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Die Mieter der GWH in Sossenheim sind in Sorge.

Frankfurt-Sossenheim

Protest gegen drastische Mieterhöhungen

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Zahlreiche Bewohner der Henri-Dunant-Siedlung in Sossenheim protestieren gegen Mieterhöhungen der GWH. Zwischen 50 und 70 Euro sollen sie mehr im Monat zahlen.

Der Mieterbund Höchster Wohnen schlägt Alarm. Die Wohnungsgesellschaft GWH hat Bewohnern der Henri-Dunant-Siedlung in Sossenheim Mieterhöhungen von 13 bis 15 Prozent mitgeteilt. „Das sind zwischen 50 und 70 Euro im Monat“, sagt Sieghard Pawlik vom Mieterbund. „Drastisch“, findet er das. Betroffen seien mehrere Hundert Mieter mit teils geringem Einkommen.

Rund 60 der Betroffenen haben am Mittwoch vor dem Dunantring 8 gegen die Mieterhöhung protestiert. Pawlik nutzt die Gelegenheit, die Verwaltungsspitze die GWH zu Mäßigung zu ermahnen. Und damit auch das Land, schließlich gehört die GWH zur Landesbank Hessen-Thüringen. „Lasst die Kirche im Dorf“, ruft Pawlik den Entscheidungsträgern im Hintergrund zu. „Mieten müssen bezahlbar sein.“

Die GWH könne es handhaben wie die Frankfurter Wohnbaugesellschaft ABG, sagt Pawlik: auf die Mietpreisbremse treten. Die ABG erhöhe über die kommenden fünf Jahre die Mieten um maximal fünf Prozent. „Das hat ihr nicht geschadet.“ Auch die Nassauische Heimstätte, die mehrheitlich dem Land Hessen gehört, habe für einen Teil ihrer Bestände ähnliches beschlossen, sagt Pawlik. Der Mieterbund plant nun, Unterschriften zu sammeln. Pawlik wünscht sich aber einen generellen Schulterschluss aller Mieter in der Stadt.

Die GWH Wohnungsgesellschaft verweist derweil darauf, dass sie Gebäude und Wohnumfeld „auch in Sossenheim stabilisiert und zu Gunsten unserer Mieter aufgewertet“ habe. Das gehe nicht ohne Kapital. „Um nachhaltig und wirtschaftlich sinnvoll im Interesse unsere Mieter investieren zu können, müssen wir in Intervallen unsere Mieten an die Marktgegebenheiten anpassen“, sagt Unternehmenssprecher Marc Hohmann. Als rechtsverbindliche Grundlage diene der Mietspiegel der Stadt Frankfurt, und zwar die Neuauflage von 2018.

Dieser werde in der Mietspiegel-Kommission erarbeitet, in der außer Vertretern des Amtes für Wohnungswesen auch Vertreter der Mieterschutzvereinigungen vertreten seien, die somit maßgeblichen Anteil an der Ausgestaltung des Mietspiegels hätten, sagt Marc Hohmann weiter. Für Mieterhöhungen gebe es feste Kriterien, in der Auflage 2018 habe die Kommission einige davon verändert. Ausstattungsmerkmale und Kriterien jeder einzelnen Wohnung müssten berücksichtigt werden.

Sieghard Pawlik findet allerdings, dass einige der Mieterhöhungen zu hoch ausgefallen, sogar nicht rechtens seien. In manchen Fällen sei ein modernisiertes Bad angerechnet worden, das die Voraussetzungen gar nicht erfülle. Auch einige Abschläge seien nicht berücksichtigt worden, etwa veraltete Haustechnik oder eigene Investitionen der Mieter in Fußböden oder Heizungen. Pawlik empfiehlt allen Mietern, die Erhöhungen prüfen zu lassen. In zwei Fällen habe die GWH den neuen Vertrag bereits zurückgezogen.

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