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Millionen-Poker um die Breite Gasse

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Von: Claus-Jürgen Göpfert

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Blick auf die heutige Bebauung zwischen Breite Gasse (vorne) und Allerheiligenstraße.
Blick auf die heutige Bebauung zwischen Breite Gasse (vorne) und Allerheiligenstraße. © Christoph Boeckheler

Das Quartier ist noch immer von der Bordellszene geprägt. Nun soll das Viertel aufgewertet werden - Wohnhäuser und ein Hotel sind geplant.

Es wirkt wie aus der Zeit gefallen, das Quartier rund um Breite Gasse und Allerheiligenstraße. Es ist hier am östlichen Rand der Innenstadt noch immer von der Bordellszene geprägt, von Etablissements wie dem „Erotik Shop“ oder einem „Love Center“. In direkter Nachbarschaft des städtischen Gesundheitsamtes gibt es untergenutzte, mit Schuppen bestandene Flächen. Eine Inschrift verweist noch darauf, dass hier mal das Kulturzentrum „Familie Montez“ untergebracht war, das dann ins Ostend umzog.

Dem Immobilienkaufmann und früheren Frankfurter „Bordell-König“ Hersh Beker gehören hier viele Grundstücke. Über etliche Jahre hat die Stadt mit ihm über eine Aufwertung des Viertels verhandelt, jetzt soll sie endlich in Gang kommen.

Die Magistratsvorlage, die am Dienstag in der Koalitionsrunde von CDU, SPD und Grünen im Römer beraten wurde, führt viele kleine Grundstücke auf, die sich zu einem Puzzle von etwa 1000 Quadratmetern zusammensetzen. Ganze zwölf Quadratmeter soll Kaufmann Beker der Stadt geben, dafür erhält er einige wichtige Flächen im Tausch. Und er soll etwa eine Million Euro als „Wertausgleich“ an die Kommune zahlen.

Rund 170 Wohnungen sind geplant

Wie Bau- und Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU) der FR sagt, verfügt Kaufmann Beker bereits über eine von der Stadt genehmigte Bauvoranfrage, das ist die Vorstufe eines Bauantrages. Es geht um ein Millionen-Projekt. Etwa 170 Wohnungen wolle er errichten, dazu ein riesiges Hotel mit 296 Zimmern. Außerdem sollen neun Läden entstehen sowie acht Gaststätten und Restaurants. Bisher sind in vier eigenständigen Gebäuden Eigentumswohnungen vorgesehen, doch das entspricht nicht der politischen Linie der Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen. „Wir wollen versuchen, in Verhandlungen mit dem Bauherren noch öffentlich geförderten Wohnungsbau zu erreichen“, sagt Schneider.

Darauf drängt Planungsdezernent Mike Josef (SPD). „Das ist unsere politische Linie“, sagt Josefs Sprecher Mark Gellert. Der Planungsdezernent versuche immer wieder in Gesprächen mit Bauherren, die Errichtung von öffentlich geförderten Wohnungen zu erreichen.

Bereist Cunitz hatte Entwicklung angestoßen

Auch soll der heutige Auto-Parkplatz Ecke Albusstraße/Breite Gasse nach dem Willen des Planungsdezernenten verschwinden. Ein grüner Quartiersplatz mit Bäumen und Bänken soll an seine Stelle treten. Dafür sehen die Baupläne die Errichtung einer riesigen Tiefgarage mit 275 Stellplätzen vor. Bereits Josefs Vorgänger Olaf Cunitz (Grüne) hatte immer wieder versucht, diese positive Entwicklung anzustoßen – das gehört zu seinen Verdiensten. In ihrer nächsten Sitzung will die Stadtregierung das mit Hersh Beker ausgehandelte Vertragsergebnis beraten, danach müssen die Stadtverordneten entscheiden.

Das Quartier war schon in den 80er Jahren im Fokus der städtischen Politik. Damals versuchte Oberbürgermeister Walter Wallmann (CDU), die Bordellszene ganz aus dem Bahnhofsviertel herauszudrängen. Stattdessen sollte ein Groß-Bordell an der Breite Gasse entstehen. Schon damals war Hersh Beker ein wichtiger Protagonist: Er sollte gemeinsam mit seinem Bruder die große Bordell-Anlage errichten. Die Bekers kauften damals fünf städtische Immobilien an der Breite Gasse. Beker spendete sogar Geld an die CDU. Doch am Ende zerschlugen sich die Pläne. Wallmann scheiterte mit seinem Vorstoß, das Bahnhofsviertel zu „säubern“. In wenigen Wochen feiert Hersh Beker seinen 74. Geburtstag. Den Titel des ehemaligen „Bordell-Königs“ hört er heute nicht mehr gerne.

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