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Module aus Holz werden in der Ginnheimer Platensiedlung den bisher dreigeschossigen Häuserzeilen aufgesetzt.

ABG Frankfurt

Platensiedlung wird aufgestockt

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Die ABG Frankfurt Holding schafft mit vorproduzierten Holzmodulen 380 neue Wohnungen. Sie werden in einer Feldfabrik zusammengebaut und dann nur noch aufgesetzt und montiert.

Die neue Wohnung kommt mit dem Kran. Vorsichtig hievt dieser je 9,50 Meter lange Holzmodule auf die Häuserzeile an der Sudermannstraße in der Platensiedlung. Nach und nach lässt die städtische Wohnungsgesellschaft ABG Frankfurt Holding bisher dreistöckige Häuser der einst von der US-Army genutzten 50er-Jahre-Siedlung so um je zwei Etagen aufstocken.

Dabei hilft ihr das bayerische Unternehmen Liwood, das die Module in einer Feldfabrik an der Sandelmühle aus einzelnen Elementen zusammenbaut, um sie in der Platensiedlung zu montieren. Pro Tag werden fünf bis sechs Module mit zusammen bis zu 120 Quadratmetern Fläche gefertigt. Sie aufzubauen, dauert jeweils zwei bis drei Wochen.

In etwa einem Jahr wird die bisher aus 348 Wohnungen bestehende Siedlung so auf mehr als die doppelte Anzahl gewachsen sein. Bis spätestens 2023 sollen weitere 300 Wohnungen entstehen, die in Tor- und Brückenhäusern Platz finden. Zwei Kitas sind geplant, Flächen für kleine Läden sind vorgesehen.

Mike Josef will „neue Wege“ gehen

Bei dem vom Frankfurter Architekten Stefan Forster ausgearbeiteten Projekt handelt es sich um die größte Nachverdichtung einer Siedlung in Frankfurt seit vielen Jahren und derzeit wohl das größte Projekt dieser Art in Deutschland. Auch das Verfahren ist zumindest in dieser Größenordnung neuartig.

„Wir gehen neue Wege“, sagte der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef (SPD) am Montagmorgen bei einem „Stapelfest“ an der Ginnheimer Baustelle. Das Vorhaben zeige, wie man Siedlungen der 50er und 60er Jahre, von denen es nicht nur in Frankfurt sehr viele gibt, qualitätsvoll und behutsam weiterentwickeln kann. Der Einsatz vorgefertigter Module führe zu einem hohen Tempo und einer entsprechend deutlich geringeren Belastung der Bewohner, die ja während der Arbeiten in ihren Wohnungen bleiben.

Neue Fenster, kein Aufzug

ABG-Geschäftsführer Frank Junker nannte das Projekt eine sehr große Herausforderung. Vor der Aufstockung der Häuserzeilen habe man diese jeweils statisch ertüchtigen müssen. Dazu wurde Zementsuspension injiziert. Lärm und Schmutz ließen sich nicht vermeiden, sagte Junker. Noch sehe es zwischen den Häusern aus wie in einer Mondlandschaft. Mit dem gewählten Verfahren versuche man aber, die Mieter so wenig wie möglich zu stören. Alle Wohnungen erhielten zudem neue Fenster, ohne dass die ABG dies zum Anlass für eine Mieterhöhung nehme. Während der Arbeiten sei die Miete gemindert. Auf den Einbau von Aufzügen hat die ABG aus Kostengründen verzichtet.

Sobald die Arbeiten abgeschlossen sind, sollen die Fassaden der Häuserzeilen neu gestaltet werden, so dass die Siedlung, die die ABG in den 90er Jahren vom Bund kaufte, ein einheitliches Erscheinungsbild gewinnt. Auch die großen Grünflächen zwischen den Häusern sollen neu gestaltet werden.

Die Nachverdichtung der zuletzt wegen Kriminalität in die Schlagzeilen geratenen Platensiedlung dürfte südlich der Platenstraße weitergehen. Das bezeichnete ABG-Chef Junker schon bei der Vorstellung der Pläne im Sommer 2016 als möglich. Planungsdezernent Josef sagte am Montag, man werde sich das Gebiet im Süden der Siedlung genau anschauen, um im Frühjahr bekanntgeben zu können, was für dieses Areal die sinnvollste Lösung sei.

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