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Wohnungspreise in Frankfurt: „Wir müssen günstiger bauen“

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Von: Christoph Manus

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Bauunternehmer Thomas Reimann auf dem Bad Vilbeler Gelände des Frankfurter Familienbetriebs Alea.
Bauunternehmer Thomas Reimann auf dem Bad Vilbeler Gelände des Frankfurter Familienbetriebs Alea. © Monika Müller

Bauunternehmer Thomas Reimann spricht im FR-Interview über steigende Wohnungspreise in Frankfurt und Region, Vorgaben für Investoren und das Scheitern der Günthersburghöfe im Nordend.

Herr Reimann, wie ist Ihr Unternehmen bisher durch die Pandemie gekommen?

Wir hatten durch Corona-Ausfälle im Unternehmen einen Umsatzverlust. Im Großen und Ganzen sind wir aber solide durch die Pandemie gekommen. Die ganze Baubranche ist in der Krise ein Stabilitätsanker.

Die IG Bau spricht von einem ungebremsten Bauboom ...

Ja. Die Nachfrage nach Bauleistungen hat sich nach einer kürzeren Schwächephase gerade wieder massiv belebt.

Es wird viel gesprochen über Lieferengpässe, Kostenexplosionen, den Stopp der KfW-55-Förderung. Wie stark trifft das alles denn die Branche?

In den vergangenen Monaten war der durch Lieferengpässe bedingte Materialmangel eine große Herausforderung. Nun kommt Omikron dazu. Die Folge sind stark gestiegene Kosten. Im August 2020 haben wir die Tonne Stahl für 650 Euro gekauft, jetzt zahlen wir 1050 Euro. Wenn Corona in China wieder ein größeres Thema wird, die Häfen wieder zu machen und Angst im Markt ist, dürften die Preise erneut steigen. Prinzipiell bin ich trotzdem optimistisch. Die 400 000 Wohnungen pro Jahr, die die Bundesregierung gerne errichten möchte, sind sehr ambitioniert. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir als Baubranche zumindest den Rohbau dafür stemmen können, beim Ausbaugewerbe wird es allerdings knapp. Der KfW-55-Förderstopp sorgt gerade für eine Menge Verunsicherung und wird einige Projekte verzögern.

Schon jetzt können sich fast nur noch Menschen, die geerbt haben, in Frankfurt und Umgebung eine Wohnung oder ein Haus kaufen. Wie weit soll das noch gehen?

Bremsen lässt sich die Entwicklung nur über eine Ausweitung des Angebots. Die Kommunen müssen deutlich mehr neue Bauflächen entwickeln, um dem Mangel an Bauland und den dadurch steigenden Grundstückspreisen entgegenzuwirken. Das Land sollte Städte und Gemeinden, die dazu bereit sind, finanziell belohnen.

Die Stadt Frankfurt würde ja gerne auf Ackerland beidseits der A5 große Wohnquartiere bauen. Die Pläne könnten aber am Widerstand der Regionalversammlung scheitern.

Ich würde es sehr bedauern, wenn das Projekt nicht realisiert würde. Frankfurt braucht dringend neue Baugebiete, um die Nachfrage decken zu können. Die lokalen Widerstände gegen Bauprojekte scheinen aber immer mehr zuzunehmen. Es gibt häufig die Einstellung: „Der Strom soll erneuerbar sein, aber bitte kein Windrad in der Umgebung, die Miete soll bezahlbar sein, aber bitte kein Baugebiet in der Nachbarschaft“.

Es sprechen doch auch ökologische Gründe gegen die Ausweisung neuer Baugebiete. Können Sie die Bedenken nicht nachvollziehen?

Bedingt. Das Scheitern der Günthersburghöfe im Frankfurter Nordend bleibt mir als Mahnung. Das war ein vorbildlich geplantes Projekt, mit sozialem Wohnungsbau, hohen ökologischen Vorgaben und der nötigen Infrastruktur. Wenn selbst ökologische Vorzeigeprojekte scheitern, sind Umweltbedenken dann nicht vorgeschoben? Die politische Mehrheit hätte den Mut haben sollen, das Vorhaben trotz Widerständen zu realisieren.

Zur Person

Thomas Reimann (60) ist Vorstandschef des Frankfurter Bauunternehmens Alea mit etwa 100 Beschäftigten.

Der Diplom-Betriebswirt fungiert als Vizepräsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände. Dort ist er Vorsitzender des Bau- und Immobilienausschusses. cm

Die Stadt Frankfurt macht Investoren strenge Vorgaben, was in neuen Baugebieten an Wohnungen zu entstehen hat. Wie hat sich die Wohnungswirtschaft damit arrangiert?

Mit der Quote von 30 Prozent gefördertem Wohnraum konnten wir leben. Ich glaube aber, dass man mit den deutlich höheren Vorgaben im Baulandbeschluss den Bogen überspannt hat. Es wird nicht gelingen, allein mit Genossenschaften und kommunalen Bauträgern ausreichend Wohnraum zu schaffen. Die steigenden Vorschriften werden dazu führen, dass kaum noch private Investoren in Frankfurt bauen wollen.

Wäre das denn so schlimm? Man hat den Eindruck, private Investoren tragen sehr wenig zum Bau günstigen Wohnraums bei.

Prinzipiell führt jede neu gebaute Wohnung zu einer Entspannung des Markts. Wenn jemand dort einzieht, wird eine andere Wohnung frei.

Die dann teurer vermietet wird ...

Da bin ich mir nicht so sicher. Im Zweifel wird eine Wohnung frei mit einem vertretbaren Mietpreis. Auch in Frankfurt gibt es ja viele Eigentümer, die die Mieten nicht ausreizen. Wir müssen aber auch lernen, wieder günstiger zu bauen.

Wie soll das gelingen?

Wichtig wäre es, Planungs- und Genehmigungszeiten zu verkürzen und die Bauvorschriften zu reduzieren. In Hessen sind zudem die fehlenden Deponien für Erdaushub ein Kostentreiber. Den Aushub für ein Mehrfamilienhaus nach Thüringen zu fahren, ist ökonomisch und ökologisch Blödsinn.

Die Frankfurter Wohnungsgesellschaft ABG hat vor einigen Jahren in Oberrad auf modulare Weise Wohnhäuser ohne Keller und mit Außentreppen gebaut, um günstige Mieten erzielen zu können. Ist das ein Weg?

Ohne Frage, wir müssen günstiger bauen. Das kann ein Beitrag dazu sein, aber hier gibt es viele Wege, die nach Rom führen.

Die Bundesregierung will serielles Bauen erleichtern. Ist das eine Möglichkeit, günstiger zu bauen?

Ich bin kein Freund des seriellen Bauens. Das ist etwas für Aldi und Lidl, aber nicht unbedingt für Wohngebäude. Diese sollten individuell gestaltet werden. Prinzipiell muss aber alles auf den Prüfstand, was helfen könnte, ausreichend günstigen Wohnraum zu schaffen.

Interview: Christoph Manus

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