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Ein letzter Blick aus dieser Perspektive: Die Skyline von Frankfurt, fotografiert aus dem AfE-Turm. Er ist nicht das erste Gebäude, das in der Stadt gesprengt wird - aber das höchste.

AfE-Turm und seine Vorgänger

Spektakuläre Sprengungen in Frankfurt

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Frankfurt erlebt mit dem Fall des AfE-Turms am Campus Bockenheim am 2. Februar nicht die erste spektakuläre Sprengung. In den vergangenen 20 Jahren wurden im Stadtgebiet mehrere Gebäude zu Fall gebracht. Wir erinnern unter anderem an das AEG-Hochhaus und die Bahn-Zentrale.

Bevor die beiden ungleichen Zwillingstürme Kastor und Pollux ihre Plätze an der Friedrich-Ebert-Anlage einnehmen konnten, musste ein anderes Gebäude erst einmal weg: Die 77 Meter hohe Zentrale der Deutschen Bahn, die hier ihren Sitz hatte, wurde 1994 mit einem lauten Knall dem Erdboden gleichgemacht.

Fünf Jahre später bekamen die Frankfurter erneut das faszinierende Schauspiel einer Gebäude-Sprengung geboten. Am Theodor-Stern-Kai, dem südlichen Kopf der Friedensbrücke, stand bis 1999 das AEG-Hochhaus. Der 1996 pleite gegangene Haushaltsgerätehersteller hatte hier jahrzehntelang seine Zentrale. Viele Frankfurter erinnern sich an das charakteristische Gebäude aus den 50er Jahren mit den weithin sichtbaren drei Buchstaben auf dem Dach und der großen Uhr an der Fassade. Harald-Reportagen zeigt Fotos des Hauses.

Hunderte Schaulustige waren dabei, als das 45 Meter hohe AEG-Hochhaus am 9. Mai 1999 gesprengt wurde. Auf dem Grundstück entstand danach ein Neubau der Allianz AG.

2002 der nächste große Knall in Frankfurt: Das alte Studentenwohnheim der FH Nordweststadt war der Erweiterung des Einkaufszentrums im Weg. 2002 wurde das Gebäude am Walter-Möller-Platz gesprengt und an seiner Stelle ein 36-stöckiges Hochhaus hochgezogen.

Relativ unspektakulär verlief die Sprengung der Flugzeughalle 3 am Frankfurter Flughafen. Der alte Hangar musste dem Bau des Flugsteigs A0 und der zugehörigen Vorfelderweiterung weichen - am 20. Juli 2007, kurz vor Mitternacht, drückte der Sprengmeister den Knopf.

Auf den vielen Baustellen der Stadt tauchen immer wieder gefährliche Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg auf - und manchmal sind sie nur durch eine Sprengung unschädlich zu machen. Am 27. Mai 2013, einem Montag, jagen Experten in Bockenheim eine Zehn-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg kontrolliert in die Luft. Das Überbleibsel der alliierten Bomberangriffe wurde bei den Arbeiten an der Baustelle des St. Martin-Tower entdeckt, einem 18-stöckigen Bürohochhaus-Neubau an der Theodor-Heuss-Allee in der City-West.

Sie war bereits der dritte brisante Fund innerhalb nur eines Monats: Am 3. Mai 2013 hatten Bauarbeiter eine 500 Kilo schwere amerikanische Fliegerbombe auf dem Areal zwischen Franklinstraße und Katharinenkreisel ans Tageslicht befördert. Die Experten vom Kampfmittelräumdienst, die das mit 150 Kilo Sprengstoff gefüllte Relikt am 5. Mai entschärften, konnten zwei Wochen später gleich wieder anrücken: Nur 15 Meter vom ersten Fundort entfernt lag eine zweite Fliegerbombe, ebenfalls 500 Kilo schwer, wieder mit 150 Kilo Sprengstoff beladen. Auch sie konnte entschärft werden. Gerhard Gossens vom hessischen Kampfmittelräumdienst hatte seinerzeit eine Erklärung für die Häufung der Funde: Auf das Areal unweit des ehemaligen Flugplatzes am Rebstock seien im Zweiten Weltkrieg zahlreiche Bomben gefallen. Briten und Amerikaner flogen zwischen 1940 und 1945 insgesamt 75 Luftangriffe auf Frankfurt.

Zurück zum AfE-Turm: Sein Zusammenfallen am 2. Februar 2014 ist mit den früheren Gebäude-Sprengungen in der Stadt kaum vergleichbar. Mit 116 Metern ist der Uni-Turm das höchste Bauwerk, das jemals in Europa gesprengt wurde. Wenn die 1400 Sprengladungen gegen 10 Uhr zünden, werde sich das anhören wie Böller- oder Salutschüsse, sagt Sprengmeister Eduard Reisch. Ganz fremd wird das für die Frankfurter jedenfalls nicht klingen.

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