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Augenscheinlich sind Wohnungen in diesem Mehrfamilienhaus im Dichterviertel Frankfurts unbewohnt.

Wohnungskrise

Das Leben in Frankfurt wird immer teurer

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Die FR beantwortet Fragen zur Wohnungskrise, ihren Gründen und zu Lösungsversuchen.

Wie ist die Situation für Mieter in Frankfurt?
Sie wird immer schwieriger. Die durchschnittliche Nettokaltmiete liegt laut Mietspiegel inzwischen bei 9,36 Euro pro Quadratmeter. Besonders in früheren Arbeitervierteln sind die Mieten deutlich gestiegen, haben Bewohner Angst, verdrängt zu werden. Noch schlechter haben es Menschen, die eine neue Wohnung suchen.

Wieso?
In Frankfurt fehlen um die 40 000 Wohnungen. Die Zahl der Einwohner ist auf mehr als 750 000 gestiegen. Die Fluktuation aber ist besonders in den zentraleren Stadtteilen sehr gering. Wer eine halbwegs bezahlbare Wohnung hat, zieht nicht aus. Was angeboten wird, ist so teuer wie nie. Laut Maklerhaus JLL werden im Mittelwert inzwischen 14,90 Euro pro Quadratmeter verlangt. Nur München ist noch teurer.

Wird zu wenig gebaut?
Darüber kann man streiten. 4722 neue Wohnungen sind 2017 auf den Markt gekommen, so viele wie seit 40 Jahren nicht. Auch die Zahl der Baugenehmigungen ist auf Rekordwert. Was gebaut wird, ist allerdings größtenteils sehr teuer. Investoren errichten lieber Wohntürme, deren Wohnungen sie im Schnitt teils schon für 10.000 Euro pro Quadratmeter verkaufen können, oder zu hohen Preisen vermietbare möblierte Apartments als günstige Wohnungen.

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Kann man die Investoren nicht zwingen, auch günstig zu bauen?
Die Stadt versucht das. In neuen Gebieten müssen jeweils zu 30 Prozent geförderte Wohnungen entstehen, je zur Hälfte Sozialwohnungen und Wohnungen des zweiten Förderwegs für 8,50 bis 10,50 Euro pro Quadratmeter. Ihre eigene Wohnungsgesellschaft ABG lässt die Stadt zu mindestens 40 Prozent gefördert bauen.

Hat das Erfolg?
Bisher nur sehr bedingt. Die Regelung hat einige Ausnahmen, gilt etwa nicht, wo Gebäude umgewandelt werden oder es schon Baurecht gibt. Dass im vergangenen Jahr 312 neue Sozialwohnungen auf den Weg gebracht wurden, gilt dem Planungsdezernat schon als Erfolg. Die Initiative „Mietentscheid“ fordert mehr. Sie will in einem Bürgerentscheid erreichen, dass die ABG nur noch gefördert baut. Ob der zulässig ist, wird gerade geprüft.

Was tut die Stadt noch, um die Situation zu entspannen?
Sie setzt auf noch mehr Wohnungsbau, große neue Baugebiete. Milieuschutzsatzungen sollen im Kampf gegen Luxussanierungen und Verdrängung helfen. Die gelten allerdings nur für relativ kleine Gebiete der Stadt. Weiterhin wandeln Eigentümer in großem Stil Miet- in Eigentumswohnungen um. Die Stadt fordert das Land auf, das versagen zu dürfen.

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