar nicht in das Gehege gegangen sondern in ein kleines Kassenhäuschen, wo sie regelrecht abgefrühstückt wurden."

Bili bleibt weiterhin in Wuppertal

Es ist ein Hin und Her - aber was wird mit dem armen Tier jetzt passieren? Der Zoo aus NRW bleibt dabei, sie wollen Bili weiterhin in der sozialen Gruppe leben lassen. Mögliche Maßnahmen, die ergriffen werden können betreffen zum Beispiel die Änderung der Gruppenstruktur. "Aber so weit sind wir noch lange nicht. Eine letzte Möglichkeit ist es, Bili wirklich in eine andere soziale Gruppe umzusiedeln." 

Im Moment sehe es aber ganz gut aus, der Wuppertaler Zoo versucht, Bili abwechselnd in verschiedenen Konstellationen mit den anderen Affen zu integrieren. 

Haeser-Kalthoff erzählt, er sei persönlich heute Morgen im Affenhaus gewesen, in dem er beobachtet habe, wie Bili von dem Affen Mato gelaust worden sei (siehe Foto links). Eine laut ihm durchaus positive Entwicklung.

Besucher könnten sich aber auch eine eigene Meinung vor Ort machen, sie hätten nichts zu verbergen.



Update, 8. Februar, 11:47: Das Aktionsbündnis "Tiere gehören nicht zum Circus" hat zu einer Demo am Sonntag, 10. Februar von 12-14 Uhr vor dem Wuppertaler Zoo aufgerufen, um auf das Leid des Affen aufmerksam zu machen.

Update, 8. Februar, 10:43 Uhr: Der Fall des Frankfurt Bonobo-Affen Bili schlägt schlägt über Frankfurts Grenzen hinweg hohe Wellen. Mittlerweile fordern über 250.000 Menschen in einer Online-Petition, dass Bili den Zoo Wuppertal wieder verlassen darf. Dort wird auch das Verhalten des Zoos heftig kritisiert. "Zoobesucher weinen bei seinem Anblick und es herrscht allgemeines Entsetzten", heißt es in der Petition weiter.

Bonobo Bili wird weiter von seinen Artgenossen gequält

Erstmeldung vom 7. Februar: Wuppertal/Frankfurt - Es ist ein Drama: Der von seinen Artgenossen übel zugerichtete Bonobo-Affe Bili aus Frankfurtist im Wuppertaler Zoo erneut angegriffen und verstümmelt worden. Das teilte der Zoo am Donnerstag mit. "Ihm fehlt ein Stück eines Fingers oder Zehs", sagte ein Sprecher. Bei aller Aggressionen gegen ihn, lasse Bili aber die Attacken der Gruppe passiv über sich ergehen.

Frankfurt: Schock nach Angriff auf Bonobo-Affe Bili

Erst im Januar wurde der Affe von Artgenossen angegriffen und verstümmelt, viele Frankfurter reagierten auf den Vorfall schockiert. Der Bonobo-Affe war im November vergangenen Jahres aus Frankfurt nach Wuppertal in Nordrhein-Westfalen gekommen und sollte dort für Nachwuchs sorgen. Doch er wird von seiner neuen Gruppe bislang nicht akzeptiert. Fotos nach dem ersten Angriff zeigen Bili blutend mit Bisswunden, ein Teil seines Ohres fehlt.

Frankfurt Affe Bili: Integration in Gruppe ist schwierig

Der Zoo in Wuppertal ist trotz der neuerlichen Attacke zuversichtlich  und man werde weiter versuchen, Bili in die Gruppe zu integrieren. Zuletzt konnten sogar positive Entwicklungen festgestellt werden: Die Aggressionen gegen Bili ließen nach und es seien vermehrt positive Sozialkontakte zwischen ihm und anderen Artgenossen zu beobachten.

Der Angriff auf den zehnjährigen Bili hatte große Aufmerksamkeit, Empörung und Mitleid ausgelöst. Unter anderem demonstrierten Tierschützer vor dem Zoo für ihn. Zehntausende unterzeichneten zudem im Internet eine Petition für seine Rettung.

von Annalena Barnickel

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