Eine weiße Muschel lockt mit Events

Ikone mit Cartoons

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Der Pavilion, das neue Wahrzeichen der Buchmesse, soll mehr bieten als Wasserglas-Lesungen.

Das finnische Kerto-Holz, noch ganz frisch, duftet wunderbar. Durch die weiße Membran fällt ein diffuses Sonnenlicht ins Innere des filigranen Gebäudes. In seinen 13 Jahren als Direktor der Frankfurter Buchmesse hat Juergen Boos einen Humor entwickelt, der mit Sarkasmus unterfüttert ist. „Der Pavilion ist ja neben der neuen Frankfurter Altstadt das einzige Projekt, das rechtzeitig fertig geworden ist.“

Gelächter bei den Medienvertretern. So präsentiert die größte Medienschau der Welt den temporären Veranstaltungsbau, der ihr neues Wahrzeichen werden soll. Auf 480 Quadratmetern finden 250 Personen sitzend Platz. Hier will die Buchmesse künftig ein eigenes Programm präsentieren, „um die Menschen für die Literatur zu begeistern“. Ein „ikonisches Gebäude“ hatte sich Boos gewünscht, mit dem Entwurf beauftragt wurde das renommierte Frankfurter Architekturbüro Schneider+Schumacher.

„Eine Allegorie zum Buch“ sieht Architekt Till Schneider im Pavilion, die weiße Membran, die als Haut über das Holztragewerk gezogen ist, interpretiert er als Schutzumschlag. Die Muschelform soll auf der belebten Agora, dem Messemarktplatz, für Aufmerksamkeit sorgen – dort muss sie sich während der Buchmesse gegen diverse Buden, Kioske und das Lesezelt durchsetzen.

Der Tragwerksplaner Klaus Bollinger entwickelte ein Stecksystem für die Holzteile. Er verspricht ein „absolutes Hightechgebäude“, das modernste Technik so verbirgt, das man sie nicht sieht. Das Team vom Holzbauer Amann aus Weilheim-Bannholz im Nordschwarzwald arbeitete „seit Wochen täglich 24 Stunden rund um die Uhr“ an der Vorbereitung. Aufgebaut auf der Agora wurde dann vom vorigen Samstag an. Etwa eine Million Euro hat die Buchmesse dem Vernehmen nach in das Vorhaben investiert, offiziell wird keine Zahl genannt.

Inhaltlich will die Buchmesse den erwarteten 280 000 Besuchern ein Angebot machen, das über die bloße „Wasserglas-Lesung“ hinausgeht. „Events, Networking und Wissenvermittlung rücken stärker in den Fokus des Messebetriebes“, urteilt Lars Birken-Bertsch, der Projektverantwortliche und Programmkurator. Also endet das Programm zum Beispiel am hochfrequentierten Messe-Samstag um 18.30 Uhr mit einer exklusiven Filmvorführung: Gezeigt wird „Sharp Objects“, die neue Mini-Serie von HBO – die Geschichte einer Journalistin, die in ihre Heimatstadt zurückkehrt, um den Mord an einem Mädchen aufzuklären.

Aufgeboten sind Stars ihrer Branchen. Etwa der Doyen der deutschen 68er-Forschung, der Politologe Wolfgang Kraushaar (Sonntag, 14. Oktober, 15 Uhr). Er diskutiert „über das Erbe einer Ära“. Oder der bekannteste Science-Fiction-Autor der Volksrepublik China, Cixin Liu, mit den ersten Teilen seiner Trisolaris-Trilogie: „Die drei Sonnen“ und „Der dunkle Wald“(Samstag, 17 Uhr). Hier wird Andrang herrschen.

Ebenso am Freitag, 12. Oktober, ab 14 Uhr, wenn der Deutsche Cartoon-Preis 2018 verliehen wird. Und die Fans dürfen Schlange stehen, um sich die besten Bände signieren zu lassen. Dann wird man wissen, wie viele Personen der Pavilion fasst.

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