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Von: Detlef Sundermann

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Das Projekt "Herbsterwachen" zum gemeinschaftlichen Wohnen im Alter in Friedrichsdorf soll noch eine Chance erhalten. Von Detlef Sundermann

Nicole Aviény redet immer noch mit voller Begeisterung über eine Idee, die mittlerweile vier Jahre alt ist. "Die Menschen haben mit Herbsterwachen die Möglichkeit, früh eine Wohnung zu beziehen, die altengerecht ist und sich in eine Gemeinschaft einzugewöhnen, in der es keine Isolation gibt", sagt sie. Dem stockenden Projekt will sie deshalb noch eine Chance geben.

Das bisherige Konzept einer Wohngemeinschaft für Senioren und Vorruheständler ist jedoch gescheitert. "Alle Interessenten haben plötzlich kalte Füße bekommen", erklärt Aviény, die bei einem privaten Altenpflegedienst in der Verwaltung beschäftigt ist, das Aus. "Die Leute wollten sich eben nicht jetzt festlegen, wo sie in zwei Jahren einziehen." Selbst die Warteliste habe sich in nichts aufgelöst. Vor allem alleinstehende Frauen über 50 und ein Ehepaar um die 80 hatten laut Initiatorin ihr Interesse bekundet.

"Herbsterwachen" steht für nachbarschaftliches Wohnen, das auf gegenseitiger Unterstützung beruht, nach dem Motto, kaufst du für mich ein, hüte ich dein Haustier im Urlaub. In der Bahnhofstraße 19 sollte hierzu ein Haus mit 15 barrierefreien Wohnungen in der Größe von 50 bis 70 Quadratmeter entstehen. Das Projekt sollte mit dem Gemeinnützigen Siedlungswerk (GSW) Frankfurt, ein Wohnungsunternehmen der Bistümer Limburg, Mainz und Fulda, verwirklicht werden. Die GSW ist bereits im Besitz des Baulandes. Die Bewohner sollten sich an der Finanzierung mit einem zinslosen Mietdarlehens beteiligen. 600 Euro pro Quadratmeter. Den finanziellen Einsatz sollten die Leute über 15 Jahre abwohnen. Nur Nebenkosten sind zu zahlen. Wer vor der Zeit auszieht, würde den Restbetrag zurückbekommen.

Das von der GSW favorisierte Finanzierungsmodell stosse auf kein breiteres Interesse, ist sich Nicole Aviéy sicher. Sie will das Projekt nun neu aufstellen. "Die Leute wollen nicht mieten, sondern kaufen, um selbstbestimmter zu wohnen", sagt sie. Billiger wird es für die Bewohner in spe jedoch nicht. Der Quadratmeterpreis wird bei knapp 2800 Euro liegen. Es müssen auch Anteile am Gemeinschaftsraum erworben werden, sagt Aviény.

"Wirtschaftlich ist der Immobilienverkauf für uns eine interessante Variante", sagt Heinrich Rose, Geschäftsführer der GSW. Das Mietmodell habe sich bei den drei bislang realisierten Objekten in Frankfurt, Kassel und Langen als erfolgreich erwiesen. Bei fünf Projekten in Planung werde ebenso verfahren. Wie in Kronberg, vor die GSW ein Haus für 18 Parteien baut. Das Eigentümerkonzept habe den Nachteil, dass die Gemeinschaft keinen Einfluss darauf habe, wer in die Wohnungen einzieht. "Das bestimmt dann vielleicht ein Makler", sagt Rose. Nicole Aviény muss für den neuen Anlauf Klientel akquirieren. "Auf mindestens 20 Prozent der Wohnungen müssen Optionen liegen", sagt Rose. Auch andere Gemeinschaften der GSW seien nicht mit vollem Haus gestartet. "Viele Leute haben keine richtige Vorstellung, deshalb bieten wir Besichtigungstermine in bestehenden Objekten an", sagt er.

Es besteht für die Mitgründer sogar die Möglichkeit, Wünsche im Bauplan einzubringen. In Wiesbaden wird es etwa einen gemeinsamen Büroraum als Homeoffice geben.

Die Initiative Herbsterwachen trifft sich am 2. September, 19 Uhr, Hardtwaldallee 2. Anmeldung unter 0 61 72 / 76 79 49.www.gsw-ffm.de

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