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Frische Luft, hoch im Kurs bei Unterliederbacherinnen.

Unterliederbach

Geplantes Wohngebiet macht Bürgern Sorge

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Stadt stellt Pläne für Bebauung des Silogebiets im Ortsbeirat vor. Anwohner fürchten Berufsverkehr und Umweltprobleme

Punktgewinn für die Pfadfinder. Die Stadt hat gestern in der Sitzung des Ortsbeirats 6 erste Pläne für eine weitere Bebauung des Silogebiets nordwestlich des Silobades vorgestellt. Etliche junge Scouts der Pfadfinder St. Georg haben sich in Montur eingefunden. Ihr Vereinsgelände hinter dem Unterliederbacher Bahnhof liegt im Plangebiet, ist als „Untersuchungsraum Schule“ gekennzeichnet. Entsprechend halten sie Schilder hoch: „Wo sollen wir toben?“, steht auf einem.

Sie immerhin können aufatmen. Karl Leo Schneeweis vom Förderkreis der Pfadfinder regt an, die Stadt möge den „wertvollen Beitrag zur Infrastruktur“, also das Vereinsgelände, doch einfach in die Schulplanung integrieren. Was die Stadt zusichert. „Die Schule wird sich in Kooperation oder Koexistenz mit den Pfadfindern planen lassen“, sagt Karl-Heinz Staab vom Stadtplanungsamt.

Andere Besucher gehen nicht so gut gelaunt nach Hause. Kernpunkt der Pläne ist der Verkehr, sagt die Stadt. Mehr als 1000 neue Wohnungen könnten dort nicht entstehen, auch die nur mit einer zusätzlichen Verbindung zur Silostraße. Das haben die Verkehrsexperten den Stadtplanern an die Hand gegeben. Die 1000 Wohnungen sind aber problemlos möglich. Eine Sicht, die viele Bürger erstaunt.

„Wir haben schon jetzt Probleme im Berufsverkehr“, schimpft einer. Nicht nur im Osten des Stadtteils, wo die Parkstadt liegt. Auch die anderen Straßen seien verstopft. Auch an der Schranke der Kleinbahn zwischen Höchst und Königstein staue es sich gerne mal.

Der Ortsbeirat 6 ist über die Verkehrsplanung ebenfalls enttäuscht. Die Stadt hätte die Gelegenheit nutzen und eine Westumgehung Unterliederbach mitplanen sollen. Wie Ortspolitiker seit den 70ern fordern. Auch Alfons Gerling, CDU-Ehrenvorsitzender aus Zeilsheim, berichtet von viel zu vielen Autos auf viel zu engen Straßen in seinem Stadtteil. „Eine Westumgehung Unterliederbach ist auch eine Ostumgehung Zeilsheim.“

Doch: Die liegt wohl auf Eis. Zumindest mag das Stadtplanungsamt seine Vorschläge für das Silogebiet nicht an eine solche Straße koppeln. Allerdings sagt Planer Staab auch, dass die Westumgehung unabdingbar wäre, um das Silogebiet noch um eine dritte Ausbaustufe zu ergänzen.

Viele Bürger äußern auch Umweltbedenken. Das betreffende Areal ist ein Gebiet, in dem Kaltluft entsteht, sagt Anwohnerin Susanne Borchert. Davon profitiere der ganze Westen. In der Innenstadt stelle sich Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) hin und fordere grüne Zimmer, um Kaltluft dorthin zu bringen. Und im Westen will die Stadt eben die verbauen. „Eigentlich müssten wir in Frankfurt Flächen entsiegeln und nicht weiter zubauen“, sagt Ortsbeirat Thomas Schlimme von den Grünen. Aber das passe in die wirtschaftliche Logik nicht rein. „Es ist die letzte Grünfläche südlich der A 66“, sagt der Unterliederbacher Ortslandwirt Dieter Christian, sie sei entsprechend wertvoll. Die Wohnungsnot könne die Stadt nur lindern, wenn sie mit dem Umland kooperiere und den Nahverkehr ausbaue. Außerdem findet er, dass das Thema Seveso nicht ausreichend geklärt ist. Lange hat besagte Richtlinie verhindert, dass die Stadt so nahe am Industriepark ein Baugebiet verwirklichen kann. Doch im vergangenen Jahr haben sich Stadt und Industrie auf 500 Meter Abstand geeinigt. Damit wäre der Weg frei für die Parkstadt.

Die Vereinbarung gilt aber nur zwischen Stadt und Industrie, konkretisiert Staab. Die Planer müssen sich trotzdem mit den von Seveso geforderten Abständen befassen. Das heißt, so planen, dass die künftigen Neubürger so wenig wie möglich gefährdet sind. Zum Beispiel wird der Bebauungsplan vorschreiben, dass die Lüftungsanlage der Gebäude mit dem Alarm des Industrieparks verbunden sind. „Ein Novum in der Bauplanung“, sagt Staab. Auch darf es keine öffentlichen Stellplätze geben, die im schlimmsten Fall andere Leute als die Anwohner nutzen. Also weitere Personen in Gefahr bringen. Parkplätze wird es darum in Tiefgaragen geben und in einer oberirdischen Quartiersgarage.

Die Sorge ums Klima nehme die Stadt ernst, versichert Staab. Die Auswirkung auf die Kaltluftentstehung sei das erste Gutachten, das die Planer in Auftrag gegeben haben.

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