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Olaf Cunitz stellt die Pläne auf dem Goetheplatz vor.

Stadtentwicklung

Innenstadt-Plätze werden grün

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Seit Jahrzehnten diskutieren die Menschen in Frankfurt über die Betonwüsten, die drei zentrale Plätze in der Innenstadt darstellen. Nun soll aber Leben kommen: Es wird grün mit Beeten und Stauden.

Es ist eines dieser Themen, in das sich die Frankfurter seit Jahrzehnten mit Leidenschaft verbeißen. Die Gestaltung der drei zentralen Flächen Goethe- und Rathenauplatz sowie Roßmarkt bewegt die Menschen. Seit die Plätze nach einem Entwurf der Berliner Landschaftsarchitektin Gabriele Kiefer umgestaltet worden waren, setzte es heftige Kritik: Zu trist, zu grau, zu öd, zu leer. Jetzt hat die schwarz-grüne Stadtregierung das Steuer wieder herumgeworfen: Neues Grün hält Einzug, Beete mit Blüten und Stauden.

Für etwas mehr als 700 000 Euro werden die Flächen neu gestaltet. Auf dem Rathenauplatz entsteht ein „Stadtgarten“, wie Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) es nennt: holzgefasste Staudenbeete und mehr Sitzgelegenheiten für die Menschen. Auf dem Goetheplatz, zu Füßen des Denkmals des großen Frankfurters, geht es klassischer zu. Hier werden die Beete in Stein gefasst und der Boden wird mit einem Stabilisator so gebunden, damit es nicht mehr staubt in der heißen Jahreszeit. Auch das war ein großer Kritikpunkt in der Vergangenheit. Auf dem Roßmarkt wird nur ein kleineres Hochbeet angelegt. Diese Fläche will sich die Stadt als Veranstaltungsort erhalten, etwa für das alljährliche Grüne Soße-Festival.

Pavillon auf Zeit

Alle Entwürfe hat die Berliner Landschaftsarchitektin Kiefer im Auftrag der Stadt geliefert. Für sie endet ihr Engagement in Frankfurt nach vielen Jahren jetzt doch noch versöhnlich: Anfangs hatte sie sich über die Kritik sehr geärgert. Die Stadtregierung hat die Umgestaltung beschlossen, jetzt müssen die Stadtverordneten ihr finales Votum folgen lassen. Wann genau der Umbau erfolgt, hängt davon ab, wie lange die Diskussion dauern wird, die jetzt beginnt.

Die Stadt wagt zugleich einen weiteren Schritt: Sie lässt ein temporäres Bauwerk zu, das in Verlängerung der Junghofstraße die Platzfolge teilen wird. Es handelt sich um einen Pavillon, der für Veranstaltungen des „Architektursommers“ 2015 nach dem 3. Oktober aufgebaut wird. So spät, weil die Platzfläche vorher für die zentrale 25-Jahr-Feier der Deutschen Einheit gebraucht wird.

Folgekosten gedrückt

Über ein dauerhaftes Bauwerk an dieser Stelle war in der Vergangenheit schon trefflich gestritten worden – ohne Ergebnis. Es gibt Entwürfe für ein filigranes Gebäude mit Parterre und erstem Stockwerk, das etwa ein Café aufnehmen könnte. Doch die Stadtverordneten konnten sich nie zu einem eindeutigen Beschluss durchringen. Cunitz zeigte sich auf der Pressekonferenz gestern „sehr gespannt, wie die Debatte ausgeht.“ Er selbst könnte sich ein solches Bauwerk an dieser Stelle durchaus vorstellen.

Stephan Heldmann, der Leiter des städtischen Grünflächenamtes, ging schließlich noch auf ein Thema ein, das selbst in der reichen Stadt Frankfurt immer eine Rolle spielt: Die Folgekosten der grünen Bepflanzung aller Plätze. Es sei gelungen, versichert der Amtsleiter, die jährlichen Unterhaltungskosten auf ein Fünftel der früheren Ausgaben zu drücken. Genaue Zahlen nennt er nicht, aber das Grünflächenamt unterliegt, wie andere wichtige Behörden, seit 2013 strikten Sparvorgaben. Auch deshalb wohl fiel die Wahl auf genügsame Stauden als Bepflanzung.

Elf Jahre Diskussion

Die Journalisten wollen dann vom Bürgermeister tatsächlich noch wissen, warum es solange gedauert hat, bis die Stadt die Kritik der Bürgerinnen und Bürger aufgegriffen hat. „Es gibt immer viele Wünsche, viele Ideen“, sagt Cunitz daraufhin etwas vage, und alle seien sie immer eilbedürftig. „Ich bin mit dem Ergebnis sehr, sehr zufrieden“, fügt der Politiker noch hinzu.

Denn immerhin bereits elf Jahre sind jetzt vergangen, seit Kiefer 2004 den Gestaltungswettbewerb für die Flächen im Herzen der Stadt gewonnen hatte – und die Diskussionen begannen. Cunitz erinnert daran, dass die Kommunalpolitik damals die Flächen als bewusst „steinerne Plätze“ gesehen habe. Das hat sich nun geändert.

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