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Mathias Düsterdick, Vorstandschef der Düsseldorfer Gerch Group, auf dem Gelände des früheren Polizeipräsidiums. Es hat das Areal sehr teuer vom Land erworben.

Altes Polizeipräsidium

„Ohne Wohneigentum funktioniert es nicht“

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Mathias Düsterdick, Vorstandschef der Gerch-Group, spricht im Interview über das geplante neue Quartier auf dem Gelände des Alten Polizeipräsidiums in Frankfurt.

Mathias Düsterdick, der Vorstandsvorsitzende des Düsseldorfer Projektentwicklers Gerch-Group, stellt sich zum ersten Mal einem Interview zu dem Projekt Altes Polizeipräsidium. Der 50-Jährige kennt Frankfurt am Main gut. Hier hat er vor langer Zeit eine Ausbildung zum Werbekaufmann absolviert. 1991, mit nur 23 Jahren, stieg Düsterdick in das Team des Königsteiner Immobilienkaufmanns Jürgen Schneider ein. 1994 legte Schneider eine betrügerische Milliardenpleite hin und tauchte unter. Düsterdick war damals sehr gefragt, weil er als einer der wenigen das Immobilien-Portfolio Schneiders tatsächlich kannte.  Von 1996 bis 2001 war er Direktor beim Stuttgarter Projektentwickler Bülow. Nach weiteren Unternehmens-Stationen als Entwickler gründete Düsterdick Ende Oktober 2015 gemeinsam mit Christoph Hüttemann die Gerch-Group. Sie gehört heute mit einem Gesamtvolumen von vier Milliarden Euro zu den wichtigen deutschen Projektentwicklern. Das Tochterunternehmen 6 M Wohnraum AG, im Herbst 2016 gegründet, setzt sich zum Ziel, rasch preisgünstige Wohnungen zu bauen.  

Herr Düsterdick, Ihre Projekte sind nicht selten umstritten, Sie werden als Spekulant und Immobilienhai beschimpft. Wie gehen Sie damit um?
Wir suchen uns immer die schwierigeren Projekte aus. Die kleinen und einfachen Projekte kann jeder. Wir sind im Preiskampf mit Mitbewerbern. Je mehr wir große Projekte machen, desto mehr können wir mit unseren Stärken punkten. Wir machen also nicht einfach nur 3000 Quadratmeter Wohnen im Westend.

Beim Alten Polizeipräsidium gab es auch den Vorwurf der Spekulation. Der Preis für das Gelände ist in die irrwitzige Höhe von 212 Millionen Euro getrieben worden.
Dieser Preis stimmt so nicht. Aber wir haben uns gegenüber dem Land Hessen als früherem Eigentümer zum Stillschweigen verpflichten müssen.

Ist der Preis also sogar noch höher?
Wie gesagt: Wir dürfen nichts sagen. Aber wir haben einen hohen Preis bezahlt. Aber es gibt Einigkeit mit der Stadt darüber, dass dort rund 100 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche an Bebauung entstehen dürfen. Wir reden also über rund 2000 Euro pro Quadratmeter. Das ist zwar eine große Summe, aber für diese Lage ist das nicht viel.

Aber es ist zu wenig Wohnen und zu wenig preiswertes Wohnen, das Frankfurt ja so dringend braucht. Es gibt nur 30 Prozent öffentlich geförderten Wohnraum.
Die Regeln stellen wir ja nicht auf, sondern wir werden mit einem Regelwerk konfrontiert. Dieses Regelwerk kalkulieren wir. Hätte man uns gesagt, man möchte 80 Prozent Wohnen haben, hätten wir das genauso kalkuliert. Das Regelwerk macht die Politik. Ich sehe das ähnlich wie Sie: Es wäre sicherlich wünschenswert, mehr preiswerten Wohnraum dort zu schaffen. Nur, dann hätte man uns das sagen müssen.

Gibt es jetzt noch die Möglichkeit der Korrektur?
Das geht leider nicht. Der Kaufpreis steht ja fest. Leider gehen die Kommunen nicht so vor, dass sie die Flächen nach dem besten Konzept für ein Grundstück vergeben, sondern nach dem höchsten Preis.

Beim Polizeipräsidium war es ja das Land, das am höchsten Preis interessiert war. Wie viele Wohnungen werden denn jetzt dort entstehen?
Es werden einige Hundert Wohnungen sein. Das hängt sehr von der Mischung der Wohnformen ab. Große Wohnungen und kleine Wohnungen.

Benötigen Sie eine bestimmte Anzahl von Eigentumswohnungen, damit sich das Projekt für Sie rechnet?
Ja. Wir brauchen einen großen Anteil, sonst funktioniert das wirtschaftlich nicht. Wir werden auf dem Gelände des Alten Polizeipräsidiums ja auch einen Turm bauen. In welcher Höhe oder ob es zwei werden, wird gerade noch verhandelt. Aber Turmbauten sind immer aufwendig.

Sie könnten ein Hochhaus von 145 Metern bauen.
Ja. Das ist allerdings der alte Bebauungsplan, der ja von der Stadt nicht mehr gewollt wird.
Das wird noch eine Sache von Verhandlungen mit der Stadt sein. Von Abstimmungen. Es könnten auch zwei kleinere Türme werden, da sind wir relativ offen.

Die Wohnungen werden nach hinten liegen, weg von der vielbefahrenen Friedrich-Ebert-Anlage.
Ja. Vorne im alten Gebäude des Polizeipräsidiums, das ja denkmalgeschützt ist, wird man sicherlich Büros unterbringen.

Die Stadt legt großen Wert auf Wettbewerbe, ist das auch in Ihrem Sinne?
Ja. Man kann das nicht anders machen. Bei einem Projekt dieser Größenordnung brauchen wir einen städtebaulichen Wettbewerb und danach architektonische Wettbewerbe für die einzelnen Gebäude. Das ist auch richtig so.

Wollen Sie einzelne Parzellen wieder verkaufen?
Man soll nie nie sagen. Aber wir planen das derzeit nicht.

Was werden Sie investieren?
Wir sind bei einem Volumen von 800 Millionen Euro, grob geschätzt. Wir reden über eine knappe Milliarde.

Wie lange wird es etwa dauern?
Wir hoffen, dass wir 2019 mit den Wettbewerben beginnen, das ist mit der Stadt auch so abgestimmt. 2020 könnte ein Wettbewerbsergebnis feststehen. Ein bis drei Jahre brauchen wir für den Bebauungsplan, dann können wir mit dem Bauen loslegen.

Was wird für die Öffentlichkeit dort in diesem kleinen Stadtteil entstehen?
Es wird eine Kita geben. Wir stimmen gerade mit der Stadt ab, dass wir die Turnhalle der benachbarten Schule auf unserem Gelände erweitern. Wir wollen, dass das Quartier von allen Seiten zugänglich wird und dass wir kein geschlossenes Grundstück mehr haben.

Man wird durch das Quartier durchgehen können?
Ja. Man kann es durchqueren und durchschauen. Es wird in den Erdgeschossen öffentliche Nutzungen geben, etwa Gastronomie.

Da gibt es ja in Frankfurt das negative Beispiel des Europaviertels, wo die Erdgeschosse vernachlässigt wurden und es wenig öffentliche Nutzungen gibt.
Ja. Das werden wir sicherlich anders machen. Da sprechen wir eine Sprache mit der Stadt Frankfurt.

Könnte ein öffentlicher Platz im Zentrum entstehen?
Aber ja. Die Einzelheiten werden die Wettbewerbe klären.

Werden Sie weitere Projekte in Frankfurt verwirklichen?
Wir schauen immer nach weiteren Projekten. Wir würden gerne mehr machen in Frankfurt, aber das Problem hier sind die Grundstückspreise.

Was ist das Besondere am Frankfurter Immobilienmarkt?
Er verändert sich sehr schnell. Aber es gibt nicht mehr viele große Flächen, auf denen man etwas komplett Neues verwirklichen kann. Das Grundstück des Alten Polizeipräsidiums ist da eines der letzten.

Interview: Claus-Jürgen Göpfert

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