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Der Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB) ragt im Ostend in den Abendhimmel.
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Der Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB) ragt im Ostend in den Abendhimmel.

Frankfurt-Ostend

Ostend im Wandel

  • Judith Köneke
    VonJudith Köneke
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Das Frankfurter Ostend befindet sich im Wandel. Mitte März feiert die Europäische Zentralbank (EZB) die Eröffnung ihres Neubaus. Drumherum sind bereits etliche neue Läden und Restaurants entstanden.

Die Wolken spiegeln sich in der Fassade des gläsernen Riesen. Von außen ist nicht zu sehen, wie viele Menschen bereits im Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB) arbeiten. Irgendwann werden es knapp 3000 sein. Gesichert durch Zäune und Gräben, entsteht gerade der Park der EZB. Zu Füßen der Bank Richtung Main erstreckt sich der Hafenpark. Spaziergänger legen ihre Wege mittlerweile bis unter die renovierte Honsellbrücke zurück. Noch sind die Wiesen abgesperrt, der Skaterpark dahinter ist schon längst Institution. Der Kunstverein Familie Montez hat sich in den Bögen der renovierten Honsellbrücke eingerichtet. Über den Main spannt sich die neue Osthafenbrücke.

„Viel hat sich geändert in den letzten Jahren, rausgeputzt für die EZB“, meint Ostendler Volker Ströhr. Vorher habe die Stadt kein Interesse gehabt, in das Viertel zu investieren. Die Modernisierungen gingen nun auf Kosten der Alteingesessenen. Bei ihm sei die Miete zwar noch nicht erhöht worden, aber seine Nachbarn berichteten ihm von Steigerungen. „14 oder 15 Euro pro Quadratmeter sind keine Seltenheit, das hat doch Westend-Niveau.“

Das einstige Arbeiter- und Industrieviertel wandelt sich schon seit Jahren zum attraktiven Wohngebiet. Entlang der Hanauer Landstraße etwa siedeln sich immer mehr Unternehmen an, entstehen neue Hotels, Restaurants und Geschäfte.

In „Patel’s Café“ in der Horst-Schulmann-Straße, die entlang der EZB zum Main führt, riecht es nach indischen Gewürzen. Seit zwei Jahren hält Inhaber Hanif Patel die Stellung. „Am Anfang war es sehr tot, es ist eben ein Entwicklungsgebiet hier“, sagt der 35-Jährige, während er einen Smoothie mixt. Es sei nicht gerade leicht gewesen, schließlich habe er damit gerechnet, dass die ersten EZBler schon Ende 2013 einziehen würden. Mittlerweile kämen bereits einige vorbei. „Die Leute trauen sich noch nicht, aber die wollen ja auch mal rausgehen.“

Nebenan das Ladengeschäft ist noch frei. Trotz EZB vis à vis wagt hier noch keiner den Schritt. Daneben verkauft das Blumengeschäft Plumeria Sträuße, Gestecke und Topfpflanzen. „Seit dem Einzug ist die Zahl der Kunden gestiegen“, sagt eine Mitarbeiterin. Viel Englisch höre man nun. Manche hätten schon Pflanzen fürs Büro gekauft.

In der Sonnemannstraße gegenüber dem EZB-Haupteingang bietet die „Hesse-Wirtschaft“ regionale Küche an. Geschäftsführerin Steffi Kurbasa deckt die Tische ein. Sie kann nicht über zu wenig Gäste klagen. „Heute Abend sind wir ausgebucht, die Hälfte kommt von drüben.“ Aber ihnen sei es auch davor nicht schlecht gegangen. Die internationalen Gäste seien begeistert von Rippchen, Handkäs’ und Bier. Dass sich im Viertel viel tue, findet sie positiv. „Es wird frischer, moderner und sauberer.“

Doch nicht alle finden die Veränderungen toll. „Hier wird überall gebaut“, sagt Berna Cangul, die mit ihrem kleinen Sohn unterwegs ist. „Für uns Anwohner bedeutet das nur Lärm und Dreck.“ Von ihrer Wohnung in der Grusonstraße blickt sie genau auf die Großbaustelle der ehemaligen Feuerwache. An jeder Ecke im Viertel sind Baustellen zu sehen. Rund 1800 Wohnungen sollen hier über kurz oder lang entstehen. „Aber doch kaum für Familien und Normalverdiener“, sagt Cangul. „Ich höre immer nur von Eigentumswohnungen, Mikroappartements oder Luxussanierung.“ Dass der Grund dafür die EZB ist, glaubt sie nicht. Die Banker zögen doch nicht alle hierher, das sei ein Problem, das die innenstadtnahen Viertel betreffe.

In der Sonnemann-Straße haben in einer bunten Altbautenzeile ein Bäcker und ein Thai-Restaurant eröffnet. Die kleine Bäckerei Huck guckt erst seit fünf Wochen auf das Bankhochhaus. „Zu uns kommen Anwohner, aber auch Leute aus der EZB, das erkennt man an den Ausweisen“, sagt Mitarbeiter Jan. Der Familienbetrieb, der auch in der Kleinmarkthalle verkauft, ist bekannt für sein Bauernbrot. „Wir werden hier gut angenommen.“ Im Sommer wollen die Inhaber auch Tische auf die Straße stellen.

„Ein Bäcker hat hier gefehlt“, sagt Philip Schöpf. Am Ostend gefalle ihm gerade das leicht „Abgerockte“ und die Mischung. Hier wohnten Asylbewerber neben Werbeleuten und Studierenden. Doch immer mehr Schickimicki-Läden kämen, beschwert sich Schöpf. Damit meint er auch das Jesse James, eine neue Bar in der Hanauer Landstraße. Neben alten Tresoren werden dort Drinks ausgeschenkt. „Bei uns stimmt das Preis-Leistungs-Niveau, jeder ist willkommen“, sagt dessen Inhaber Beruk Johny. Dass aus dem Ostend ein Schickimickiviertel wird, glaubt er nicht.

Noch fielen die 2000 Schlipsträger nicht auf im Ostend, sagt Philip Schöpf. Die wenigen, die er bis jetzt kennengelernt habe, hätten die Nase nicht hoch getragen. Derweil gehen langsam die Lichter im Glaspalast an. Die ersten Bankmitarbeiter verlassen das Gebäude und gehen heim – durch ein Viertel, das sich weiter verändern wird.

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