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Simone Zapke löst Michael Kummer ab.
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Simone Zapke löst Michael Kummer ab.

Bauaufsicht Frankfurt

Neue Spitze will Milieuschutz durchsetzen

  • Claus-Jürgen Göpfert
    VonClaus-Jürgen Göpfert
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Wechsel in der Frankfurter Bauaufsicht: Simone Zapke löst Michael Kummer ab - und lässt gleich beim offiziellen Amtswechsel aufhorchen. Die neue Chefin will sich um die sozialverträgliche Gestaltung von Flüchtlingsunterkünften ebenso kümmern wie um das „Eindämmung von Verdrängungstendenzen“.

An Abenden wie diesen sind Emotionen im Spiel. Und bei manchem der 350 Versammelten gehen die Gedanken Jahrzehnte zurück. Abschied von Michael Kummer, dem langjährigen Leiter der Bauaufsicht. Zugleich stellt sich seine Nachfolgerin Simone Zapke vor und lässt aufhorchen. Alle namhaften Architekten, Projektentwickler, Bauherren sind erschienen – und drei sozialdemokratische Oberbürgermeister: Volker Hauff, Andreas von Schoeler und Peter Feldmann.

Letzterer würdigt den „lieben Michael“ als „Dompteur der Baulöwen“. Er habe aus Visionen wie dem Wohnen auf dem ehemaligen Schlachthofgelände Realität werden lassen. Eine Umarmung auf offener Bühne.

Der scheidende Amtsleiter sieht sich selbst als „Diener“ mit einer „delegierten Gestaltungsmacht auf Zeit“. Der frühere Sozialdemokrat, der vor einiger Zeit aus der Partei ausgetreten war, zitiert das Gedicht „Fragen eines lesenden Arbeiters“ von Bertolt Brecht: „Wer baute das siebentorige Theben? Haben die Arbeiter die Felsbrocken geschleppt?“ Bauen, so Kummer, sei eine Gemeinschaftsleistung. Wer alleine den Bestimmer spielen wolle, habe schnell verloren.

Kummer erinnert an die Frankfurter Bauaufsicht im Nationalsozialismus, die sich seinerzeit „mit bauhygienischen Maßnahmen schwer vergriffen“ habe. Nicht nur in der fernen Türkei beobachte man heute kritisch, „wie gesellschaftspolitische Ziele im Namen des Baurechtes unterstützt“ würden. Kummer sagt: „Es ist nützlich, eine Vision zu haben.“

Er bekennt sich zum Leitbild der „Europäischen Stadt“, das zum Glück in Frankfurt „langsam und weitgehend mehrheitsfähig“ geworden sei. Dazu zählten die Entwicklung des Stadtraums Main, „die Hochhäuser als Stadtkrone“, neue Wohngebiete am Grüngürtel und die Rückgewinnung der öffentlichen Räume. Derzeit, kritisiert Kummer, verbreite sich „eine etwas zappelige, aufgeregte Art einer Neo-Moderne, ohne deren Missgriffe in der Vergangenheit zu reflektieren“.

Simone Zapke stellt sich in die Tradition von Kummer – und setzt sich zugleich von ihm ab. Die Nachfrage an Wohnraum werde der Kommune erhalten bleiben: „Zu sehr entspricht die Stadt den Bedürfnissen der heutigen Gesellschaft.“ Jetzt gehe es auch darum, „den zunehmenden Bedarf an Flüchtlingsunterkünften sozialverträglich zu gestalten“. Es sei eine „Herkulesaufgabe“ des Planungsdezernates, „die Ansprüche auszubalancieren“.

Zapke hebt die „fachübergreifende Arbeitsgruppe“ hervor, die zwischen Planungsamt und Bauaufsicht eingerichtet worden ist. Man könne, sagt die Fachfrau, die bisher bei der Stadt Hanau gearbeitet hat, die neuerlich große Betonung des Emissionsschutzrechts in der Bauordnung „mit guten Gründen kritisieren“. Mit dieser Verschiebung des Schwergewichts müsse man sich künftig auseinandersetzen. Als wichtige künftige Aufgabe für die Bauaufsicht nennt Zapke die „Eindämmung von Verdrängungstendenzen“. Die sieben brandneuen Milieuschutzsatzungen entfalteten nur dann Wirkung, wenn sie auch durchgesetzt würden. Das hätte Kummer so nicht gesagt.

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