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Das alte Diakonissen-Krankenhaus im Nordend heute. Bald entstehen hier Eigentumswohnungen.

Frankfurt-Nordend

Luxus-Wohnungen auf Klinik-Areal

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Auf dem Gelände des heutigen Diakonissen-Krankenhauses im Frankfurter Nordend soll teures Wohneigentum entstehen. Das Heikle an der Entscheidung: Für das alte Gebäude gilt zwar kein Denkmalschutz, wohl aber eine Erhaltungssatzung, die bestehende Bauten schützt.

Für Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) ist es eine politisch heikle Entscheidung. Ein privates Immobilienunternehmen, das auf die Errichtung von Luxuswohnungen spezialisiert ist, möchte auf dem Areal des Diakonissen-Krankenhauses im Nordend bauen. Entstehen soll in Zusammenarbeit mit der Diakonie eine große Anlage mit insgesamt 70 Wohnungen.

Das Problem: Für das betagte Gebäude des Krankenhauses, Holzhausenstraße 72-92, gilt die städtische Erhaltungssatzung Nordend I. Wie der Name schon sagt, soll sie eigentlich bestehende bauliche Strukturen schützen.

Mark Gellert, der Sprecher des Bürgermeisters, bestätigt, dass die städtischen Planer mit einem privaten Investor in einer „Bauberatung“ stehen. Es gebe „verschiedene Prüfvorgänge“. Wenn neues Planungsrecht entstehe, so Gellert, werde die Stadt darauf bestehen, dass 30 Prozent der Wohnungen als öffentlich geförderte Einheiten errichtet werden. Noch aber gebe es keinen formalen Bauantrag, sondern es würden lediglich vertrauliche Vorgespräche geführt.

Entscheidend dürfte sein, wie Bürgermeister Cunitz und seine Fachleute die Erhaltungssatzung und ihr politisches Gewicht einschätzen. „Eine Erhaltungssatzung gewährt keinen so starken Schutz wie der Denkmalschutz“, urteilt Gellert. Zwar werde das Gebäude des Krankenhauses aus den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts von der Kommune grundsätzlich „als erhaltenswert eingeschätzt“.

Andererseits habe die schwarz-grüne Stadtregierung angesichts des Wohnungsmangels in Frankfurt aber „das Bestreben, Wohnungsbau zu ermöglichen“. Nach derzeitigem Stand der Verhandlungen soll die alte Diakonissenkirche auf dem Grundstück in jedem Fall erhalten bleiben.

Freilich entstünde auf dem Grundstück in bester, begehrter Nordend-Lage zu 70 Prozent sehr teures und für die Investoren lukratives Wohneigentum. Nach FR-Informationen hatte es deshalb in den zurückliegenden Monaten ein heftiges Gerangel von verschiedenen privaten Immobilien-Investoren im Rhein-Main-Gebiet um das Areal des Krankenhauses gegeben.

Auch der städtische Wohnungs-Konzern ABG Holding hatte bei dem Poker mitgeboten. Er konnte allerdings bei den zuletzt gebotenen Millionensummen schlicht nicht mithalten und schied aus.

Nach Informationen der FR erhielt am Ende eine Frankfurter Immobiliengruppe für eine zweistellige Millionensumme den Zuschlag zur Zusammenarbeit mit der Diakonie.

Das Büro des Bürgermeisters und Planungsdezernenten wollte den Namen des interessierten Investors nicht nennen. Gellert berief sich gegenüber der Frankfurter Rundschau auf den Datenschutz.

Auch Harald Peuser, der kaufmännische Direktor des Frankfurter Diakonissenhauses, wollte sich gegenüber der FR nicht äußern.

Auf dem Gelände Holzhausenstraße 72 bis 92 ist heute noch die Geriatrische Klinik der Diakonissen untergebracht. Sie umfasst derzeit 100 Betten auf zwei Stationen und 20 Tagesplätze für akute Fälle.

Die Geriatrische Klinik soll aber so bald wie möglich auf das Gelände des Markus-Krankenhauses, Wilhelm-Epstein-Straße 4, umziehen. Das Ganze ist Teil eines von langer Hand geplanten wirtschaftlichen Konzentrationsprozesses der Diakonie-Kliniken in Frankfurt.

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