Nordend

Mieter gegen Luxussanierung

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Der neue Eigentümer des Hauses in der Mercatorstraße 27 will Balkone und einen Außenlift anbringen. Dafür soll die Miete um fast 6 Euro pro Quadratmeter steigen. Die Mieter wehren sich.

Einen Außenaufzug, Balkone und neue Grundrisse – das möchte der Eigentümer des Hauses Mercatorstraße 27 realisieren. Folgen soll eine Mietpreiserhöhung. „Ich zahle jetzt 950 Euro, nach der Modernisierung sollen es 1650 Euro sein“, sagt Uwe Richtmann. Seit zehn Jahren wohnt er in dem Elf-Parteien-Haus mit einem Fahrradladen im Erdgeschoss.

Vor zwei Jahren stand das Haus zum Verkauf. „Wir haben als Mietergemeinschaft überlegt, es zu kaufen“, sagt Richtmann. Dann aber erhielt der Immobilieninvestor Vassilios Farmakis den Zuschlag. Er ist in mehreren Firmen Gesellschafter und Geschäftsführer, die mehrere Hundert Immobilien im Rhein-Main-Gebiet besitzen und verwalten sollen. Darunter ist die Pontarius Real Estate Management, die in der Mercatorstraße als Hausverwalter agiert und die daraus hervorgegangene und mit dem Umbauprojekt beauftragte Firma Mercatorstraße 27 GbR.

„Zwei Jahre ist nichts passiert, obwohl viele Reparaturen notwendig gewesen wären“, sagt Richtmann. Das Dach etwa sei undicht, die Fassade bröckele und in seinem Badezimmer sei die Decke seit einem halben Jahr feucht. „Reagiert hat niemand.“ Dann kam die Ankündigung der Modernisierungen.

Die neue Miete ist 5,89 Euro pro Quadratmeter höher

Vor wenigen Wochen ging ein Schreiben an alle Mietparteien, das der FR vorliegt. Demnach soll die neue Miete 5,89 Euro pro Quadratmeter höher liegen als derzeit – dafür dürften die Mieter außerordentlich zu Ende August kündigen. Am 4. September soll der Umbau losgehen, bis Ende Mai 2018 werde gebaut. Bis Ende des Monats können die Mieter Einspruch einlegen – was sie auch tun.

Gegenüber der FR wollte sich keine der beteiligten Firmen zur Kritik äußern. „Wir haben gehört, dass es Bedenken gibt und wollen diese bei einem Gespräch mit den Mietern ausräumen“, sagt Sascha Gohr, der für beide Firmen das Projekt betreut, „wir wollen das mit den Mietern und nicht über die Presse klären.“

Die Mieter lassen sich juristisch und von Mietervereinigungen beraten und haben auch im Bauausschuss vorgesprochen. „Wir haben eine 90-jährige Frau im Haus, die seit vielen Jahrzehnten hier wohnt. Und Familien mit Kindern, die weinen, weil sie bei einem Umzug die Schule wechseln müssen“, so Richtmann. Im Haus könne sich kaum jemand die Mietsteigerung leisten, schreiben die Mieter an den Ortsbeirat 3.

Das Stadtteilgremium hat das Thema bei der nächsten Sitzung auf der Agenda. Die Grünen fordern den Magistrat auf, die Mieter mit „allen rechtlichen und politischen Möglichkeiten zu unterstützen und vor Schikane und Vertreibung zu schützen.“ Die Linken wollen wissen, wie der Bauantrag mit derartigen Maßnahmen genehmigt werden konnte. Zu prüfen sei, ob die Modernisierung mit der Milieuschutzsatzung in Einklang stehe und ob etwa Balkone und Aufzug nicht im Widerspruch zu dem im Gründerzeitbaustil erbauten Gebäude stünden.

Für die Mieter stellt sich die Frage, ob die ausgebliebene Instandhaltung, die der Eigentümer tragen müsse, durch Modernisierungsarbeiten, die auf die Miete umgeschlagen werden, finanziert werden sollen. Sie wünschen sich, dass der Umbau nicht in dem geplanten Umfang stattfinden darf. Einmal pro Woche treffen sich die elf Mietparteien, um zu besprechen, wie sie weitermachen wollen. „Wir überlegen, ob wir etwa ein Straßenfest gegen Mietervertreibung initiieren“, sagt Richtmann.

Der Ortsbeirat 3 tagt am Donnerstag, 22. Juni, um 19.30 Uhr im Haus der Volksarbeit, Eschenheimer Anlage 21.

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