Michael Groß, der ewige Albatros, ist mittlerweile Vizepräsident der IHK.
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Michael Groß, der ewige Albatros, ist mittlerweile Vizepräsident der IHK.

Teure Wohnungen

Wohnungsfrage dominiert Jahresempfang der IHK Frankfurt

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
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Die Lage auf dem Frankfurter Wohnungsmarkt ist das große Thema beim Empfang der Industrie- und Handelskamemr Frankfurt. OB Feldmann wirbt für mehr Sozialwohnungen bei der ABG.

Die Wohnungssituation in Frankfurt hat den Jahresempfang der Industrie- und Handelskammer dominiert. Dabei hatten die Redner sehr unterschiedliche Vorstellungen, was zu tun sei, um die Situation zu entspannen. Hauptredner Michael Voigtländer, Leiter des Kompetenzfelds Finanzmärkte und Immobilienmärkte beim Institut der deutschen Wirtschaft, warnte vor „sozialistischen Ideen“ für den Wohnungsmarkt. Er wandte sich insbesondere gegen Enteignungen von Wohnungsunternehmen und den Mietendeckel, der in Berlin eingeführt werden soll. Schon das Einfrieren der Mieten führe dazu, dass Vermieter zunehmend an Selbstnutzer verkaufen, so dass die Zahl der Mietwohnungen sinke, sagte er. Eine weitere Reaktion sei, dass Eigentümer auf Instandsetzungen und Modernisierungen verzichteten.

Dass in Berlin auch Mieten gesenkt werden sollen, sei noch schlimmer, sagte Voigtländer. Nicht zuletzt werde dieser Eingriff zu einem großen Vertrauensschaden führen, in dessen Folge weniger Unternehmen in Berlin investieren wollen, unkte er vor etwa 1800 Gästen im Gebäude der Industrie- und Handelskammer am Börsenplatz.

Dabei müsste nach Voigtländers Ansicht vor allem mehr Wohnraum gebaut werden, um die durch den starken Zuzug in die Städte steigenden Bedarf zu decken. Die Steigerungen bei Mieten und Preisen seien schließlich durch das Auseinanderfallen von Angebot und Nachfrage bedingt, hieß es.

Auch der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) warb einmal mehr für ein „bauen, bauen, bauen“. Die Ausweisung neuer Baugebiete und eine Ausweitung des Wohnungsangebots seien notwendig, damit sich die Menschen das Leben in Frankfurt auch weiterhin leisten könnten. Zugleich erneuerte er seine Forderung, dass die städtische Wohnungsgesellschaft ABG zur Hälfte geförderten Mietwohnungsbau betreiben sollte. Die Stadt müsse zudem Mieter vor Verdrängung zu schützen.

Schon IHK-Präsident Ulrich Caspar hatte zuvor angesichts des „besonderen Engpasses bei der Wohnraumversorgung“ dafür geworben, dass die Kommunen mehr Bauland ausweisen. Schon zuletzt hatte der frühere CDU-Landtagsabgeordnete klar gemacht, dass der Mangel an bezahlbarem Wohnraum der Wirtschaft in Frankfurt und Region schaden könne. Die Unternehmen litten schließlich unter Fachkräftemangel.

Ähnlich wie der Wohnungsexperte des Instituts für Wirtschaft warnte auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) vor einer Renaissance des Sozialismus. „Dass allen Ernstes über die Sozialisierung der Großindustrie diskutiert wird, hätte ich vor 30 Jahren nicht für möglich gehalten“, sagte er. Dabei gehe es Hessen doch gut wie nie. Die Beschäftigung sei auf einem Rekordhoch, die Arbeitslosigkeit so niedrig wie Jahrzehnte nicht. Zu einem maßvollen Vorgehen riet Bouffier in der Klimafrage. Er warnte davor, einen Kampf gegen das Auto oder einen Kampf gegen das Flugzeug zu führen. „Wir müssen ökologisch wirksame Maßnahmen so ergreifen, dass wir wettbewerbsfähig bleiben.“

Einigkeit demonstrierten Bouffier und Feldmann beim Ziel, die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt zu halten. Es gelte, alles zu tun, dass die Messe auch in Zukunft hier stattfindet, sagte der Ministerpräsident – und erinnerte daran, dass Verkehrsminister Tarek Al-Wazir am Freitagmorgen mit der Frankfurter Delegation zum Verband der Automobilindustrie nach Berlin fahren wird. Auch Feldmann wird dabei sein. Land und Stadt kämpften in dieser Frage Hand in Hand, sagte er.

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