Auflagen

Leerstand in Frankfurt durch überforderte Eigentümer

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Auch in Frankfurt sind die Gründe für leerstehende Wohnungen zahlreich. Bisweilen sind die Eigentümer schlicht überfordert.

Das Haus in der Dreikönigstraße 30 hatte schon den Großeltern gehört. Im Erdgeschoss befand sich viele Jahre lang die beliebte Musikkneipe „Balaleika“. Dann zog die „Balaleika“ ein paar Straßen weiter, und das Haus stand leer. An diesem Zustand hat sich seit gut 15 Jahren nichts geändert. Der Eigentümer, der namentlich nicht genannt werden will, gibt gegenüber der FR „Probleme mit dem Denkmalamt“ für den langen Leerstand an. Er habe in früheren Jahren, noch zu D-Mark-Zeiten, umgerechnet rund 120 000 Euro in das Haus reingesteckt. Dann habe er wieder andere Auflagen bekommen. Zum Wohnen sei das Haus in bester Wohnlage wegen des Schnitts ohnehin kaum geeignet, sagt der Noch-Eigentümer, der jetzt auch keine Lust mehr hat, aus seinem Erbe noch irgendetwas zu machen. „Das Haus ist schon so gut wie verkauft“, sagt er. Was danach damit passieren soll, wisse er nicht.

Ärger mit dem Denkmalschutz ist einer der Gründe für den Leerstand von Altbauten. Mark Gellert, Sprecher des Planungsamtes, zu dem auch der Denkmalschutz gehört, geht aber nicht von einer Fallzahl aus, die „nennenswert“ sei. „Aus unserer Erfahrung ist das oft ein vorgeschobener Grund“, sagt Gellert. Fehlendes Geld für einen notwendigen Umbau oder eine Sanierung sind aber schon triftige Gründe. Manchmal ist der Eigentümer auch schlicht überfordert, ein geerbtes Mehrfamilienhaus für den Wohnungsmarkt herzurichten. Mieterschützer Sieghard Pawlik erinnert sich an einen Fall in Sindlingen, wo ein Wohnhaus lange leer stand. Als er den Eigentümer ansprach, räumte dieser ein, im Keller stehe Wasser. „Ich habe ihm zum Kauf einer Pumpe geraten, die sich schon nach kurzer Zeit durch die Miete amortisiert“, erzählt Pawlik. In diesem konkreten Fall konnte der Leerstand auf dem Weg tatsächlich behoben werden.

Auch zerstrittene Erbengemeinschaften können einen jahrelangen Stillstand verursachen. Oft wird ein Objekt auch gekauft, ohne dass der Eigentümer sich darüber im Klaren ist, was er damit machen will. In der Fischerfeldstraße 5 steht seit zehn Jahren ein Mehrfamilienhaus leer. Das Haus gehört der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist. „Ursprünglich hatten wir es für die medizinische Verwaltung gekauft“, sagt eine Unternehmenssprecherin auf FR-Anfrage. Doch dann habe sich herausgestellt, dass das Haus für diese Zwecke gänzlich ungeeignet ist. „Der bauliche Zustand war nicht für die Nutzung geeignet“, sagt die Sprecherin. Mittlerweile sei das Haus an die Wohnungsbaugesellschaft ABG in Erbpacht abgetreten worden. Geplant sei eine neue Bebauung mit Wohnungen und Praxen.  

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