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Der Grand Tower am Frankfurter Güterplatz wird mit 172 Metern der höchste Wohnturm Deutschlands.

Analyse

Wohnen in Frankfurt: Oben herrscht der Luxus, unten die Not

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In Frankfurt entstehen immer mehr Wohnhochhäuser. Aber helfen sie gegen den Mangel an bezahlbaren Wohnungen?  

In den zurückliegenden fünf Jahren hat Frankfurt am Main einen Boom von Wohnhochhäusern erlebt. Unter phantasievollen Namen wuchsen sie in die Höhe: Das „Axis“, der „Westside Tower“ und das „Praedium“ im Europaviertel nahe der Messe. Nicht weit davon entfernt, am Güterplatz, geht der „Grand Tower“, mit 172 Metern der höchste Wohnturm Deutschlands, seiner Vollendung entgegen. Direkt nebenan entsteht das „Eden“. Bereits bezogen ist der neue Henninger Turm, Hainer Weg 60 bis 64, in Sachsenhausen. Nach langen Querelen und Bauunterbrechungen vollendet ist das „Onyx“ im Westend, Oberlindau 76-78.

Diese Liste ist keineswegs vollständig. Gemeinsam ist all diesen Bauten, dass sie Luxuswohnungen höchsten Standards und höchster Preise bieten, in der Regel überwiegend Eigentum. Das „Onyx“ offerierte 2015 mit 14 000 Euro pro Quadratmeter die teuersten Eigentumswohnungen der Stadt, wurde dann aber rasch überholt. Für die obersten fünf Stockwerke im „Grand Tower“ nennt der Eigentümer einen Durchschnittspreis von 19 000 Euro pro Quadratmeter. Die beiden Penthouses in der Spitze kosten zusammen 16 Millionen Euro, das entspricht einem Quadratmeterpreis von 27 000 Euro.

Wohntürme dienen reichen Investoren als Kapitalanlage

Am Beispiel „Grand Tower“ lässt sich auch ablesen, dass die Wohntürme überwiegend als Kapitalanlage sehr reicher Investoren aus aller Welt dienen. Von den rund 280 Wohnungskäufern dieses Hochhauses kommen 200 aus dem Ausland, mit einem Schwerpunkt aus dem asiatisch-pazifischen Raum.

Sie werden überwiegend nicht dauerhaft am Güterplatz wohnen, sondern vielleicht einmal eine Party feiern mit Blick auf das Frankfurter Messegelände. Für die Opposition im Frankfurter Römer ist die Einschätzung klar: „Diese sehr teuren Wohnungen braucht kein Mensch“, sagt Eyup Yilmaz, der wohnungspolitische Sprecher der Linken im Römer.

Neuer Bebauungsplan nötig

Aber die Dynamik des kapitalistischen Marktes, der Wohnungen zu einem sehr teuren Gut macht, ist ungebrochen. Nach Angaben des Gutachterausschusses für Immobilienwerte wurden 2018 in Frankfurt Wohnimmobilien für rund 2,73 Milliarden Euro verkauft. Insgesamt 3537 Eigentumswohnungen wechselten den Besitzer, ein Zuwachs von sechs Prozent im Vergleich zu 2017.

Die Möglichkeiten der Kommunalpolitik, auf diese Entwicklung Einfluss zu nehmen, sind begrenzt. Wohnungs- und Planungsdezernent Mike Josef (SPD) hält mit seiner Meinung nicht hinterm Berg: „Die Wohnhochhäuser werden natürlich nie die Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt abdecken.“

Neue Wohntürme in Frankfurt sollen öffentlich geförderten Wohnraum beinhalten

Unsere Serie „Frankfurt wächst“

Kaum eine Stadt in Deutschland wächst derart rasant wie Frankfurt. In ein paar Jahren könnte die Metropole am Main 800 000 Einwohner haben. Doch bewältigt Frankfurt diese Entwicklung überhaupt? Wo sollen alle diese Menschen wohnen, wie gelangen sie zur Arbeit, wenn die Straßen immer voller werden, und droht das Umland von Frankfurt aufgefressen zu werden? Mehr Texte unserer Serie „Frankfurt wächst“ gibt es als Plus-Inhalte in der Zeitung, im E-Paper und der FR+ App.

Josef versucht dennoch, für die Wohntürme „einen klaren Rahmen zu setzen seitens der Stadt“. Das bedeutet: In künftigen Wohnhochhäusern soll es zumindest einen Anteil von 30 Prozent öffentlich gefördertem Wohnraum geben. Der Sozialdemokrat ist sich der Tatsache bewusst: „Die ganze Republik schaut in dieser Auseinandersetzung auf uns.“ Bei einigen künftigen Wohnhochhäusern hat die Stadtplanung jetzt den Anteil von 30 Prozent öffentlich gefördertem Wohnen durchgesetzt. Also nicht so teure Mietwohnungen. Erreicht werden kann das immer nur dann, wenn ein neuer städtischer Bebauungsplan aufgestellt werden muss.

Das gilt etwa bei der geplanten Anlage „Grand Central“. Direkt am Frankfurter Hauptbahnhof, an der Hafenstraße, entsteht dieses Quartier. Die DB-Netz AG bezieht hier in zwei siebengeschossigen Gebäuden Büros für 2200 Menschen. Obwohl diese Büros unmittelbar am Hauptbahnhof liegen und der öffentliche Nahverkehr nicht weit ist, gibt es noch eine zweistöckige Tiefgarage mit 800 Autostellplätzen.

Positive Beispiele: „Grand Central Tower“ und das „Schwedler-Trio“

Aber es entstehen auch 400 Wohnungen. Und zwar im „Grand Central Tower“, einem 140 Meter hohen Wohnturm. Josef konnte erreichen, dass 30 Prozent davon des Wohnraums öffentlich gefördert werden.

Ein anderes Beispiel ist das geplante „Schwedler-Trio“ an der Ferdinand-Happ-Straße im Frankfurter Osten. Es handelt sich um ein Wohnhochhaus von 16 Geschossen sowie zwei weitere Gebäude mit sieben Etagen. Insgesamt gibt es 123 Wohnungen, davon sind 30 Prozent öffentlich gefördert.

„One Forty West“ - Eine Niederlage für Frankfurts Stadtplaner

Auch auf dem Grundstück an der Ecke Katzenpforte/Stiftstraße in der Innenstadt soll dieser Anteil gelten. Hier wird ein 60 Meter hoher Wohnturm gebaut.

Das Wohnen im Henninger-Turm in Sachsenhausen ist nicht gerade preiswert.

Eine eindeutige Niederlage der Stadtplaner in ihrem Kampf um bezahlbare Wohnungen auch in Hochhäusern markiert der Turm „One Forty West“, der gerade an der Senckenberganlage fertiggestellt wird. Da dort ein alter Bebauungsplan vorlag, konnte die Stadt keinen Einfluss auf den Charakter der Wohnungen nehmen. So gibt es in den oberen Etagen des 41-geschossigen Hochhauses 187 Wohnungen, jeweils zur Hälfte Eigentum und Mietmodelle. Für den Durchschnittsverdiener erschwinglich ist nichts davon.

„Die Wohnhochhäuser tragen in keiner Weise zur Entspannung auf dem Markt bei“, bilanziert denn auch der Linke Eyup Yilmaz. Planungs- und Wohnungsdezernent Mike Josef will dagegen weiter versuchen, „auch Angebote im mittleren Preissegment in Hochhäusern zu schaffen.“

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