Kommentar

Langer Atem

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Leider hat der Koalition die politische Kraft gefehlt, den Individualverkehr auf der Berliner Straße und am nördlichen Mainufer zurückzudrängen. Ein Kommentar.

Stadtplanung braucht, nicht nur in Frankfurt, einen langen Atem. Wer städtebauliche Veränderungen zum Positiven durchsetzen will, muss Hartnäckigkeit und Geduld mitbringen. Und er benötigt starke Bündnispartner aus der Wirtschaft und der Politik. Denn sehr zäh sind oft auch die Widerstandskräfte, die sich einer städtebaulichen Entwicklung entgegenstellen – in der Hoffnung auf Spekulationsgewinne und andere wirtschaftliche Vorteile.

Dem früheren Planungsdezernenten Martin Wentz (SPD) und seinem Team sind zwischen 1989 und 2000 immerhin elf Jahre an Wirkungsmöglichkeit geblieben. In dieser Zeit konnten, auch gegen mächtige Widerstände, viele positive Entwicklungen auf den Weg gebracht werden. Die Öffnung der innerstädtischen Mainufer, das Wohnen am Strom, aber auch eine geordnete Hochhaus-Planung anstelle von spekulativem Wildwuchs. Das wird bleiben.

Bürgerbeteiligung ist zentrales Versprechen

Man muss abwarten, wie viel Wirkungszeit dem Planungsdezernenten Olaf Cunitz (Grüne) vergönnt sein wird. Er ist vor drei Jahren mit viel Elan gestartet und er hat einiges erreicht.

Am stärksten ins Gewicht fallen die fünfzehn neuen Wohngebiete, die der Bürgermeister auf den Weg bringen konnte. Im Laufe dieses schwierigen Prozesses hat er gelernt, auf die protestierenden Bürger vor Ort zuzugehen. Bürgerbeteiligung ist ein zentrales Versprechen auch bei dem Konzept zur Entwicklung der Frankfurter Innenstadt, das Schwarz-Grün jetzt auf den Weg bringt. Cunitz und die Koalition werden daran gemessen werden, wie sehr es eingelöst wird.

Das Konzept umfasst viele gute Ansätze: die bauliche Fassung der Konstablerwache, die Stärkung des Wohnens und der östlichen Zeil, die Neuordnung des Quartiers an der Staufenmauer. Leider hat der schwarz-grünen Koalition die politische Kraft gefehlt, den Individualverkehr auf der zentralen Innenstadtachse Berliner Straße und am nördlichen Mainufer tatsächlich zurückzudrängen. Da waren sie wieder, die mächtigen politischen und wirtschaftlichen Gegenkräfte - in diesem Fall verkörpert vor allem im rechten Flügel der CDU. Am Ende hat Schwarz-Grün das Thema jetzt einfach vertagt, auf eine Zeit lange nach der Kommunalwahl 2016. Den Schaden haben die Menschen in der Stadt.

Es ist kein Trost, dass sich schon die rot-grüne Römer-Koalition Anfang der 90er Jahre vergeblich an einer Umgestaltung der Berliner Straße und des nördlichen Mainufers versucht hatte. Das Beispiel der (fast) autofreien Hauptwache immerhin zeigt: Fortschritt ist möglich. Das Innenstadtkonzept, es wird zur Durchsetzung einen langen Atem brauchen. Aber auch die Unterstützung vieler engagierter Bürgerinnen und Bürger. Die Diskussion ist jetzt eröffnet.

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