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Nur ein Trümmerhaufen ist vom AfE-Turm geblieben.
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Nur ein Trümmerhaufen ist vom AfE-Turm geblieben.

AfE-Turm

Der Trümmerhaufen wird zum Ausflugsziel

  • Oliver Teutsch
    VonOliver Teutsch
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  • Hanning Voigts
    Hanning Voigts
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Stadtteil unter Staub: Nach der Sprengung pilgern viele Frankfurter ins Westend-Süd, an jene Stelle, wo bis Sonntag der AfE-Turm in den Himmel ragte, und bestaunen den Schuttberg.

Auch an den Tagen nach der Sprengung ist der ehemalige Uni-Turm noch eine echte Attraktion. Vor allem in der Senckenberganlage gibt es ein großes Hallo. Das Kinderhaus Bockenheim hat den riesigen Schutthaufen als Ausflugsziel für sich entdeckt. Die Vorschulkinder bestaunen die Abrissarbeiten aus sicherer Entfernung. Der kleine Luke ist ganz fasziniert. Er hat schon am Vortag mit seinen Eltern die Sprengung vor Ort beobachtet. Jetzt will der Sechsjährige Sprengmeister werden: „Weil das so cool ist.“

Ursprünglich wollte das Kinderhaus Bockenheim an diesem Montagmorgen seinen gemeinsamen Ausflug auf den Spielplatz Heule Eule machen. Doch die Kinder rebellierten. „Sie wollten lieber den Turm nachbauen“, verrät Pädagogin Sabine Gröschner. Ihr Vorschlag, den gemeinsamen Ausflug doch stattdessen zur Abbruchstelle Uni-Turm zu machen, stieß dann auf allgemeine Begeisterung. Jetzt schauen die Kleinen aus dem Kindergarten und der Krabbelgruppe gebannt auf Bagger und Planierraupe, die sich durch den riesig aufgetürmten Schutt wühlen.

Auch beim älteren Publikum stoßen die Abbrucharbeiten auf großes Interesse. Ein Sicherheitsmitarbeiter muss die Kiebitze immer wieder ermahnen, nicht zu nah an die Baustelle heranzugehen. Carsten Siebert steht in gebührendem Abstand und macht Fotos mit seinem Handy. „So sah der Turm vorher aus“, zeigt er begeistert. Vor einem Jahr ist der Politikstudent in dem jetzigen Schutthaufen noch ein- und ausgegangen, um zu seinen Vorlesungen zu kommen. Allzu traurig ist er nicht, dass es den Turm nicht mehr gibt. Die Warterei vor den Aufzügen nervte und auch die Pendelei zu anderen Vorlesungen auf dem Campus Westend. „Aber irgendwie hatte der Turm auch Kultcharakter“, sagt er dann doch noch.

Nicht nur Schaulustige mit Handykameras sind vor Ort. Der ein oder andere Hobbyfotograf fährt auch schwereres Geschütz auf. Selbst Kamerateams sind gekommen: Der Hessische Rundfunk hat um ein Interview auf der Baustelle gebeten und sich ganz nah herangewagt. Bauleiter Jörg Völkel thront auf einem der Erdhügel, als hätte er ihn gerade erobert. Etwa drei Monate, so schätzt er, werden die Abrissarbeiten dauern. Zunächst werde mal sortiert. Der Stahl soll recycelt, ein Teil des Schutts abtransportiert werden. Sehr viel Abbruchmaterial diene aber auch dem neuen Fundament.

Die Abbruchfirma AWR ist an diesem Montag mit 30 Leuten im Einsatz. „Das Personal wird im Laufe der Zeit aber noch reduziert“, kündigt Bauleiter Völkel an. Am Tag eins nach der Sprengung fallen vor allem viele Aufräumarbeiten an. An einem Bürogebäude in der Senckenberganlage beseitigen AWR-Mitarbeiter gerade die Abdeckplanen. Hier, direkt vis-a-vis des Sprengortes, waren die Verantwortlichen in Sachen Staubentwicklung ganz auf Nummer sicher gegangen. Trotz der kompletten Abdeckung der Senckenberganlage 10–12 wurde die Klimaanlage vorsorglich abgestellt und alle Computer in dem Gebäude verpackt.

Diese gründliche Vorbereitung ist überhaupt der Grund dafür, dass die Sprengung, die außer ein paar gesplitterten Scheiben keine weiteren Schäden angerichtet hat, so bilderbuchmäßig verlaufen ist. Davon ist zumindest Ilmi Viqa überzeugt, der Geschäftsführer von AWR. Auch einen Tag nach der Sprengung ist er ob des Erfolges am AfE-Turm noch völlig beschwingt. „Das war schon eine gute Leistung von uns“, sagt Viqa am Telefon. „Und da sind wir auch stolz drauf.“ Ganz genau habe man vorher den Fall des fast 120 Meter hohen Turms ausgerechnet, „und dann fällt das Ding genau da hin, wo es geplant war“. Die U-Bahn habe schon kurz nach der Sprengung wieder fahren können, sogar die Bäume an der Senckenberganlage seien heile, sagt Viqa. Gute Vorbereitung sei eben alles. „Wenn man weiß, was zu tun ist, dann klappt es auch.“

Die gute Planung durch AWR wird auch von vielen Nachbarn des Turms gelobt, die jetzt streng genommen Ex-Nachbarn des Turms sind. Mehrfach seien Mitarbeiter des Abbruchunternehmens vor Ort gewesen, hätten alles geprüft und jederzeit die nötigen Informationen bereitgestellt, sagt Jan Schamari, Geschäftsführer der Marketing-Agentur „Make Relations“, die ihre Büroräume direkt gegenüber dem Turm an der Senckenberganlage hat. „Das war wirklich eine super Betreuung.“ Obwohl er, wie er sagt, jetzt deutlich mehr Licht in seinem Büro hat, ist Schamari ob der Sprengung auch ein wenig betrübt: „Dieser morbide Beton-Charme war schon schön.“

Auch Stephanie Heintz, eine Mitarbeiterin des Hotels „An der Messe“, findet für die Organisation der Sprengung nur lobende Worte. Es habe keinerlei Schäden an dem Hotel in der Westendstraße gegeben, sagt sie. „Es gab halt viel Staub, aber da hatten wir sofort, nachdem er sich gelegt hatte, einen Räumtrupp hier, das lief alles wunderbar.“ Der viele Staub ist an diesem Tag überhaupt das größte Problem der Turm-Anrainer. Der klebe natürlich noch in großen Mengen überall, sagt eine Sprecherin des Senckenberg-Museums. „Aber den wäscht der nächste Regen ab.“ Bei Senckenberg ist man insgesamt erleichtert, dass keine Schäden am Gebäude festzustellen sind. Selbst die Dinosaurier im Gebäude stünden noch an Ort und Stelle, sagt die Sprecherin.

Während die Haustechniker des Senckenberg-Museums das alte Gebäude noch weiter nach Schäden absuchen, genießt Karl Matthias Roth schon seinen neuen Büro-Blick. Er sehe aus seinem Fenster im 17. Stock jetzt sogar das ehemalige IG-Farben-Gebäude und den neuen Uni-Campus, sagt der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, die ihren Sitz in einem Hochhaus an der Georg-Voigt-Straße hat. Insgesamt sei bei seinen Kollegen die Freude groß, „dass wir jetzt mehr Licht haben und außerdem einen viel freieren Blick auf die Stadt“.

Unten, in der Georg-Voigt-Straße zeigt sich derweil, wie groß die Staubentwicklung bei der Sprengung war. Hier, knapp 100 Meter vom Turm entfernt, bedeckt eine feine Staubschicht, Rasen, Sträucher und Bäume, ein bisschen sieht es aus wie nach einem Sandsturm. Die vielen Kinder und Schaulustigen dagegen interessiert der Staub in den Nebenstraßen nicht. Sie sind immer noch begeistert von den Arbeiten auf dem Schutthaufen, wo gestern noch der AfE-Turm stand.

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