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Es staubt auf der Baustelle mit den roten Kränen.
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Es staubt auf der Baustelle mit den roten Kränen.

"Omniturm" in Frankfurt

Kein Turm für alle

  • Claus-Jürgen Göpfert
    VonClaus-Jürgen Göpfert
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Auf geschichtsträchtigem Grund baut Tishman Speyer in Frankfurt ein 183 Meter hohes Hochhaus mit Büros und Wohnungen. Viele werden sich das Leben im "Omniturm" nicht leisten können.

Rote Kräne kreisen im abendlichen Sonnenlicht über der riesigen Baugrube. Es ist ein geschichtsträchtiges Grundstück im Frankfurter Bankenviertel. Jahrzehnte hatte hier, Ecke Neue Mainzer Straße und Taunustor, das traditionsreiche Bankhaus Metzler seinen Stammsitz. Doch dann verkaufte das Kreditinstitut den Grund und Boden an ein anderes Familienunternehmen mit klangvollem Namen: Tishman Speyer, gegründet 1978 von Jerry I. Speyer, einst vor den Nazis aus Frankfurt in die USA geflohen.

Und so baut Tishman Speyer jetzt den „Omniturm“, ein 183 Meter hohes Hochhaus mit Büros und Wohnungen. Am Bauzaun locken Parolen: „Be part of the movement“ oder „We are the omnipeople“. Doch der Turm ist trotz seines einladenden Namens keineswegs für alle da: Viele werden sich das Leben hier nicht leisten können.

Rob Speyer, der Präsident des US-Konzerns, sieht seinem Vater Jerry unheimlich ähnlich. Der heute 76-jährige Milliardär hat sich den langen Flug zur Grundsteinlegung nicht mehr zugemutet. In Frankfurt hat er Geschichte geschrieben: Jerry Speyer war Mitte der 80er Jahre der erste US-Projektentwickler, der in Deutschland in großem Stil investierte. Er baute den Messeturm, Ende der 80er Jahre Europas höchstes Hochhaus.

Es folgten der Opernturm am Opernplatz und der Taunusturm am Taunustor. Wenn Ende 2019 dann der Omniturm vollendet sein wird, darf Frankfurt am Main einen neuen Superlativ für sich verbuchen: Es verfügt dann über die einzige Straßenkreuzung in Europa, bei der an jeder der vier Ecken ein Hochhaus steht.

Business-Englisch ist die Sprache dieses Abends. Doch Rob Speyer folgt der Familientradition, entscheidende Fragen nicht zu beantworten. Wie viel investiert das Unternehmen in das Projekt? „Wir kommentieren das nicht.“ Mit welchen Mieten ist für die 150 Wohnungen zu rechnen? Dito.

Lieber philosophiert der 47-Jährige über „die Magie“ des Omniturms, Wohnen und Arbeiten mit kurzen Wegen zusammenzuführen. 43 850 Quadratmeter Bruttogeschossfläche für Büros, 8175 Quadratmeter fürs Wohnen in einem „nice urban setting“. Zwei Stockwerke im Basement sollen für junge Technologie-Start-ups aus aller Welt reserviert werden.

Die Wohnungen hat der Architekt Bjarke Ingels in der Mitte des Turms mit seinen 45 Stockwerken angesiedelt, durch eine spiralförmige Achsenverschiebung aus dem Zentrum heraus entstehen große Terrassen fürs Wohnen. Selbstverständlich gehören Einzelhandel und Gastronomie im Erdgeschoss zum künftigen Angebot, ebenso wie Ladestationen für Elektroautos. „Strenge ökologische Nachhaltigkeit“ werde angestrebt. Ingels ist Gewinner des Goldenen Löwen der Biennale in Venedig 2004.

Viel politische Prominenz findet sich unter den 400 geladenen Gästen, die zur Baugrube pilgern. Etwa der hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein (CDU), oder Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD).

„We are the omnishow“, steht am Bauzaun zu lesen. Das Bankenviertel wird also weiter baulich verdichtet. Bald beginnen ganz in der Nähe, zwischen Junghofstraße und Großer Gallusstraße, die Bauarbeiten für „Four“, ein Ensemble von vier weiteren Hochhäusern. Rob Speyer freut sich über die neuen Nachbarn. Es scheint wirtschaftlich kein Halten mehr in Frankfurts Zentrum. Wer zu dieser „neuen Gemeinschaft“ (Speyer) dazugehören darf und wer nicht, ist an diesem Abend kein Thema.

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