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Hier, zwischen Steinbach und Frankfurt, könnte der neue Stadtteil von Frankfurt entstehen.

Wohnen in Frankfurt

Langer Weg zum neuen Stadtteil im Norden Frankfurts

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Die Planungen für einen neuen Stadtteil an der A5 gewinnen an Fahrt. Noch aber sind riesige Probleme zu lösen.

Noch laufen auf den Äckern im Nordwesten Frankfurts an der A5, die einmal mit 8500 bis 12 000 Wohnungen bebaut werden könnten, umfangreiche Untersuchungen. Gutachter beschäftigen sich unter anderem mit Landschafts- und Artenschutz, Klimafragen und der Entwässerung. Weitere Untersuchungen zu Straßen und Schienen, deren Lärm und Dreck, den Stromleitungen, die durch das 550 Hektar große Areal führen und zur Frage, welche Versorgungsleitungen verlegt werden müssen, sollen laut Planungsdezernat folgen.

Klären muss die Stadt auch, wie hoch die Bereitschaft der Eigentümer ist, ihre Flächen entwickeln zu lassen. Obwohl sich die städtische Wohnungsgesellschaft ABG im Herbst große Flächen gesichert hat, die Stadt nun direkt oder mittelbar über etwa die Hälfte des Areals verfügt, gibt es dort laut Planungsdezernat noch immer mehrere Hundert Eigentümer. Gut ein Jahr dürften all diese Prüfungen nach Einschätzung des Dezernats noch dauern.

Doch parallel beginnt nun auch die Auseinandersetzung mit der möglichen Gestaltung des großen neuen Stadtteils, der zwischen den Frankfurter Stadtteilen Praunheim, Niederursel, der Nordweststadt und dem Riedberg sowie den Städten Steinbach und Oberursel (beide Hochtaunuskreis) Platz finden soll. 30 bis 40 Planungsbüros sollen sich nach Vorstellungen des Dezernats an einem großen städtebaulichen Ideenwettwerb beteiligen, der nun losgehen soll. Ein paar Büros, die besondere Erfahrung mit der Entwicklung solcher Projekte haben, will es direkt auffordern, Vorschläge zu unterbreiten. Andere können sich bewerben.

Noch im ersten Quartal soll zudem das „Consilium Neuer Stadtteil Frankfurt Nord-West“, ein Beratergremium, die Arbeit aufnehmen. Diesem werden, falls das Stadtparlament den Plänen zustimmt, Fachleute für Stadt- und Raumplanung, Verkehrs- und Landschaftfragen, die Steuerung von Großprojekten und für Beteiligungsprozesse angehören. Die acht Mitglieder des Consiliums bestimmt Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Die angefragten Experten haben bereits zugesagt. 

Stadt erhofft sich „konstruktive Vorschläge“

Die Stadt erhofft sich „konstruktive Vorschläge“ für die Entwicklung des Stadtquartiers. Diese sollen nach jeder Sitzung in einer Runde erörtert werden, der außer Mitgliedern des Planungsausschusses und der von den Plänen besonders betroffenen Ortsbeiräte 7 und 8 ausdrücklich auch Vertreter der angrenzenden Städte angehören werden, in denen die Frankfurter Pläne auf viel Kritik stoßen. So sollen, wie der Magistrat schreibt, „Austausch und Information der Nachbarkommunen auf gleichwertiger Ebene sichergestellt werden“. Geplant ist zudem eine jährliche Informationsveranstaltung in diesen Kommunen.

Lösungen sucht die Stadt nicht zuletzt für den Umgang mit der Autobahn 5, die das Gebiet durchschneidet. Wegen der großen trennenden Wirkung hat sich etwa der frühere Fraktionschef der Grünen, Manuel Stock, für den Bau zweier Stadtteile ausgesprochen – einer östlich und einer westlich der Autobahn.

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Lesen Sie dazu auch unser Interview: Angst vor der Hochspannung - stoppen Stromleitungen den Wohnungsbau an der A5?

Noch in diesem Jahr will die Stadt zudem die für die Entwicklung der Flächen nötige Änderung des Regionalplans beantragen. Einfach wird das nicht. denn ändern kann diesen nur die Regionalversammlung. Und dort führt die mit der SPD koalierende CDU-Fraktion ausgerechnet Jürgen Banzer an. Der Vorsitzende der CDU im Hochtaunus ist einer der größten Kritiker des Vorhabens. Der Vorschlag von Regionalverbandsdirektor Thomas Horn, den Frankfurter Zoo in das Areal zu verlegen, gilt dagegen als kein Hindernis für die Pläne. Dieser fand schließlich kaum Unterstützung.

Verhandeln muss die Stadt auch mit dem Land und dem Regierungspräsidium. In diesen Gesprächen gilt es unter anderem zu klären, ob und wie das Gebiet trotz der relativ restriktiven Regelungen im Landesentwicklungsplan zum Abstand zu Höchstspannungsleitungen bebaut werden kann.

Indes ebbt der Widerstand in Oberursel und Steinbach gegen den neuen Stadtteil nicht ab. Erst jüngst haben um die 16 000 Menschen eine Online-Petition der Initiative „Heimatboden“ unter dem Motto „Feld statt Beton“ unterzeichnet. Besonders kritisch sieht man im Vordertaunus eine Bebauung des Gebiets westlich der Autobahn. Landwirte fürchten um ihre Flächen, andere warnen vor dem Bau einer „Trabantenstadt“. Auch in Frankfurt ist das Vorhaben aber selbst unter Vertretern der Koalitionsfraktionen durchaus umstritten. Gegen die Stimmen der SPD forderte der Ortsbeirat 8 etwa jüngst die Stadt auf, mit dem Ideenwettbewerb abzuwarten, bis die Ergebnisse der Untersuchungen vorliegen.

Die sozialpolitische Offensive Frankfurt dagegen, ein Netzwerk aus Wohlfahrtsverbänden, Gewerkschaften, Kirchen, Wissenschaft und Jugendring, äußerte kürzlich ausdrücklich ihre Unterstützung für den neuen Stadtteil im Nordwesten. Schon jetzt seien die steigenden Mieten für viele Bürger ein existenzielles Problem. In dem Neubaugebiet aber könnten 5000 geförderte Wohnungen entstehen, hieß es.

Die Pläne für den neuen Frankfurter Stadttei im Überblick

Einen großen Stadtteil mit Wohnungen für bis zu 25 000 Menschen will die Frankfurter Koalition von CDU, SPD und Grünen auf einem 550 Hektar großen Areal zwischen den nordwestlichen Frankfurter Stadtteilen sowie den Vordertaunuskommunen Oberursel, Steinbach und Eschborn errichten.

Das Frankfurter Stadtparlament hat bereits Ende 2017 mit großer Mehrheit vorbereitende Untersuchungen für eine städtebauliche Entwicklung auf den Weg gebracht.

Planerisch gelten große Teile des Geländes bisher als Vorranggebiet für die Landwirtschaft, als regionaler Grünzug und als Vorbehaltsgebiet für besondere Klimafunktionen.

Durch das Areal führen nicht nur die Autobahn A5, die achtspurig ausgebaut werden soll, sondern auch Hochspannungsleitungen. twe/cm

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