Wohnen in Frankfurt

Wohnungen statt Hotelzimmer in der Bürostadt Niederrad

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Auf einem Grundstück in der Bürostadt Niederrad sollen statt einem Hotel Wohnungen entstehen. Doch die Vorlage des Magistrats stößt auf viel Kritik. 

Auf zwei Grundstücken an der Saonestraße in der inzwischen Lyoner Quartier genannten Bürostadt Niederrad sollen statt eines Hotels oder Boardinghauses Wohnungen und zu 30 Prozent günstige Studentenapartments für Mieten bis 300 Euro im Monat entstehen. Dafür wirbt der Magistrat. Dessen Dringlichkeitsvorlage wurde am Donnerstag im Haupt- und Finanzausschuss jedoch vertagt.

Baudezernent Jan Schneider (CDU) war darüber wenig begeistert. Er könne die Stadtverordneten zwar verstehen, da er die entsprechende Magistratsvorlage erst sehr kurzfristig habe vorlegen können. Allerdings könne das Geschäft mit dem Investor platzen, wenn die Stadtverordneten in diesem Monat nicht mehr zustimmten.

Die Stadt hatte im Jahr 2015 für das Bauprojekt benötigte Flächen von 1973 Quadratmetern für 1,15 Millionen Euro an die Firma Kurt Wiegand verkauft. Der Käufer verpflichtete sich, das Hotel oder ein Boardinghouse binnen fünf Jahren in Passivhausweise zu errichten und die Planung und Herstellung der angrenzenden neuen Straße in Abstimmung mit dem Amt für Straßenverkehr und Erschließung zu übernehmen. Dafür sollte er einen Erschließungsvertrag abschließen.

Wie der Magistrat mitteilt, kam der Investor, der die Flächen inzwischen an das Unternehmen S 810 weiterverkauft hat, dieser Forderung nicht nach. Spätestens sobald die Frist zur Fertigstellung des Gebäudes Mitte 2021 ende, stehe der Stadt daher ein Rücktrittsrecht zu. Dann erhielte die Stadt gegen Rückzahlung des Kaufpreises von 1,15 Millionen die Grundstücke Saonestraße 8 und 10 zurück. Eigentümererbbaurechte an zwei Flurstücken könnten das aber eventuell verhindern, heißt es. Der Bau von Wohnungen statt Hotel entspreche zudem den städtebaulichen Zielen für das Viertel.

Linke für Rückabwicklung

Schneider warb im Ausschuss noch einmal intensiv für das Vorhaben. Gegenüber den ursprünglichen Plänen „haben wir uns verbessert“, sagte er. Gerade in der Nähe zum Mediziner-Campus der Uni sei es sinnvoll, Apartments für Studierende zu bauen. Zudem übernehme der Investor einen Teil des nötigen Straßenausbaus.

Die SPD konnte Schneider damit nicht überzeugen. „Ich halte nichts von Friss-oder-stirb-Ansagen“, sagte Fraktionschefin Ursula Busch. Sie brauche Zeit, um sich ein Bild von dem Vorhaben zu machen.

Die Linke fordert, den Verkauf der Flächen rückabzuwickeln, das Areal also wieder in städtische Hand zu bringen. Dann könne die städtische Wohnungsgesellschaft ABG auf dem Gelände zur Hälfte geförderte Wohnungen und zu 30 Prozent Studentenapartments bauen. Zwar solle auch der Investor zu 30 Prozent geförderten Wohnraum bauen, sagte Michael Müller (Linke) im Ausschuss. Daran sei er aber nur zehn Jahre lang gebunden.

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