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Stand des inklusiven Wohnens am Klostergarten.

Wohnen

Wohnprojekte fördern gute Quartiersentwicklung in Frankfurt

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Bei der Infobörse im Römer stellen sich gemeinschaftliche und genossenschaftliche Wohnprojekte vor. Solche Wohnformen können ganze Quartiere bereichern.

Eine ökologische und solidarische Hausgemeinschaft soll es mal sein, die in das Haus im Hilgenfeld auf dem Frankfurter Berg zieht. „Wir sind alles Leute, denen Nachhaltigkeit und Umwelt wichtig sind“, sagt Robert Lipp. Plastik und Verpackungsmüll vermeiden, Lastenräder für den Transport nutzen, Biogemüse auf dem Dach anbauen. „Ich stelle mir das auch wie eine erweiterte Kleinfamilie vor“, sagt der 34-Jährige. „Man hilft sich gegenseitig etwa bei der Kinderbetreuung.“

„Nest Frankfurt“ nennt sich die Gruppe, die in etwa dreieinhalb Jahren in das gemeinschaftliche Wohnprojekt im Hilgenfeld einziehen möchte. Bis dahin sollen es mal 18 Erwachsene und zehn Kinder sein. Noch sind es weniger und auf der Infobörse für gemeinschaftliches und genossenschaftliches Wohnen am Samstagmittag in den Römerhallen tragen sich Leute am Stand vom „Nest“ in Listen ein. Wartelisten. „Wir haben schon viele Interessenten“, sagt Lipp. Unter denen schaue man bei mehreren Treffen nun zuerst, wer infrage komme. „Es muss ja auch menschlich passen.“

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Das Amt für Wohnungswesen und das Netzwerk für gemeinschaftliches Wohnen hat zu der 13. Börse geladen, bei der sich lokale Wohngruppen, Initiativen und Genossenschaften präsentieren. So wie die Gruppe Uliba, ein gemeinschaftliches Wohnprojekt in Unterliederbach. In dem Fall hat ein Architekt ein Konzept für den Standort am Sossenheimer Weg erarbeitet, dann wurde eine Gruppe gesucht. Alfred Preusch ist dabei, weil er „mehr will als ein Hallo im Treppenhaus“, eben eine Gemeinschaft, in der man „einem der Kinder auch mal bei den Hausaufgaben hilft“.

Mehr als 3000 Besucher

Mehr als 3000 Besucherinnen und Besucher drängen sich zwischen den Ständen. 90 Gruppen seien inzwischen im Netzwerk Mitglied, sagt Birgit Kasper, Koordinatorin des Netzwerks Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen. „Tendenz stark steigend.“ Denn es habe „noch nie so gute Chancen auf Umsetzung“ gegeben. Schließlich weist die Stadt wieder neue Bauflächen aus und 15 Prozent sind dabei für den Wohnungsbau an gemeinschaftliche und genossenschaftliche Projekte zu vergeben. Wie etwa im Römerhof, in den Günthersburghöfen oder eben im Hilgenfeld. Tausend Wohnungen sollen so fürs gemeinschaftliche Projekte in den nächsten Jahren hinzukommen.

Zudem vergibt die Stadt inzwischen auch Grundstücke nicht nach dem höchsten Preis, sondern nach dem besten Konzept. „Das ist ein Baustein für eine gute Quartierentwicklung“, sagt Kasper. Schließlich würden sich die Gemeinschaftsprojekte für eine gute Wohnsituation Ideen einfallen lassen. „Gewerbliche Projektentwickler interessieren sich nicht dafür, ob ein Quartier funktioniert.“

Das Haus des „Nests“ liegt an einem kleinen öffentlichen Platz. Die Gruppe will dort etwa für Stadtteilfeste sorgen. Im großen Gemeinschaftsraum soll es Jonglage-Workshops, Jamsessions, Filmabende und eine Küche für alle geben. Gegessen und jongliert werden könnte bei schönem Wetter auch auf dem Platz. „Da ist die Nachbarschaft bei allem eingeladen“, sagt Lipp. „Es ist ein Angebot an das ganze Quartier.“

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