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Es gibt aber auch noch Wohnungsangebote.
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Es gibt aber auch noch Wohnungsangebote.

Studierende in Frankfurt

"Das ist Kapitalismus"

  • VonJudith Henke
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Der Asta der Frankfurter Goethe-Universität fordert im FR-Interview mehr günstigen Wohnraum für Studierende. Er bietet auch in diesem Jahr Übernachtungsmöglichkeiten im Studierendenhaus.

Herr Fuchs, Herr Sauer, das frühere Philosophicum Bockenheim ist jetzt ein privates Wohnheim mit Mikroapartments. Hilft das den Studierenden, die gerade eine Wohnung suchen?
Felix Sauer: Wir sind damit ganz und gar nicht glücklich. Im Philosophicum hätten günstige Wohnungen für mehrere Generationen entstehen können. Stattdessen gibt es nun dort ein privates Wohnheim mit absolut unbezahlbaren Preisen.

Wer kann es sich noch leisten, hier ein Studium zu beginnen?
Valentin Fuchs: Für viele Studierende ist der durchschnittliche Frankfurter Mietpreis von 300 bis 400 Euro eine krasse Barriere. Sie können es sich nicht leisten, nach Frankfurt zu ziehen und pendeln stundenlang.
Sauer: Manche Studierende arbeiten inzwischen in zwei, drei oder sogar vier Jobs und können sich daher nicht im Studium entfalten. Auch das Bafög geht besonders in Großstädten völlig an den Bedürfnissen vorbei, das müsste viel höher sein. 70 Prozent der Studierenden schaffen die Regelstudienzeit gar nicht wegen all der Nebenjobs.

Wie ist es bei Ihnen?
Sauer: Ich bin in Offenbach aufgewachsen und wohne noch dort, weil mir die Preise in Frankfurt zu hoch sind. Aber auch in Offenbach steigt die WG-Zimmer-Miete jedes Jahr um 30 bis 40 Euro.
Fuchs: Ich habe vor Kurzem glücklicherweise eine ziemlich tolle und seltene WG im Nordend gefunden. Ist sogar billiger als die meisten geförderten Studierendenwohnheime. Aber an das Zimmer kam ich auch nur aufgrund von Kontakten.

Und was macht jemand, der neu in der Stadt ist?
Sauer: Für diejenigen, die zu Studienbeginn keine Wohnung gefunden haben, bietet der AStA Hilfe an. Wir haben vor sechs oder sieben Jahren die „Mieten? Ja wat denn?“-Wochen ins Leben gerufen. Studierende, die noch keine Wohnung gefunden haben, können in den ersten Uniwochen im Studierendenhaus auf dem Campus Bockenheim übernachten. Damals waren das so fünf bis zehn Leute, mittlerweile sind wir bei 60 bis 80 und müssen jedes Jahr neue Feldbetten dazukaufen. Die Lage verschärft sich jedes Jahr, und vor allem Leute, die sich noch kein Netzwerk in der Stadt aufgebaut haben, weil sie gerade mit dem Studium angefangen haben, sind dem grauenhaften Wohnungsmarkt vollkommen ausgeliefert. In der Verzweiflung entscheiden sich dann einige doch für ein überteuertes Mikroapartment.

Was raten Sie Erstsemestern, die nach Frankfurt ziehen?
Sauer: Wir können keine individuellen Tipps geben. Wir können nur Forderungen an die Stadt stellen oder an den sozialen Wohnungsbau. Der soziale Wohnungsbau muss drastisch erhöht werden. Es müssen mehr Studierendenwohnheime mit günstigen Mieten gebaut werden.

Warum passiert da so wenig?
Fuchs: Wir stehen in Kontakt mit dem Studentenwerk und formulieren auch gemeinsame Forderungen an die Akteure. Die Stadt nutzt ja die Möglichkeiten, die sie hat, nicht aus, um sozialen Wohnungsbau zu fördern, sondern will – das ist ihr politisches Programm –, dass gerade teure Wohnheime, teure Luxusapartments gebaut werden.

Warum wird studentisches Wohnen nicht genug gefördert?
Sauer: Das ist einfach der Kapitalismus. Wir wollen nicht nur ein bisschen mehr Sozialbau und ein paar mehr Studierendenwohnheime, sondern eine solidarische Umstrukturierung der Gesellschaft. Am besten fänden wir es, wenn Wohnen gar keine Ware wäre.

Wozu kann es führen, wenn es keine bezahlbaren Wohnungen für Studenten gibt?
Sauer: Die Leute, die keine Wohnung finden, werden irgendwann politisch aktiv werden. Es gab jetzt eine Weile keine Hausbesetzung mehr in Frankfurt, aber man muss sich nicht wundern, wenn es irgendwann wieder dazu kommt.

Interview: Judith Henke

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