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Manchmal ist es der Feldhamster, der dem Bauen im Wege steht.

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Langer Weg zum Wohnen

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Der Konflikt zwischen Ökologie und der sozialen Aufgabe, den Wohnungsmangel zu beheben, wird zum bestimmenden Widerspruch. Der Kommentar.

Das Avaya-Gelände im Gallus ist nur ein Beispiel für die unendlichen Mühen, die es kostet, den Wohnungsbau in Frankfurt voranzutreiben. Es bedurfte der Vermittlung des Planungsdezernats, um bei dem Industrieareal die beiden streitenden Parteien an den Verhandlungstisch zu bringen. Dass jetzt nach sechs Jahren der Blockade 1200 Wohnungen in Angriff genommen werden können, ist ein Erfolg auch für Planungsdezernent Mike Josef (SPD).

Insgesamt fällt die Zwischenbilanz doch recht ernüchternd aus. Von den 6000 Wohnungen für bis zu 15.000 Menschen, die Josefs Vorgänger Olaf Cunitz (Grüne) im Jahre 2013 auf den Weg gebracht hatte, sind sechs Jahre später nur 175 Wohneinheiten verwirklicht.

Das hat auch mit den vielen Hindernissen zu tun, auf die der Wohnungsbau trifft. Etliche Menschen wenden sich mittlerweile grundsätzlich gegen eine weitere Versiegelung von Grün- und Freiflächen – das zeigt der immer noch anhaltende Widerstand etwa gegen die geplanten „Günthersburghöfe“ östlich der Friedberger Landstraße.

Es gibt andere ökologische Einschränkungen. Ein Beispiel ist das geplante Baugebiet Sindlingen-Nord, in dem geschützte Feldhamster leben. Sie müssten umgesiedelt werden, wollte man die Fläche tatsächlich noch bebauen.

So wird der Konflikt zwischen Ökologie auf der einen Seite und der sozialen Aufgabe, den Wohnungsmangel zu beheben, auf der anderen zum bestimmenden Widerspruch. Die Stadt muss in jedem einzelnen Fall die unterschiedlichen Interessen und Ziele sorgfältig gegeneinander abwägen. Das aber nimmt Zeit in Anspruch.

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