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Rekordpreise bei Wohneigentum

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Von: Claus-Jürgen Göpfert

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Wer kann - oder will - sich eine Wohnung im Henninger Turm leisten?
Wer kann - oder will - sich eine Wohnung im Henninger Turm leisten? © Christoph Boeckheler

Frankfurt ist ein verdammt teures Pflaster: Die teuersten Unterkünfte kosten 22.000 Euro pro Quadratmeter.

Wohnen in Frankfurt wird zunehmend unbezahlbar. Beim Eigentum klettern die Preise rasant, allein im Jahre 2017 um 11,3 Prozent. Eine Neubau-Eigentumswohnung kostet im Durchschnitt 5380 Euro pro Quadratmeter. Die teuersten Unterkünfte, an der Börsenstraße und im neuen Henninger-Hochhaus, schlagen mit 22.000 Euro pro Quadratmeter zu Buche.

Das sind allesamt Ergebnisse des jüngsten Immobilienmarktberichtes, erstellt vom unabhängigen Gutachterausschuss für Immobilienwerte. „Wohneigentum ist in Frankfurt für breite Schichten nicht realisierbar“, urteilt Planungsdezernent Mike Josef (SPD) bei der Präsentation des Berichts. Josef fordert „eine Kehrtwende auf dem Immobilienmarkt“. Vor Journalisten fragt er: „Hat die Politik den Arsch in der Hose, den Rahmen zu schaffen?“

Von der neuen Bundesregierung verlangt der Sozialdemokrat eine Steuer, mit der Bodenwertgewinn von privaten Investoren abgeschöpft werden soll. Josef bedauert, dass in den Sondierungsgesprächen zwischen CDU/CSU und SPD darüber nicht geredet worden sei. In Frankfurt will er als Stadt künftig zwei Drittel des Bodenwertgewinnes beim Wohnungsbau einbehalten, nur ein Drittel soll bei einem Projekt den privaten Bauherren bleiben. Geregelt werden könne dies über städtebauliche Verträge.

Mit dem Geld soll die Kommune künftig die Infrastruktur für neue Wohngebiete bezahlen, etwa die öffentlichen Verkehrsmittel. „Daseinsvorsorge heißt, Menschen mit Wohnraum zu versorgen, nicht mit Eigentumswohnungen“, sagt der Stadtrat.

In Frankfurt sind die Bodenpreise zwischen 2008 und 2017 um 80 Prozent gestiegen, für Neubauwohnungen in guten Lagen sogar um 130 Prozent. Josef will sich deshalb jetzt dem „Münchener Aufruf für eine andere Bodenpolitik“ anschließen, der im November 2017 von einem breiten Bündnis von Politikern und Mietervereinen beschlossen worden war. Ziel der Initiative ist es, die Bodenpreise einzufrieren und Grundstücke wieder als Allgemeingut zu behandeln und nicht als Spekulationsobjekt. Planungsdezernent Josef verlangt vom Land Hessen überdies, der Stadt Frankfurt wieder die Einnahmen aus der Grunderwerbssteuer zur Verfügung zu stellen. Sie fließen derzeit im Umfang von 400 Millionen Euro jährlich an das Land, früher durfte die Stadt zumindest einen Teil dieses Geldes behalten. „Es kann nicht sein, dass die Mehrwerte beim Boden komplett an uns vorbeigehen“, moniert der Dezernent. Josef kritisiert scharf, dass im Frankfurter Umland viel zu wenige Wohnungen gebaut würden. „Ein großer Teil der dort vorhandenen Flächen ist nicht annähernd mobilisiert“, sagt der Planungsdezernent. Der Grund dafür sei, dass die politisch Verantwortlichen vor Ort angesichts des wachsenden Widerstandes gegen Wohnungsbau einknickten. „Es gilt die Devise: Hauptsache weg von meinem Beritt.“

Beim Gewerbemarkt in Frankfurt dominieren die Büros. 2017 erzielten 39 Verkäufe bebauter Büroimmobilien einen Umsatz von rund 2,9 Milliarden Euro. Die Büromieten steigen wieder, sie liegen jetzt in der Spitze bei 40 Euro pro Quadratmeter. Zugleich geht der Leerstand zurück. Standen lange Zeit mehr als 1,5 Millionen Quadratmeter Büroraum in Frankfurt leer, sind es derzeit „nur“ noch 900.000 Quadratmeter. „Es gibt eine steigende Nachfrage nach Büroflächen in der Innenstadt“, sagt Josef. Um der Spekulation vorzubeugen, will die Stadt 2018 einen neuen Hochhaus-Rahmenplan in Auftrag geben. Er soll festlegen, wo neue Büro- und Wohntürme gebaut werden dürfen – und wo nicht.

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