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Wolkenfoyer in Frankfurt: Von der „Blechbichse“ zu den „Goldwolken“

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Von: Florian Leclerc

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Die Wolkenskulptur zieht die Blicke des Publikums auf sich. Renate Hoyer
Die Wolkenskulptur zieht die Blicke des Publikums auf sich. Renate Hoyer © Renate Hoyer

Ein Sammelband würdigt Zoltan Kemenys raumgreifende Skulptur im Foyer der Städtischen Bühnen Frankfurt.

Die Initiative Zukunft Städtische Bühnen kämpft seit zweieinhalb Jahren dafür, dass die Theaterdoppelanlage aus dem Jahr 1963 in Frankfurt als Vorzeige-Gebäude der klassischen Moderne bewertet und mitnichten abgerissen werden sollten. Als „materiell-argumentative Grundlage für eine Sanierung im Bestand“ (Stadthistoriker und Initiative-Mitglied Alfons Maria Arns) hat die Initiative nun einen Sammelband zu Zoltan Kemenys Wolkenskulptur im Foyer von Oper und Schauspiel vorgelegt.

„Zoltan Kemenys Frankfurter Wolkenfoyer. Entstehung und Zukunft einer gefährdeten Raumkunst“ (160 Seiten, 28 Euro), heißt das Buch. Es wurde am Montagabend im DAM Ostend in dem früheren Telekom-Areal am Ostbahnhof vorgestellt.

148 Wolkenkörper mit 5500 Messingelementen

Philipp Oswalt, der an der Uni Kassel Architekturtheorie lehrt, und die Initiative mitbegründet hat, zeichnet im Buch die Debatte um Sanierung oder Neubau der Städtischen Bühnen nach. Auf Spitzen gegen den früheren Leiter der Stabsstelle Städtische Bühnen, Michael Guntersdorf, und Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD), verzichtet er nicht. Gleichwohl hat das Kulturamt die Publikation gefördert und Hartwig ein Grußwort geschrieben: „Ein Sammelband, der die Wolken und damit ein zentrales Kunstwerk der Frankfurter Nachkriegsgeschichte eingehend beleuchtet, war überfällig und liegt nun endlich vor.“

116 Meter lang, zehn Meter hoch und zwölf Meter breit ist die Skulptur, die der ungarisch-schweizerische Künstler Zoltan Kemeny (1907—1965) im Auftrag der Stadt Frankfurt für die Städtischen Bühnen schuf. Die Berliner Kunsthistorikerin Claudia Blümle und der Hamburger Theaterwissenschaftler Jan Lazardzig ordnen das Kunstwerk aus 148 Wolkenkörpern mit 5500 Messingelementen in die Kunst am Bau an deutschen Theatern ein.

Der Züricher Kurator und Autor Dieter Schwarz beschreibt zwei Phasen von Kemenys Werk, die frühen Bilder und Reliefcollagen und die späten Wandreliefs aus Metall, mit denen Kemeny bekannt wurde. 1959 nahm der Künstler an der Documenta zwei in Kassel teil, fünf Jahre später an der Documenta drei. Das Frankfurter Wolkenfoyer entstand 1963. Auf der Biennale von Venedig erhielt Kemeny 1964 den Großen Preis. Ein Jahr später verstarb er.

Herstellung in der Rödelheimer Firma Eisenbach

Alfons Maria Arns zeigt in seinem Beitrag, wie das Wolkenfoyer von den Frankfurterinnen und Frankfurtern angenommen wurde: „Blechtrommel“, „Blechbichse“, „Dosenpalast “ und „Buckwitzaquarium“ waren gängige Begriffe, bis sich „Goldwolken“ und „Wolkenfoyer“ durchsetzten. Kemeny selbst sprach nur von seiner „Skulptur“. Zahlreiche Abbildungen rahmen die Beiträge. Unter anderem Kemenys Entwürfe, die er im Frankfurter Hof zeichnete. Oder Fotos vom Künstler bei Schweißarbeiten in der Rödelheimer Firma Eisenbach und bei der Hängung der 21 Tonnen schweren Skulptur.

Astrid Wuttke, Partnerin im Frankfurter Architekturbüro Schneider und Schumacher, hat Arbeiten von Studierenden zusammengetragen. Sie zeigen, dass sich die Wolken per Lichtinstallation stärker in Szene setzen lassen könnten. Ein Umbau der Städtischen Bühnen ist laut Studierenden-Arbeiten möglich – bei Erhalt des Wolkenfoyers sowie weiterer Teile, etwa dem Werkstattanbau und den Zuschauerräumen von Oper und Schauspiel. Die Stadtverordneten haben indes schon 2020 den Abriss beschlossen.

Lediglich der Foyerbau mit der Wolkeninstallation steht unter Denkmalschutz. Aus Sicht von Philipp Oswalt würde ein Umzug in einen Neubau die „Zerstörung des Werkes“ bedeuten. Die Rechtsnachfolger Kemenys müssen außerdem noch zustimmen. In der Wahlperiode bis 2026 wird die Koalition das aber wohl nicht entscheiden. Sie will sich lediglich auf einen Standort oder zwei Standorte festlegen und einen Architektenwettbewerb ausrufen.

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