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Mehr Menschen, mehr Wohnungen: Nachverdichtung soll helfen. Im Bild die Skyline mit Wohnhäusern in der Fahrgasse (vorne).

Wohnen in Frankfurt

Nachkriegssiedlungen sollen in Frankfurt neuem  Wohnraum weichen

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Die Nassauische Heimstätte prüft, Teile von Frankfurter Siedlungen abzureißen und neu zu bauen. 

Die Nassauische Heimstätte will verstärkt prüfen, ob es nicht sinnvoller ist, Teile von Siedlungen der Nachkriegszeit in Frankfurt und Region abzureißen und die Fläche mit neuen Wohngebäuden dichter zu bebauen, als zu versuchen, die Gebiete mit Anbauten oder per Aufstockung nachzuverdichten. Das hat Helge Bitzer, Leiter Neubau bei der Unternehmensgruppe, die mehrheitlich dem Land gehört, am Donnerstag bei einer Immobilientagung in der Frankfurter Sparkasse klargemacht. Um welche Frankfurter Siedlungen es sich handeln könne, sagte er noch nicht.

Als Vorbild nannte Bitzer die Siedlung „Auf der Mainhöhe“ in Kelsterbach. Dort sollen Siedlungshäuser mit 86 Wohnungen abgerissen werden und Neubauten mit 240 Wohnungen Platz machen. Die Wohnfläche soll sich fast verdreifachen, die Qualität der Wohnungen deutlich steigen. Allerdings werden die Mieten, wie Bitzer einräumte, für die frei finanzierten Wohnungen mit 10,50 Euro pro Quadratmeter etwa vier Euro über den bisherigen liegen. Ähnliche Projekte gebe es in Wiesbaden und Hanau.

Bitzer machte keinen Hehl daraus, dass der Abriss bewohnter Siedlungshäuser ein unbequemer und schwieriger Weg sei: Mieter verlören ihre Wohnung, das Unternehmen müsse versuchen, ihnen Ersatzwohnraum zu bieten, die Mieten stiegen. Abriss und Neubau böten aber die Chance, in deutlich größerem Umfang und günstiger neue Wohnungen zu errichten, als das bei Anbauten oder Aufstockungen der Fall sei. Auch städtebaulich könne der Abriss Vorteile haben. Die Siedlungen seien ja nicht alle schön, sagte er.

Bitzer forderte zudem weniger strenge Vorgaben für den Bau geförderter Wohnungen. Die Förderbedingungen müssten so sein, dass Investoren auch mit dem Bau dieser Wohnungen Geld verdienen können. Klar forderte der Vertreter der Nassauischen Heimstätte etwa, dass Sozialwohnungen nicht im Passivhausstandard entstehen müssen.

Auch andere Redner schreckten am Donnerstag nicht vor unbequemen und unpopulären Vorschlägen zurück. So riet etwa der Niederlassungsleiter des Projektentwicklers Instone, Ralf Werner, auf der Suche nach Baugrundstücken die 5,5 Millionen Quadratmeter Klein- und Freizeitgärten, die es im Frankfurter Stadtgebiet gebe, nicht außer Acht zu lassen. Auf den Flächen könnten schließlich 100 000 Wohnungen entstehen, Wohnraum für 200 000 Menschen. Man könne ja die Bürger abstimmen lassen, was sie wollten: die Kleingärten behalten oder mehr Wohnungen, sagte Werner.

Frank Berlepp, Geschäftsführer der LBBW Immobilien, warb dafür, bei jeder Stelle im Stadtgebiet darüber nachzudenken, ob man sie nicht nachverdichten könne. Auf die Wiesen zwischen den Siedlungen gehörten keine Teppichklopfstangen, sondern Häuser, sagte er.

Stadtplaner und Architekt Karl Richter, der 2017 Pläne zur Bebauung des Rebstockareals mit einem Stadtteil für 30 000 Menschen präsentiert hatte, wies auf fünf Gebiete in der Stadt hin, in denen zusammen 32 500 Wohnungen entstehen könnten. Er riet, die Mainwasen in Sachsenhausen zu bebauen und so das Deutschherrnviertel nach Osten zu verlängern. Potenzial für neue Wohnungen sieht er auch im bisher gewerblich genutzten Westen des Gutleutviertels, am Frankfurter Berg, wo durch Abriss und Neubau die Zahl der Wohnungen stark steigen könne, im Bereich des Cargo-Terminals am Güterbahnhof Ost und im Bereich des Autobahnzubringers Jean-Monnet-Straße in Eckenheim. Neue Kleingärten könnten an den Niddaauen nördlich des Frankfurter Bergs entstehen, sagte Richter.

Der Wohnungsmarkt in Frankfurt

Der Wohnungsmangel in Frankfurt spitzt sich zu. Das zeigen Zahlen des Zentralen Immobilien-Ausschusses (ZIA), nach denen die Leerstandsquote inzwischen unter 0,5 Prozent liegt, der Wohnungsmarkt also praktisch leergefegt ist.

Die Neuvertragsmieten lagen nach dem ZIA-Frühjahrsgutachten in Frankfurt im dritten Quartal des Jahres 2018 bei 12,58 Euro pro Quadratmeter. Das ist ein Anstieg um 5,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. München ist mit 16,54 Euro pro Quadratmeter noch teurer. In Hamburg sind die Mieten mit 10,90 und in Berlion mit 10 Euro pro Quadratmeter dagegen deutlich günstiger.

Die Kaufpreise für Eigentumswohnungen sind nach ZIA-Zahlen noch stärker gestiegen. Sie lagen demnach mit 4253 Euro pro Quadratmeter 13,2 Prozent über dem Vorjahreswert. Unter den vergleichbaren Städten sind die Preise nur in Berlin noch stärker gewachsen.

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