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Leiter des Rind’schen Bürgerstifts geht

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Von: Miriam Keilbach

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Michael Blank gibt im April den Stift in neue Hände.
Michael Blank gibt im April den Stift in neue Hände. © Michael Schick

Nach 18 Jahren geht Michael Blank, Direktor des Rind’schen Bürgerstifts in Bad Homburg. Der 59-Jährige will noch einmal Neues wagen und in Forschung und Lehre einsteigen.

Das Haus ist seine Berufung. Nie habe er gefragt, ob er dafür zehn, zwölf oder 14 Stunden brauche. Oder das Wochenende. Privatleben? Das Heim war auch sein Hobby, antwortet er. Leidenschaft. „Sobald man diesen Schlüssel in der Hand hält, hat man Verantwortung. Immer. Da muss man da sein, wenn die Leute reden wollen.“ Nun ist es Zeit, Abschied zu nehmen.

Michael Blank räumt sein Büro im Rind’schen Bürgerstift. 18 Jahre Arbeit müssen sortiert werden. Das Büro ist der erste Schritt, bald muss er sich von den 187 Heimbewohnern verabschieden, von den 30, die im Betreuten Wohnen untergebracht sind, von seinen Mitarbeitern, vom Ambulanten Dienst, von den Ehrenamtlichen.

Traurigkeit statt Euphorie

Wo sonst Euphorie in Blanks Worten lag, liegt jetzt Traurigkeit. Und ein wenig Unwissenheit. Was kommt nach 18 Jahren an der Spitze des Stifts? In die Forschung und Lehre will er einsteigen. Wo genau, ist noch offen. Volle Konzentration auf das Stift, bis zum letzten Tag, bis er am 2. April die Schlüssel an die Gemeinschaft Deutsche Altenhilfe (GDA), den neuen Träger, übergibt.

Blank fing in der Pflege an, als junger Kerl. Seine Prägung, wie er sagt. Es sei kein Helfer-Syndrom und Burn-out-gefährdet sei er auch nicht, er wolle einfach helfen. „Ich habe da aus meiner Zeit in der Pflege einen anderen Blickwinkel.“ Schon im Studium interessierte er sich für die Pflege im Alter. Er will Menschen im letzten Lebensabschnitt etwas Gutes tun. „Wer Alter auf eine Zahl definiert, schafft Grenzen im Kopf“, sagt er. „Wer im Kopf jung bleibt, ist fitter und hat mehr Lebensfreude.“

Früher betreute er die Zeitzeugen der Weltkriege. Eine Generation, vom Krieg gezeichnet. Harte Schicksale, die gezehrt hatten. Sie waren sechs, sieben Jahre im Heim und starben. Heute werden die Menschen 100 – die älteste Bewohnerin im Stift ist 106. „Heute können sie noch 20 gute Jahre haben, wenn sie in Rente gehen. Sie müssen die Ressourcen sehen.“ Blank machte mit, als Heime damals andere Bedeutungen bekamen. Bis zu den 90er Jahren waren es klassische Altersheime, mit der Pflegeversicherung 1995 entwickelten sie sich zu Pflegeheimen. Mit dem Aufbau des Ambulanten Dienstes um die Jahrtausendwende wurden sie zu Schwerstpflegeheimen.

Zehn Jahre voraus habe er denken müssen, sagt Blank. Er hat die Beratung, das Betreute Wohnen, den Ambulanten Dienst und das Heim vernetzt. Heute hält er eine Broschüre in der Hand: 18 Jahre Blank, 18 Jahre Rind’sches Bürgerstift. Das letzte große Projekt: Die Demenzstation 2012.

1995 fing er im Bürgerstift an. Er plante den Neubau an der Gymnasiumstraße und führte dort 1996 das Bürgerstift mit dem Altenheim Don Sarto und dem Kreisaltenheim zusammen. 2005 gewann er mit einem Getränkekonzept den Innovationspreis. Er ließ süße, farbige Getränke an einer Theke aufstellen, die Senioren tranken mehr. Seit sechs Jahren wird das Stift jährlich als einer der besten Arbeitgeber in Deutschland ausgezeichnet. Die Liste weiterer Auszeichnungen ist lang.

Die Entscheidung, sagt er, sei richtig. Das Stift geht mit seinem Namen an die GDA, die Stiftung dahinter wird künftig Senioren finanziell helfen. „Ein Geschäftsführer muss verantwortlich handeln“, sagt er. Das heißt auch Loslassen. „Die Mitarbeiter, die haben das Erbe im Kopf, die tragen die Gedanken vom Miteinander und dem Respekt weiter.“

Die Vertrautheit, die Nähe, werde ihm fehlen. Er gibt sein Lebenswerk in neue Hände. Ein Teil seines Konzepts: Heime werden künftig nur mit großen Trägern funktionieren, glaubt Blank. Er will sich dem Nachwuchs widmen. Er will junge Leute für den Beruf interessieren. „Ich kann den Leuten sagen, dass die Theorie auch in der Praxis funktioniert“, sagt er mit leuchtenden Augen.

59 ist er jetzt. Ins Betreute Wohnen im Stift würde er sofort einziehen. Aber er hat noch einiges vor. Getreu seinem Motto: „Es gibt immer etwas zu tun, wichtig ist es, auf dem Weg zu sein.“

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