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Wohnhäuser in Frankfurt.

All-in-Mieten

Politik sieht Wucher bei möblierten Apartments in Frankfurt

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In Frankfurt werden immer mehr möblierte Wohnungen mit extrem hohen Mieten angeboten. Die Stadt befürchtet eine Verdrängung von Mietern, eine Bundestagsabgeordnete spricht von Wucher.

Das 24 Quadratmeter große „Design-Apartment“ im Gallus – ein möbliertes Zimmer mit Küchenzeile und Bad – kostet 1290 Euro Miete. Nebenkosten, Internet, Strom, Reinigung sowie Handtuch- und Bettwäschewechsel sind in der Miete enthalten. „All inclusive“ ist auch das 16 Quadratmeter große möblierte Zimmer in einer „Flat sharing community“ in Sachsenhausen, das auf demselben Portal für 750 Euro Miete angeboten wird. Dort findet sich auch ein 24 Quadratmeter großes möbliertes Zimmer in Niederrad zum Festpreis von 1150 Euro Miete.

Wohnungssuchende stoßen in Frankfurt auf immer mehr solcher möblierter Apartments, die teils zu abenteuerlich hohen „All-in-Mieten“ angeboten werden. Im Schnitt liegen diese nach Zahlen des Maklerhauses Colliers bei 34,40 Euro, in der Spitze bei 60,40 Euro pro Quadratmeter. Beworben werden die Apartments als umkomplizierte Lösungen etwa für Menschen, die nur auf eine bestimmte Zeit in Frankfurt arbeiten. Doch Stadt und Mieterschützer beobachten den Bau immer neuer Komplexe mit Mikrowohnungen und die Umwandlung von Wohnungen in einzelne möblierte Apartments mit großer Sorge. Sie befürchten, dass die hohe Nachfrage nach Wohnraum ausgenutzt wird.

Mietpreisbremse umgangen

Natürlich gebe es Pendler, die bereit seien, kurzfristig solche Angebote in Anspruch zu nehmen, sagt Rolf Janßen, Geschäftsführer des DMB-Mieterschutzvereins Frankfurt. Deren Anteil sei aber verschwindend gering. Er geht davon aus, dass zum größten Teil Menschen in diese teuren möblierten Apartments einziehen, die auf dem leergefegten Markt nichts anderes finden. Letztlich versuchten Vermieter die Mietpreisbremse bei Neuvermietungen zu umgehen oder deren Anwendung zu erschweren, sagt Janßen. Weil den Mietern nicht klar sei, was die Möbel in ihrer Wohnung und was Services wie Concierge oder Putzservice wert sind, seien die Mieten schließlich kaum zu vergleichen. Wichtig wäre es daher, in den Mietspiegel Kategorien für möblierte Wohnungen aufzunehmen.

Die Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen (SPD) zeigt sich erbost über die Entwicklung zu teuren möblierten Apartments. Neudeutsch werde etwa in Sachsenhausen „Community Living“ inseriert; es handele sich aber bei 750 Euro Miete für 16 Quadratmeter um nichts anderes als Mietwucher. Sie kündigt an, mit anderen SPD-Wohnungspolitikern über Maßnahmen gegen überhöhte Mieten für möblierte Wohnungen zu sprechen.

Auch das städtische Planungsdezernat sucht, wie Referent Marcus Gwechenberger sagt, nach Wegen, um insbesondere die Umwandlung von Wohnungen in einzelne möblierte Zimmer zu verhindern. Denn dies führe zu Verdrängung. Gegen diese vorzugehen, sei allerdings schwierig, solange das Land nicht wieder ein Zweckentfremdungsverbot einführe.

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