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Die Mährische Philharmonie ist eines der ältesten tschechischen Orchester.

Alte Oper

Festliche Matinee wärmt besser als Glühwein

Wer sich für ersten Advent einen Konzertbesuch mit anschließendem Flanieren über den Frankfurter Weihnachtsmarkt vorgenommen hatte, konnte zumindest mit ersterem zufrieden sein. In der Alten Oper tröstete die Mährische Philharmonie mit klassischen Ohrwürmern über das windig-trübe Novemberwetter hinweg.

Von Wolfgang Heininger

Da mittlerweile bereits kurz nach den Sommerferien Spekulatius und Lebkuchen in den Supermärkten feilgeboten werden, verwundert es auch nicht, dass schon Ende November der Reigen der Weihnachtskonzerte beginnt. Geschickt eingefädelt hatte es der ADAC-Hessen-Thüringen, der das Publikum in der Alten Oper am Sonntag selbst über das Programm entscheiden ließ. Was Wunder also, dass eine klassische Hitparade dabei herauskam.

Den Auftakt bildete Corellis Concerto grosso. Das Stück des Barockmusiker, passend zur Adventszeit, konnte als zarte Einführung in die Matinee gelten, ist doch der Italiener weniger durch seine Kompositionen als durch seinen Stil bekannt geworden, der etwa Vivaldi und Telemann inspirierte.

Mit dem Abendsegen aus Hänsel und Gretel stellten sich Miriam Sharoni (Sopran) und Kremona Dilcheva (Mezzosopran) erstmals vor. Für die Bulgarin Dilcheva, die erst über langes Ballettstudium und Pianospiel zum Singen fand – sie sagte einmal in einem Interview, zum Klavierüben sei sie zu faul gewesen –, ist der Hänsel quasi Brot und Butter ihres Metiers. Aufgrund ihrer Stimmlage wurde sie zu Beginn ihrer Karriere fast ausschließlich für Hosenrollen engagiert.

Frisch und fein ziseliert

Auf Mozarts kleine Nachtmusik folgte Schuberts Ave Maria, bei dem Miriam Sharoni allerdings etwas kurzatmig wirkte. Die Mährische Philharmonie machte danach mit der Ouvertüre zur Zauberflöte wieder alles gut. Obwohl die Mozartoper wie auch später die Ausschnitte aus Bizets Carmen die weltweit am häufigsten gespielten Opern sind, verlor sich das Orchester nicht in drohender Routine, sondern präsentierte das Werk frisch und fein ziseliert.

Weniger begeistern konnte allerdings die allzu brave Interpretation von Brahms ungarischem Tanz Nr. 5, den Dirigent Volker Schmidt-Gertenbach nicht auf Touren zu bringen vermochte. Das hat man schon besser instrumentiert und mit mehr Emphase gehört. Dazu passt auch, dass der ehemalige Leiter der Göttinger Symphonie wohl ein guter Probenleiter sein mag. Am Pult jedoch vermag der 73-Jährige keine Begeisterung – jedenfalls vom Showeffekt her – herbei zu führen.

So landete er den größten persönlichen Beifall damit, dass er nach der Pause endlich mit einem Micro aufwarten konnte, um die folgenden Stücke anzusagen. Ein schöner Einfall von ihm war es, vor dem Spiel eine instrumentierte Einführung zu Smetanas Moldau zu geben, wo Flöten den warmen und Klarinetten den kalten Quelltopf des Flusses markieren. Dem donnernden Part der Stromschnellen verlieh das Ensemble eine bemerkenswerte, Pauken betonte Bedrohlichkeit.

Komplettiert wurde das Potpourri ohne Überleitungen durch Offenbachs Barcarole und Tschaikowskys Blumenwalzer. Dass dann noch Straußens blaue Donau als Zugabe folgte, war da alles andere als eine Überraschung. Die Interpreten sorgten jedenfalls dafür, dass das dankbare Publikum den tristen Tag mit einiger Beschwingtheit bewältigen konnten.

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