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Entstehen hier bald Luxuswohnungen? Das alte Frankfurter Polizeipräsidium an der Friedrich-Ebert-Anlage.

Immobilien in Frankfurt

Luxuswohnen am Alten Polizeipräsidium

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Die Stadt kann nicht verhindern, dass dort sehr teure Eigentumswohnungen entstehen werden. Die Linke nennt die Entwicklung "pervers".

Die Stadtregierung kann nicht verhindern, dass auf dem Gelände des Alten Polizeipräsidiums künftig sehr teure Eigentumswohnungen entstehen werden. Das hat Planungsdezernent Mike Josef (SPD) am Montagabend im Römer-Planungsausschuss erklärt. Konkurrierende Immobilienunternehmen haben den Kaufpreis für das riesige Grundstück an der Friedrich-Ebert-Anlage mittlerweile auf 200 Millionen Euro hochgetrieben. Das Land Hessen will in Kürze einem Konzern den Zuschlag geben.

„Bei solchen Preisen ist eine sinnvolle städtebauliche Ordnung nicht mehr machbar“, sagte der Planungsdezernent. Das heißt: Er rechnet mit Eigentumswohnungen mit Preisen „nicht unter 10.000 Euro pro Quadratmeter“, damit die Investoren den hohen Kaufpreis wieder erwirtschaften und dazu noch verdienen können.

Planungsdezernent Josef beklagt Spekulation

Die Stadt besitze kaum Möglichkeiten der Steuerung, so Josef, Sie könne 30 Prozent öffentlich geförderten Wohnraum durchsetzen, mehr nicht. „Da sind wir raus aus dem Spiel!“, beteuerte Josef. Das bezweifelten die Linken ganz massiv. „Wieso nutzen Sie nicht Ihre Macht und setzen sozialen Wohnungsbau durch?“, frage der Linken-Stadtverordnete Eyup Yilmaz. Die Stadt und das Land gingen mit den öffentlichen Grundstücken des Alten Polizeipräsidiums „pervers“ um, kritisierte der Linke. „Es entsteht Luxus-Wohnen.“ Und das, obwohl es sich um Flächen in öffentlicher Hand handele.

Planungsdezernent Josef beklagte die Spekulation ebenfalls. „Die Grundstückskosten in Frankfurt nehmen ein Ausmaß an, das nicht mehr gesund ist.“ Im Rahmen der Möglichkeiten der Kommunalpolitik versucht die Stadtregierung dennoch, der Spekulation zu begegnen. Die Stadt hat einen internationalen Architekturpreis für bezahlbares und gutes Wohnen unter dem Motto „Wohnen für alle“ ausgelobt. Nicht weniger als 133 Projekte von 108 Büros wurden eingereicht.

„Wir wollen zeigen, dass bezahlbarer Wohnraum und gute Architektur kein Widerspruch sind“, so Josef. Neben Büros aus Deutschland beteiligten sich Büros aus den Niederlanden, Polen, der Schweiz, Österreich, der Türkei und Großbritannien.

Ende April wird die Jury zehn Entwürfe in die engere Wahl nehmen, im Herbst sollen dann drei Siegerentwürfe gekürt werden. Diese drei Entwürfe will die Stadt in einem kleinen Quartier mit 120 frei finanzierten Wohnungen auf dem Hilgenfeld im Norden der Stadt auch verwirklichen. Als Bauherr ist die städtische ABG Holding auserkoren.

Josef zeigte sich zufrieden darüber, dass in der Jury neben dem Deutschen Architekturmuseum auch die Bundesstiftung Baukultur, der Deutsche Städtetag sowie die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen vertreten sind, dazu natürlich die Stadt Frankfurt. Außerdem gehörten dem Entscheidergremium international renommierte Architekten an. So entstünden „gute, beispielhafte Projekte“ mit Vorbildcharakter für ganz Deutschland.

Man werde dabei auch „innovative Wohnformen“ erproben und für eine soziale „Durchmischung“ sorgen, sagte der Stadtrat. Dieser Preis könne in Zukunft immer wieder vergeben werden.

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